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Schönheitskur im Schlosspark

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Auch diese kranke Blutbuche war zu einer Gefahr für Fußgänger geworden – und musste gefällt werden.
Auch diese kranke Blutbuche war zu einer Gefahr für Fußgänger geworden – und musste gefällt werden. © Guido Schiek

Im Schlosspark am Darmstädter Jagdschloss Kranichstein sind 160 Jahre alte Bäume von Pilz befallen. Sie müssen deshalb fallen, werden aber ersetzt. Die Stiftung Hessischer Jägerhof arbeitet derzeit am Pflegewerk für den historischen Garten.

In dem mehr als 250 Jahre alten Schlosspark am Darmstädter Jagdschloss Kranichstein sind einige Bäume gefällt worden – darunter zwei 160 Jahre alte, kranke Blutbuchen. Sie werden ersetzt und sind Bestandteil des Parkpflegewerks, an dem die Stiftung Hessischer Jägerhof derzeit arbeitet. „Sie werden schon sehr fehlen“, sagt Onno Faller. Die Kuratorin der Stiftung Hessischer Jägerhof steht wehmütig vor einer der beiden knapp 30 Meter hohen Blutbuchen. Dass die Bäume krank sind, sieht selbst der Laie: Dicke Pilze wuchern an der Rinde, auf der Wiese liegen große, stark verzweigte Äste, die in den vergangenen Wochen abgebrochen sind.

Der Park in Kranichstein erstreckt sich auf rund 4,5 Hektar an der Nord- und Ostseite der Schlossanlage und ist für Besucher geöffnet. Daher, so Onno Faller, könne man nicht verantworten, die Bäume stehen zu lassen. „Das ist zu gefährlich.“ Neben den beiden Blutbuchen, müssen noch fünf kranke Douglasien und Robinien fallen. Sie sind zwischen 30 und 70 Jahre alt, gehören nicht zum ursprünglich geplanten Park, sondern haben sich ausgesät, erklärt die Kuratorin. Grundlage ist ein Baumgutachten, das für jeden Baum im Park Maßnahmen beschreibt.

Das Fällen der alten Bäume ist schwierig. Da der Stamm schon stark verfault ist, müsse man vorsichtig vorgehen, sagt Thorsten Kerkau von der Forst- und Landschaftsbaufirma Baumann. Zunächst wird die Krone mit Seilen fixiert, dann eine Kerbe in die geplante Fallrichtung des Baums gesägt. Liegen die Bäume, werden sie in kleinere Stücke gesägt und abtransportiert.

Bürger beteiligen sich

Dies wiederum wird noch eine Weile dauern. Zunächst müssen die Wiesen des Schlossparks abtrocknen, damit die Transportfahrzeuge keine tiefen Reifenspuren im Boden hinterlassen.

Onno Faller weiß, dass die Darmstädter den Park vor allem auch für dessen Ursprünglichkeit lieben, für das Zusammenspiel von gepflegtem Park einerseits und wilder Flora andererseits. So spielt für das Pflegewerk, das die Stiftung mit ehrenamtlichen Helfern und Landschaftsarchitektin Bettina Clausmeyer-Ewers erstellt, jeder Strauch und Schneeglöckenteppich eine genauso wichtige Rolle wie die teils 150 Jahre alten Bäume selbst.

„Anhand der Merkmale wollen wir herausfinden, welche Entwicklungen der Park durchlaufen hat.“ Dies sei echte „Detektivarbeit“, sagt Faller. Historische Grundlagen wie Pflanzlisten werden recherchiert, Pläne und Kartierungen studiert, Zeichnungen analysiert. Mit den Informationen wird dann ein Programm für die Pflege, Unterhaltung oder Umgestaltung der Anlage erarbeitet, das ihren Denkmalwert langfristig sichert.

„Dabei gehen wir behutsam vor, es wird kurz-, mittel – und langfristige Projekte geben“, sagt Faller. Seit 2015 arbeiten die Fachleute an dem Pflegewerk, das Ende dieses Jahres fertig sein soll und dessen Kosten – rund 36 000 Euro – sich Stiftung und Landesamt für Denkmalpflege Hessen teilen. Die Kosten für die Umsetzung wird weitgehend die Stiftung übernehmen.

„Bei der Neupflanzung hoffen wir aber auf Spenden der Bürgerschaft“, sagt Faller. So könne man an die Stelle der gefällten Blutbuchen kein kleines Pflänzchen setzen, „und größere Exemplare haben ihren Preis“. Es gibt bereits einige Bürger, die sich ehrenamtlich bei der Analyse des Parks engagieren. Manche kartieren Frühblüher wie Schneeglöckchen oder Winterlinge, andere – darunter ein studentisches Team der Hochschule Darmstadt unter Leitung von Geodäsie-Professor Klaus Habermehl – vermessen den Park. (an)

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