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„Schockierende Zustände“ in Flüchtlingsunterkunft in Eppertshausen

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Von: Claudia Kabel

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Die Decke in der Flüchtlingsunterkunft in Eppertshausen ist kaputt.
Die Decke in der Flüchtlingsunterkunft in Eppertshausen ist kaputt. © Privat

Löcher in der Decke und nichtintakte Elektroanschlüsse: Die Flüchtlingsunterkunft in Eppertshausen ist marode.

Glaswolle quillt aus der Wand in der Küche, Steckdosen am Herd sind mit Folie abgedeckt, Zimmerdecken haben Löcher und manche Tür ist zertrümmert… Die Liste der Mängel in der Unterkunft für Geflüchtete in Eppertshausen ist lang. 50 Menschen leben dort.

Von den Zuständen in der Unterkunft in einem ehemaligen Fitnesscenter ist die Landtags- und Wahlkreisabgeordnete der Linken, Christiane Böhm, schockiert. Ihr sei durchaus bewusst, dass Unterkünfte für Geflüchtete keinen Komfort aufweisen. „Allerdings ist es nicht hinnehmbar, dass sechs Kinder unterschiedlichen Geschlechts und Alters – zum Teil in der Pubertät – in einem kleinen Zimmer leben müssen, obwohl andere Zimmer nicht belegt seien.“ Es sei nicht akzeptabel, dass in den Duschen keine Abtrennungen vorhanden sind, dass Decken in Nassbereich offen sind und die Substanz dieses Gebäudes in einem dermaßen schlechten Zustand sei. Waschmaschinen und Trockner funktionierten nur zur Hälfte oder seien nicht ordentlich angeschlossen. In einer Küche werde seit Monaten renoviert und mit Plastikplanen an der Wand und über den elektrischen Leitungen keine Sicherheit vor Bränden geschaffen.

Ihre Eindrücke hat Böhme Landrat Klaus Peter Schellhaas und Sozialdezernentin Christel Sprößler (beide SPD) schriftlich geschildert. Auf eine Antwort wartet sie nach eigenen Angaben seit einer Woche.

Die FR hat auf Anfrage schneller eine Antwort erhalten. Darin wird zunächst betont, dass der Besuch der Abgeordneten ohne Kenntnis des Landkreises, der das Hausrecht habe, geschah.

Das Schreiben von Böhme liege vor, teilte Kreispressesprecher Frank Horneff mit. Es habe ein Eigentümerwechsel stattgefunden und das Objekt sei inzwischen von der Freikirche „Kirche in Aktion“ gekauft worden. Diese habe den Betreibervertrag mit dem Landkreis übernommen.

„Wir wissen, dass die baulichen Zustände dort nicht gut sind“, schreibt Horneff. Sie seien „aber auch nicht unterdurchschnittlich schlecht, auch wenn die Umstände dort nicht gemessen werden können an Wohnverhältnissen, wie sie ansonsten als normal gelten.“ Teilweise seien die Zustände von den Bewohner:innen selbst zu verantworten, etwa das Eintreten von Zimmertüren, mutwillige Zerstörung von Einrichtungsgegenständen.

Der Landkreis habe einen Betreibervertrag für die Einrichtung mit „Kirche in Aktion“. Man wisse aktuell von Renovierungsarbeiten in einer Küche, in deren Folge größere Schäden sichtbar geworden seien, die noch nicht behoben seien. Offensichtlich setzte der Betreiber auch Freiwillige für Renovierungen ein, aber dies könne er machen, wie er will, er müsse nur dafür sorgen.

Die soziale Betreuung übernehme in Eppertshausen die Gemeinde selbst. Der Kreis erstatten die Personalkosten.

Der Landkreis hat aktuell 50 Mietverträge und betreibt selbst Unterkünfte in Reinheim, Bickenbach und Pfungstadt. Insgesamt sind im Landkreis rund 2900 Geflüchtete in Unterkünften untergebracht.

Für die erste Kreistagssitzung 2023 kündigte der Kreistagsabgeordnete Werner Bischoff (Linke) Fragen zu der Unterkunft an.

Eine Wand in der Küche der Flüchtlingsunterkunft in Eppertshausen.
Eine Wand in der Küche der Flüchtlingsunterkunft in Eppertshausen. © privat
Abgedeckte Steckdosenleisten in der Küche der Flüchtlingsunterkunft.
Abgedeckte Steckdosenleisten in der Küche der Flüchtlingsunterkunft. © privat

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