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Schlossgrabenfest Darmstadt: Kritik an Abkehr vom Eintrittsbecher

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Von: Claudia Kabel

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Die Darmstädter Innenstadt war wegen des Schlossgrabenfestes gesperrt: Blick vom Darmstadtium zum Karolinenplatz.
Die Darmstädter Innenstadt war wegen des Schlossgrabenfestes gesperrt: Blick vom Darmstadtium zum Karolinenplatz. © Michael Schick

Zu Hessens größtem Musikfestival in Darmstadt konnte man diesmal nur mit Ticket. Dadurch kamen weniger Gäste zum Schlossgrabenfest. Warum es trotzdem ein Erfolg war und was sich noch ändern muss, erklärt der Veranstalter.

Zehntausende Menschen sind am Wochenende in die Darmstädter Innenstadt zum Schlossgrabenfest gekommen. Neben viel Begeisterung über musikalische Höhepunkte, darunter Howard Carpendale und Tim Bendzko, die auf mehreren Bühnen zu erleben waren, gab es aber auch Kritik am neuen Konzept der privaten Veranstalter. Nach zwei Jahren Pandemie-Pause wurden erstmals Tickets verkauft, die pro Tag zwischen 9,40 und 19,90 Euro kosteten – je nachdem, ob man ein Tagesticket oder ein Festivalticket für alle vier Tage im Vorverkauf oder an der Abendkasse löste.

Diese Abkehr vom 5 Euro kostenden Schlossgrabenbecher, der in den vergangenen Jahren als Festivaleintritt gehandhabt wurde, stieß bei manchem auf Kritik. Für Familien mit Kindern etwa sei es zu teuer gewesen, Menschen mit kleinem Geldbeutel hätten nicht kommen können, schreibt ein Leser an die Frankfurter Rundschau. Dabei stelle doch die Stadt für die Privatveranstaltung „Premium-Flächen in der Innenstadt und erhebliche Leistungen von Behörden und Polizei gratis oder für kleines Geld zur Verfügung“. Das neue Ticketsystem sei eine Abkehr vom bisherigen Konsens: ein tolles Fest, bei dem „alle kostenlos mitfeiern“ konnten.

Schlossgrabenfest Darmstadt: Becher wurden weitergegeben

Thiemo Gutfried, einer der beiden Geschäftsführer der Stage Groove Festival GmbH, die das Schlossgrabenfest veranstaltet, tritt dieser Kritik entschieden entgegen. „Wir müssen durchaus eine Sondernutzungsgebühr für die Flächen zahlen, die Reinigung durch den EAD; jede Absperrung, jede Brandwache der Feuerwehr kostet uns Geld“, sagte er der FR auf Anfrage. Mit den bisherigen Einnahmen aus den Bechern sei dieses Fest mit einem solchen Musikangebot nicht mehr zu finanzieren gewesen. Zudem seien in den vergangenen Jahren nur etwa 60 000 bis 73 000 Becher verkauft worden – und das bei angenommenen 400 000 Gästen pro Festival. Da könne man spekulieren, ob die Becher unter der Hand weitergegeben worden seien.

Nun habe man durch das Ticketsystem erstmals belastbare Zahlen – 80 000 Tickets seien insgesamt verkauft worden – sowohl Tages- als auch Mehrtagestickets. Die genaue Bilanz müsse man sich noch anschauen.

Diesmal weniger Laufkundschaft auf Schlossgrabenfest

Zwar würde dies bedeuten, dass weniger Besucher:innen als früher gekommen seien, doch diese hätten sich klar für das musikalische Event entschieden und dieses auch zu schätzen gewusst. Allerdings überlege man, dass Kinder in Zukunft freien Eintritt haben sollten. Dass sie diesmal ab sechs Jahren hatten zahlen müssen, sei den befürchteten Pandemie-Auflagen und Zugangsbeschränkungen geschuldet gewesen. „Ein Kind hätte genau wie ein Erwachsener einen der beschränkten Plätze belegt“, so Gutfried. Auch wolle man mit den Budenbetreibenden in Nachgesprächen erörtern, wie man deren Einbußen auffangen könne. Sie hätten weniger verkauft, weil weniger Laufkundschaft gekommen sei.

Zur Kritik, dass zu viel öffentliche Fläche abgeriegelt gewesen sei, dass man womöglich als kommerzielles Musikfestival auf eine abseits gelegene Fläche ausweichen solle, sagte Gutfried: „Ein solches Festival in einer Innenstadt als einzigartiger Kulisse gibt es sonst in Deutschland nicht.“ Dies wolle man bewahren. Zudem seien alle Einrichtungen und Restaurants frei zugänglich gewesen. Auch der Marktplatz sei ohne Eintritt zugänglich gewesen. Auch dort hatten Buden gestanden.

Schlossgrabenfest Darmstadt: Wollen uns von Volksfesten abgrenzen

Dass der angrenzende Herrngarten großräumig abgesperrt gewesen sei, habe nicht der Veranstalter entschieden, stellte Gutfried klar. Es habe Befürchtungen der Ordnungsbehörden gegeben, dass Leute dorthin ausweichen könnten, die kein Ticket mehr bekommen.

Insgesamt zieht Gutfried eine positive Bilanz: Es sei alles absolut friedlich abgelaufen. Das Konzept „Klasse statt Masse“ habe sich bewährt. „Wir wollten uns von Volksfesten abgrenzen und mehr den Musikfestivalcharakter betonen.“ Dies hätten viele Gäste offenbar zu schätzen gewusst.

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