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Uwe Holland, der Rechenschieber-Sammler.
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Uwe Holland, der Rechenschieber-Sammler.

Babenhausen

Schubladen voller Mathematik

Uwe Holland rechnet fast nie. Dabei könnte er, wenn er wollte. Er hat nämlich das ganze Haus voll mit Rechenschiebern. Der kleinste ist 10 Zentimeter, der größte 2 Meter lang, jeder berechnet etwas anderes.

Von JUDITH VOSS

Uwe Holland rechnet fast nie. Dabei könnte er, wenn er wollte. Er hat nämlich eine Menge Rechengeräte im Haus. Mittlerweile ist seine Sammlung so groß, dass er sie selbst kaum mehr überblickt. Alle Schubladen in allen Schränken, alle Vitrinen und Kisten sind proppenvoll: stapelweise Rechenstäbe. Jeder Winkel des Hauses ist voller Mathematik.

Auf den ersten Blick sieht so ein Rechenstab oder Rechenschieber aus wie ein Lineal mit einer komplizierten Skala. Viele kleine Ziffern stehen unübersichtlich neben- und übereinander.

Doch wenn Uwe Holland einen Teil des vermeintlichen Lineals herauszieht, die Zunge des Rechenschiebers, kann er damit rechnen. Ein Schieber aus Plexiglas gibt Aufschluss über das Ergebnis, sofern man weiß, wie es geht und wonach man auf der Skala suchen muss. "Man kann sich leicht verrechnen. Deshalb braucht man eine Gebrauchsanweisung, und die ist nicht immer dabei", sagt Holland.

Das kleinste Exemplar in seiner Sammlung ist gerade einmal zehn Zentimeter lang, das größte hängt an einer Wand und misst zwei Meter. Die meisten Rechenstäbe passen allerdings bequem längs in eine Schublade. Dort hortet sie Uwe Holland, 54 Jahre alt, Programmierer und leidenschaftlicher Sammler. Hunderte, Tausende der analogen Rechenmaschinen lagern im Wohnzimmer seines Einfamilienhaus in Hergershausen.

Kuriose Stücke sind dabei: Einen Schieber zum Errechnen von Gefälle, einen Futter-Kalkulator für Kühe und einen alten Rechenschieber für den Haushalt, mit dem die benötigte Menge von Briketts zum Heizen errechnet werden kann.

Bei den komplexeren Exemplaren gibt es je nach Skala verschiedene Ausführungen. Ein Modell nennt sich beispielsweise "Darmstadt", weil es an der damaligen Technische Hochschule Darmstadt (heute Technische Universität) um das Jahr 1935 herum entwickelt wurde.

Holland hat Exemplare aus Plastik, Metall, Holz und Pappe, aus Italien, Russland, Japan und der DDR; manche sind vergilbt und abgenutzt, andere sehen aus wie neu.

Dabei sind die Schiebe-Dinger heute fast ausgestorben. Taschenrechner und Computer haben die altmodische Rechenhilfe abgelöst. "Bis Ende der siebziger Jahre wurden sie hergestellt, dann war eigentlich Schluss", sagt der Sammler.

Er selbst hat in seiner Schulzeit noch einen Schieber benutzt. Seine Leidenschaft für die kleinen Latten entdeckte er allerdings erst im Jahr 1994 auf einem Flohmarkt. Warum er sein erstes Exemplar gekauft hat, weiß er selbst nicht mehr so genau: "Irgendwie hat mir der Rechenschieber leid getan. Ich dachte mir, er wird sonst von allen verstoßen." Deshalb nahm er das flache Ding mit nach Hause und sah es sich genau an. "Die Technik faszinierte mich", sagt er.

Mittlerweile ist seine Sammelwut fast zum Spleen geworden; er durchforstete die Flohmärkte, und zu den Schiebern kamen Rechenwalzen und Taschenrechner, eine Registrierkasse und diverse Rechenmaschinen.

Doch Uwe Holland benutzt all diese Geräte nicht zum Addieren, Subtrahieren oder Dividieren. Er will sie einfach besitzen. Zurzeit katalogisiert er am Computer seinen Bestand. "Sie sind mir doch sehr ans Herz gewachsen, ich gebe sie nur ungern aus der Hand", sagt Holland über seine Schätze.

Jetzt hat das Altstadtmuseum Hinkelsturm angefragt, ob es ein paar seiner Rechenschieber-Modelle "Darmstadt" für eine Ausstellung im Herbst haben dürfe. "Schweren Herzens habe ich einige herausgesucht", sagt Holland, der die meisten seiner Rechenschieber doppelt hat.

Schon lange hat Uwe Holland kein Rechengerät mehr gekauft. "Meine Gesundheit erlaubt mir leider nicht mehr, auf die Flohmärkte zu gehen." Doch demnächst will er sich vermehrt im Internet umsehen - und vielleicht mal wieder ein Exemplar ersteigern. In den Schubladen findet sich schon noch ein Platz.

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