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Die Schuld der Behörden

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Eine Ausstellung zeigt die Enteignung jüdischer Bürger im Dritten Reich. Die Ausstellung wird Sonntag, 25. Januar, um 13 Uhr im Rüsselsheimer Museum und um 16 Uhr im Flörsheimer Mainturm eröffnet.

Um zu verhindern, dass es jemals wieder zu einem Regime des Terrors und der Gewalt wie das der Nationalsozialisten kommen kann, hilft es nicht, die Schuldigen von den Unschuldigen zu unterscheiden. Es bedarf der tief greifenden Erkenntnis darüber, wie es so weit kommen konnte. Die Ausstellung „Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933 – 1945“, die am Sonntag, 25. Januar, im Rüsselsheimer Stadt- und Industriemuseum in der Festung eröffnet wird, will einen Teil zu dieser Erkenntnis beitragen.

Indem gezeigt wird, wie der Staatsapparat für Finanzen bis ins kleinste Rädchen des Getriebes funktionierte, wird klar, welch perfekt durchorganisierte Maschinerie hinter der NSDAP stand, wie Thomas Wurzel von der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen als Sponsorin der Ausstellung am Freitag bei einem Vorabrundgang erläuterte.

Zum Beispiel die jüdischen Familien Nachmann und Lang aus Rüsselsheim. Ihre Geschichte haben Bürza Akyüz und Nabila Akachar erforscht. Um mehr über die zunächst schleichende und dann immer offensivere Zerstörung ihrer Lebensgrundlage zu erfahren, sind die Schülerinnen der Friedrich-Ebert-Schule mit Referendar Samet Kargöz und ihrer Lehrerin Karola Pruschke-Löw auf der Suche nach Fakten in Archive eingetaucht.

Lokale Inhalte zugefügt

Die Geschäfte von Ida und Emanuel Nachmann beispielsweise florierten bis zur Machtübernahme. Nachmann war das erste Taxiunternehmen und die erste Opel-Generalvertretung in Rüsselsheim, außerdem man die erste Tankstelle in der Stadt. Zu den Geschäften gehörten auch ein Fahrradladen, eine Fahrschule und eine Autoschlosserei. Dann entzog Opel die Aufträge, die Fahrschüler blieben aus, die jüdische Familie musste ein Viertel ihres Unternehmens verkaufen.

Dass die Ausstellung, die 2002 unter Federführung des Fritz-Bauer-Instituts und Mitwirkung des Hessischen Rundfunks initiiert wurde, am jeweiligen Ausstellungsort um lokale Inhalte ergänzt wird und so immer weiter wächst, gehört zum Konzept. Aus Groß-Gerau steuerte eine zehnte Klasse der Prälat-Diehl-Schule Recherchen zur Familie Hirsch bei.

In Flörsheim, wo die Ausstellung parallel im Kunstforum Mainturm zu sehen ist, erzählen Schüler des Graf-Stauffenberg-Gymnasiums von Familie Altmaier. Der Blick fällt dabei fernab von großen Naziaufmärschen auf kleine Behörden und Ämter mit all ihren kleinen Beamten, die auch unter den Vorzeichen der Judenverfolgung und der Rassenideologie brav ihren Dienst taten. Die die Gesetze umsetzten, die jüdischen Bürgern ihrer gesamte Existenzgrundlage beraubten. Sichtbar werden auch die Mitläufer, die bei der Verschleuderung ehemals jüdischen Besitzes ihre Schnäppchen machten. Und schließlich auf die Zeit der Entschädigung, die für die Opfer noch einmal mit zähen und oftmals entwürdigenden Verhandlungen verbunden war.

Die Ausstellung wird Sonntag, 25. Januar, um 13 Uhr im Rüsselsheimer Museum und um 16 Uhr im Flörsheimer Mainturm eröffnet. Zu Gast ist in beiden Städten als Schirmherr der ehemalige Bundesminister Norbert Blüm. (vol)

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