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Schluss mit kalten Füßen

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Oberkommissar Rolf Schröder zieht mit seinen Kollegen bald ins neue Gebäude, der abgenutzte Holztresen bleibt zurück.
Oberkommissar Rolf Schröder zieht mit seinen Kollegen bald ins neue Gebäude, der abgenutzte Holztresen bleibt zurück. © Roman Grösser

Eine Ära geht zu Ende: Das Erste Polizeirevier zieht aus dem Schloss in einen Neubau neben dem Landgericht am Mathildenplatz.

Wenn Sie in diesem Raum ab Oberkante Schreibtisch eine angenehme Temperatur haben", sagt Walter Laue und wedelt in Richtung Thermometer in der Fensternische, das 21,5 Grad zeigt, "dann haut´s Ihnen unterm Tisch die Füße weg vor Kälte." Dies ist einer der Gründe, weshalb der Leiter des Ersten Polizeireviers inzwischen nicht mehr mit eineinhalb weinenden und einem halben lachenden Auge von der Wache im Schloss Abschied nimmt, sondern eher mit anderthalb lachenden.

Domizil an der Bismarckstraße

Nach derzeitigem Stand zieht die Polizei am 11. Februar aus dem historischen Gebäude in einen Neubau neben dem Landgericht am Mathildenplatz/Ecke Bismarckstraße. Mit dem Auszug endet eine Ära, die nach manchen Quellen bereits Ende des 19. Jahrhunderts, mit Sicherheit aber in der 30er Jahren des 20. Jahrhunderts begonnen hat. Und so sehen die Räume auch aus.

60 Meter muss Walter Laue von der schweren Eingangstür im Südflügel am Marktplatz bis zu seinem Büro im Ostflügel, dem letzten Raum des Reviers, zurücklegen. Der Renaissance-Bau gibt eine schlauchförmige Anordnung der Büros vor.

An den glasverbauten Vorraum schließt sich der Wachtisch mit zahlreichen Bildschirmen an. Es ist die Leitstelle des Reviers, die Kommunikationsschnittstelle. "In den 70er, 80er Jahren standen hier spanische Wände, um die Schreibtische voneinander abzuschirmen", erzählt Walter Laue. Wenn an einem Schreibtisch jemand vernommen wurde, konnte er mithören, was nebendran gesprochen wurde.

An den Trakt schließt sich ein Durchgangsraum mit Arrestzelle an. Er verschwenkt den Flur zum Mitteltrakt, wo links der Aufenthaltsraum und die Männerumkleide und rechts hintereinander vier Büros liegen. Ein weiterer Schwenk erschließt den nächsten Trakt, der 1995 letztmals umgebaut wurde: Es entstand die Damenempore, ein Zwischenstockwerk mit Dusche und Umkleide für die Frauen.

Nicht nur gute Erinnerungen

Alles in allem sind es gut 20 Räume, die sich die 58 im Schichtdienst arbeitenden Polizisten und Polizeihund Blacky teilen. An der Bismarckstraße werden es doppelt so viele sein, verteilt auf drei Stockwerke.

Walter Laue, der von 1990 bis 2001 stellvertretender Revierleiter war und seit 2005 Chef ist, hat im Schlossrevier viel erlebt. Nie vergessen wird er den 18. März 1994, als er mit den Kollegen sein Dienstjubiläum nach 25 Jahren bei der Polizei feiern wollte. Ein Freund und Kollege wurde von einem flüchtenden Ladendieb angeschossen. Eine Kugel traf den Unterarm, die andere verfehlte um Zentimeter das Herz, und der Diensthund ließ niemand an sein verletztes Herrchen ran. Heute geht es ihm wieder gut. "Glück gehabt", sagt Laue.

Heikelster Punkt des Umzugs ist das Computersystem. Es wird zunächst auf beide Standorte verteilt, damit es am Umzugstag im Schloss abgeschaltet werden kann und in der Bismarckstraße ohne Datenverluste weiterläuft. Im neuen Domizil gibt es neue Möbel, die Schreibtische, Schränke und Regale müssen also nicht mit umziehen. Und der Rest passt hoffentlich in die 300 Umzugskisten, die Laue bestellt hat.

"Es war machbar", bilanziert der Revierleiter die Geschichte der Polizei im Schloss. "Aber der Erbauer des Schlosses hatte sicher anderes im Sinn." Im Jahr 2010 sei es nun an der Zeit, in funktionale Räume zu ziehen. (rwb)

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