1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Die Schwäne glänzen wieder

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Seine Doppelsäulen machen den Schwanentempel auf der Mathildenhöhe zu etwas Besonderem.
Seine Doppelsäulen machen den Schwanentempel auf der Mathildenhöhe zu etwas Besonderem. © André hirtz

Der Albin-Müller-Pavillon auf der Mathildenhöhe ist frisch restauriert. Die Kosten von rund 45 000 Euro übernahm nämlich die Hans-und-Dorrit-Michel-Stiftung; das Stifter-Ehepaar kam persönlich zu der kleinen Feier im Pavillon.

Rechtzeitig vor Heiligabend konnte offiziell der Abschluss der mehrmonatigen Restaurierungsarbeiten am Schwanentempel gefeiert werden. „Das ist ein Ort, der anzieht, mit einem wunderbaren Ausblick“, sagte Mathildenhöhe-Koordinator Nikolaus Heiss. „Die Menschen mögen ihn.“

Und es fällt leichter, einen intakten Pavillon zu mögen als einen Bau mit rissiger Verkleidung, blätternder Farbschicht und schmutzigen Kalkablagerungen. „Es bestand akuter Handlungsbedarf“, sagte der Kölner Restaurator Hanno Born im Rückblick auf den im Frühjahr vorgefundenen Zustand.

Einmalig ist der Schwanentempel mit seinen acht Doppelsäulen, verkleidet mit glasierten Reliefplatten. Unter der Keramik befindet sich ein Kern aus Stahlbeton. Über die Jahrzehnte rostete der Stahl. Kacheln brachen, Fugen bröckelten, Wasser drang verstärkt ein, die Korrosion beschleunigte sich. Born und seine Kollegin Leonie Stall erneuerten die Verfugung, reparierten die geborstenen Keramikplatten mit Epoxidharz und überzogen sie mit einem wachsähnlichen Material.

Feuchtigkeit in der Kuppel und abgeblätterte Farbe

Auch die ornamentale Malerei in der Kuppel war durch die eingedrungene Feuchtigkeit in Mitleidenschaft gezogen. Die verblassten Farben wurden im Zuge der Restauration nicht neu aufgetragen, doch die innen abgelöste Farbschicht – „fast wie eine Tapete“, sagte Born – mit eingespritztem Fixiermittel wieder befestigt. Die Kölner Restauratoren erstellen derzeit eine Dokumentation ihrer Arbeiten; dieser Bericht werde Teil der Welterbe-Bewerbung sein, erklärte Partsch.

Der Oberbürgermeister bedankte sich zugleich für das bürgerschaftliche Engagement, dass in der Sanierung des Tempels zum Ausdruck kam. Die Kosten von rund 45 000 Euro übernahm nämlich die Hans-und-Dorrit-Michel-Stiftung; das Stifter-Ehepaar kam persönlich zu der kleinen Feier im Pavillon.

„Nach dem Krieg habe ich ein Jahr lang im Großen Haus Glückert gewohnt“, sagt Hans Michel und deutet auf die Fenster im Dachgeschoss des Jugendstilbaus am Christiansenweg, vis-à-vis dem Pavillon. Heute wohnen die Michels auf der Rosenhöhe. Auf der Suche nach einem gemeinnützigen Projekt kamen sie in Kontakt mit dem Verein der Freunde der Mathildenhöhe, der die Stifter auf den Schwanentempel aufmerksam machte und die Koordination übernahm. Das Ehepaar kündigte an, sich auch weiterhin für die Bürgerschaft engagieren zu wollen.

Der Förderverein feiert 2016 sein zehnjähriges Bestehen. Knapp 50 000 Euro an Eigenmitteln und 60 000 Euro an Sponsorengeldern hätten die knapp 100 Mitglieder seit Ende 2006 für die Mathildenhöhe aufgebracht, erklärt der stellvertretende Vorsitzende Bernhard Wolf.

Der Pavillon am oberen Ende des Christiansenwegs war 1914 von Albin Müller für die letzte Ausstellung der Künstlerkolonie entworfen worden. Die Keramikplatten wurden von der Gießener Dampf-Ziegelei Gail hergestellt. Aus Keramik bestehen auch die weißen Kapitelle über den Säulen – von den dort dargestellten Schwänen hat der Bau seinen Namen. Das Dach aus Kupferblech ersetzt seit 1987 die frühere Biberschwanzdeckung – bis heute die größte Veränderung am Schwanentempel. (bad)

Auch interessant

Kommentare