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Schrauben am PC: Stephan Voeth (li.) und Lukas Laufenberg vom Computerwerk.
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Schrauben am PC: Stephan Voeth (li.) und Lukas Laufenberg vom Computerwerk.

Darmstadt

Nach Hackerangriff: Andrang auf Videokonferenz-Tool aus Darmstadt

  • Claudia Kabel
    vonClaudia Kabel
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Ein Hackerangriff zum Schulstart ließ die bundesweit genutzte Lernplattform Schul-Cloud abstürzen. In Darmstadt verzeichnete ein kleiner Verein aus Studierenden immensen Andrang und hält eine Alternative für Videokonferenzen bereit.

Update von Dienstag, 12. Januar: Ein Hackerangriff war offenbar die Ursache für den Absturz bei der Schul-Cloud am Montag. Das teilte das Hasso-Plattner-Institut in Potsdam auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit. Demnach sei es bei der HPI Schul-Cloud vorübergehend zu Problemen bei der Erreichbarkeit und zu Leistungseinschränkungen gekommen. Ursache hierfür sei ein Distributed-Denial-of-Service(DDos)-Angriff gewesen. Bei solchen DDoS-Attacken werde eine Vielzahl von gezielten Anfragen an Rechner geschickt, um das System zu stören. Das HPI habe am Montag eine überdurchschnittlich hohe Zahl an Zugriffen aus dem außereuropäischen Ausland festgestellt. In Verbindung mit der ohnehin starken Auslastung des Systems durch den bundesweiten Schulstart und den durch den Hackerangriff automatisch ausgelösten Abwehrmaßen sei es zwischen 8 und 12 Uhr zu einer eingeschränkten Erreichbarkeit gekommen.

99 Schulen in Hessen nutzen Schul-Cloud

Das HPI habe umgehend reagiert, teilte eine Sprecherin mit. Unter anderem seien die Serverkapazitäten im Vergleich zur Vorwoche nochmals verdoppelt. Die aktuelle Leistung und Auslastung der Infrastruktur werde seitens des HPI weiterhin kontinuierlich überprüft und notwendige Erweiterungen und Anpassungen bei Bedarf vorgenommen. Die Schul-Cloud ist eine Lehr- und Lernumgebung, die von 99 Schulen in Hessen genutzt wird. Bundesweit steht das vom Bundesministerium für Bildung geförerten Projekt rundf einer Million Menschen zur Verfügung.

Darmstädter Verein Computerwerk bietet Alternative

Ursprungsartikel vom 11. Januar 2021: Pünktlich zum Schulbeginn nach den Weihnachtsferien staunten Lukas Laufenberg und seine Mitstreiter vom Computerwerk Darmstadt nicht schlecht: Der Andrang auf ihr Videokonferenztool Senfcall, das die Studierenden seit Mai kostenlos anbieten, ging am Montagmorgen schlagartig nach oben.

Die Nutzerzahlen stiegen von 1200 Menschen, die bislang gleichzeitig an Videokonferenzen teilnahmen, auf 4000 am Montagmorgen, sagt Laufenberg der Frankfurter Rundschau. Man habe deshalb sofort Server dazugeschaltet und damit den Andrang auffangen können.

Grund für die enorme Nachfrage sei wohl der Ausfall bei der Schulcloud und anderen Online-Plattformen gewesen. Wegen des Lockdowns hatten vermutlich zu viele Schüler:innen gleichzeitig versucht, an Onlineunterricht teilzunehmen. „Offenbar stiegen nach dem Absturz sehr viele Bildungseinrichtungen auf Senfcall um“, vermutet Laufenberg.

Nach den Ursachen des Engpasses forscht derzeit noch das Hasso-Plattner-Institut, das – unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung – die Schulcloud als Lernumgebung für mehr als eine Million Menschen bundesweit anbietet. Wie eine Sprecherin des Instituts in Potsdam der FR mitteilte, nutzen auch Schulen in Hessen die Schulcloud.

Shitstorm auf Twitter

Auf Twitter löste der Absturz der HPI-Schulcloud einen Shitstorm aus. Thomas Schäfer, hessischer Landtagskandidat aus dem Main-Kinzig-Kreis, schrieb: „Erster Schultag, Distanzunterricht, und die Schulcloud ist gleich nicht erreichbar. Geht so moderne Bildung in Hessen? Wenn das jetzt bis Ende Januar so weiter klemmt, können wir auch gleich die Ferien verlängern.“

„Schön zu sehen, dass wir gebraucht werden“, resümiert indes Lukas Laufenberg vom Computerwerk. Der 35 Mitglieder starke Verein engagiert sich seit 2014 dafür, die Teilhabe an der digitalen Gesellschaft zu verbessern. Dafür werden zum Beispiel gebrauchte Computer an Bedürftige kostenlos abgegeben oder Asylbewerberheime mit Hardware ausgestattet. Alles geschieht ehrenamtlich und auf Spendenbasis. Die Idee für das Videokonferenztool Senfcall kam von Mitgliedern des Vereins, die an der Technischen Universität Darmstadt und am Karlsruher Institut für Technologie studieren.

Als die Universitäten zu Beginn der Pandemie anfingen, „unsichere und fragwürdige Videoplattformen zu nutzen“, wollten die Studierenden eine Alternative bereitstellen, schreibt der Verein. „Daher haben wir unser eigenes System erstellt und für alle verfügbar gemacht“, sagt Hannes Mayr vom Senfcall-Team und Vorstand im Computerwerk.

Senfcall als kostenlose Alternative

Datenschutz und Benutzbarkeit seien die höchsten Grundsätze. Man habe zeigen wollen, dass auch unter Wahrung höchsten Datenschutzes, ohne Nutzung personenbezogener Daten zu Werbezwecken und nur mit Open-Source-Software ein solcher Dienst möglich sei. Grundlage bildet das Programm Big Blue Button. Bereits im März hatte der Verein anderen Hochschulgruppen und Vereinen die Software zur Verfügung gestellt. Im Mai startete dann der öffentliche Dienst, den mittlerweile mehrere Tausend Menschen täglich nutzen.

Nutzen kann jeder die Plattform zum Eröffnen einer Videokonferenz kostenlos unter senfcall.de.

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