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Schwanentempel glänzt wieder

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Viel Geduld und Gefühl ist bei der Arbeit gefragt, im Bild Restauratorin Leonie Stall.
Viel Geduld und Gefühl ist bei der Arbeit gefragt, im Bild Restauratorin Leonie Stall. © Claus Völker

Der Albin-Müller-Pavillon auf der Mathildenhöhe ist restauriert. Finanziert wurde das Projekt durch die Hans-und-Dorrit-Michel-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Verein der Freunde der Mathildenhöhe.

Seit Juni ist der Schwanentempel auf der Mathildenhöhe in Darmstadt saniert worden. Das 1914 von Albin Müller entworfene Bauwerk ist Teil des Ensembles Mathildenhöhe, das sich um Anerkennung als Weltkulturerbe beworben hat. Jetzt haben die beiden Kölner Restauratoren Leonie Stall und Hanno Born ihre Arbeit abgeschlossen. Die beiden sind schon mathildenhöhe-erprobt: Auch bei den Sanierungsarbeiten im Platanenhain haben sie mitgearbeitet.

Der keramische Gartentempel hat in den vergangenen Jahren gelitten. Um weitere Verluste an der Originalsubstanz zu verhindern, war die Sanierung des Pavillons unumgänglich geworden. Finanziert wurde das Projekt durch die Hans-und-Dorrit-Michel-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Verein der Freunde der Mathildenhöhe.

Der Schwanentempel liegt an exponierter Stelle auf der Südseite der Mathildenhöhe, am oberen Ende des Fußwegs. Die letzte Renovierung liegt fast 30 Jahre zurück. Damals erhielt der kleine Tempel statt der ursprünglichen Biberschwanzdeckung ein Dach aus Kupferblech. Ansonsten aber blieb der 1914 für die letzte Ausstellung der Künstlerkolonie von Albin Müller entworfene Pavillon weitgehend original erhalten.

„Auch unsere Aufgabe ist die Konservierung und Erhaltung des Tempels“, sagt Born. Man habe zunächst Schäden an der Wandmalerei im Gewölbeinneren ausgebessert, gereinigt, ergänzt und mit Festigungsmittel konserviert. „Das Konzept auf der Mathildenhöhe zielt darauf ab, das Erscheinungsbild beizubehalten“, sagt Born. Daher werden weder Farben noch Formen verändert.

Auf Kontraste angelegt

Das Gewölbe ist bemalt mit ornamentaler, floraler Malerei in gedeckten Tönen, an manchen Stellen ergänzt durch Farbtupfer in kräftigem Blau oder Orange. Die Malerei ist auf Kontraste angelegt, wird zur Mitte hin dunkler. Der Grundbau ist aus Stahlbeton, was man dem Tempelchen allerdings nicht ansieht, denn eine feine Linienstruktur lockert die Betonoberfläche auf.

Die acht Doppelsäulen, die den Tempel tragen, sind mit dunkel glasierten Keramiken verkleidet, auch die weißen Kapitellen über den Säulen sind aus Keramik. Gefertigt wurden sie ebenso wie die Fliesen des Wasserbeckens vor der Russischen Kapelle von der Gießener Dampf-Ziegelei Gail.

Seinen Namen hat der Pavillon nach den im Relief der Kapitelle dargestellten Schwäne, die ursprünglich als Wasserspeier dienten. Auch die Reliefs waren beschädigt, sagt Born. Also habe man die Risse verschlossen, damit kein Wasser in die Stahlbetonkonstruktion eindringen kann. Außerdem wurde fast jede der dunkel glasierten Keramiken gereinigt und ausgebessert, fehlende Mörtelfugen wurden in einer aufwendigen Prozedur von Leonie Stall ergänzt.

Die Arbeit der beiden Restauratoren blieb nicht unbemerkt: „Die Mathildenhöhe ist ein echter Touristen-Hot-Spot“, sagt Born, entsprechend viele Interessierte hätten das Gespräch mit den beiden gesucht: Ob es die Mathildenhöhe als Weltkulturerbe schaffen werde, sei ebenso Thema gewesen wie etliche Fragen zu den Arbeitsabläufen der beiden Restauratoren. Diese haben Stall und Born in einem Bericht dokumentiert wie auch bauzeitliche Gestaltungsmerkmale des Pavillons.

Nun haben die Kölner erst einmal die wichtigsten Arbeiten in Platanenhain und Tempel abgeschlossen. Allerdings, räumt Born ein, werde man hoffentlich noch einmal wiederkommen. „An Dach und Boden gäbe es noch einiges zu tun.“ (an)

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