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Schüler als Copiloten

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Gedränge herrscht an der Haltestelle am Willy-Brandt-Platz.
Gedränge herrscht an der Haltestelle am Willy-Brandt-Platz. © Völker

Das Risiko ist gestiegen für Schüler, die mit dem Bus unterwegs sind. Mit einem neuen Projekt sollen Fünftklässler im Unterricht lernen, wie sie Unfälle vermeiden können.

Wieso haben Schüler nach sechs oder sieben Stunden Unterricht noch so viel Energie? Explosionsartig lösen sich die Kräfte, es wird gelacht, gekabbelt, gerangelt, geschubst. Anspannung lässt nach, Aufmerksamkeit geht flöten. Und so stehen sie an der Straßenbahnhaltestelle: ein wild bewegtes Knäuel.

Für den Fahrer eines Zuges, der sich der Haltestelle nähert, ist das eine extreme Stresssituation. Für die Schüler dagegen, ohne dass es ihnen bewusst wäre, eine Gefahrensituation. Wie kann man die Situationen für beide entschärfen? Um darauf eine Antwort zu geben, haben Polizei, Schulamt, Heag und die Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation Dadina ein Unterrichtsprojekt entwickelt: „Copilot – sicher unterwegs mit Bus und Bahn“.

Am Dienstag wurde es im Polizeipräsidium vorgestellt. Und dann gleich als Material einer Lehrerfortbildung genutzt. Schon der Name des Projekts hat mit dem Begreifen dessen zu tun, was beim Fahren mit Bus und Bahn besonders ist. Nur im Flugzeug nämlich gibt es noch Kopiloten. Auf Straße und Schiene jedoch ist der zweite Mann entbehrlich geworden, sei es als Beifahrer oder Schaffner. Die Rolle des Kopiloten übernimmt im Nahverkehr heute der Passagier; „jeder Fahrgast“, so sagte Projekt-Autorin Carina John, „kann dazu beitragen, dass die Fahrt sicherer wird.“

„Copilot“ baut auf dem Verkehrssicherheitstraining auf, dass es schon seit langem für Grundschüler gibt – hier lernen die Kinder, auf dem Schulweg wachsam und achtsam zu sein. Ein Schulweg, der in der Regel zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt wird.

Drei Doppelstunden für mehr Sicherheit

Der Übergang auf die weiterführenden Schulen bringt längere Wege und andere Verkehrsmittel mit sich. Das neue Projekt wendet sich daher an Fünftklässler. Mit dem jetzt vom Projektteam erarbeiteten Material können die Lehrer drei Doppelstunden füllen, oder auch eine Projektwoche.

Rollenspiele sollen den Schülern die andere Seite nahebringen – die des Fahrers, die der anderen Passagiere, die sich Lärm, Enge, Gedrängel mit Rucksäcken ausgesetzt sehen. Aber auch um technische Faktoren geht es: Was passiert, wenn die Bahn ganz plötzlich bremsen muss? Wie lang ist der Bremsweg eines Busses?

Das Unfallrisiko sei jedenfalls gestiegen, bilanzierte Schulamtsleiterin Marion Steudel. Man wolle es daher „gar nicht mehr zum Eintritt negativer Folgen kommen lassen“, sagte Polizeivizepräsident Uwe Brunnengräber. Verkehrsdezernent und Dadina-Vorstandschef Dieter Wenzel nannte die Kooperation von Schule, Polizei und Nahverkehr „hessenweit vorbildlich“ und hoffte, dass andere Städte „dem Darmstädter Beispiel folgen“.

Heag-Mobilo-Geschäftsführer Matthias Kalbfuss wies darauf hin, dass sich Schüler der Mittelstufe dann später auch als „RMV-Begleiter“ schulen lassen können – eine Art Schülerlotse in Bus und Bahn. ( ers)

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