1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Schießplatz ist Geschichte

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Wo früher das US-amerikanische Militär Schießübungen abhielt, soll bald wieder eine Heidelandschaft blühen.
Wo früher das US-amerikanische Militär Schießübungen abhielt, soll bald wieder eine Heidelandschaft blühen. © Regina Trabold

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben hat einen ehemaligen US-amerikanischen Schießplatz im Messeler Wald entfernt. 15 Hektar werden jetzt renaturiert.

Von der eingezäunten Rifle-Ranch der US-Amerikaner im Messeler Wald ist nichts mehr zu sehen. Wo früher eine zwei Kilometer lange Straße durch den Wald vor einem verschlossenen Rolltor endete, steht dieser Tage nur noch ein Toilettenhäuschen als Erinnerung an einen Schießplatz, den es jetzt nicht mehr gibt. Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) hat die Blenden und Kugelfangkonstruktion des militärischen Schießplatzes Anfang des Jahres abgetragen und das 15 Hektar große Gelände planiert.

Dass die Öffentlichkeit davon kaum etwas mitbekommen hat, war offenbar Ziel des Bundesforstes, der „Baustellentourismus“ vermeiden wollte. Uwe Gerhardt vom Forstrevier Südhessen bei der Bima bestätigte auf Anfrage, die gesamte Fläche sei samt Straßen und einem Gebäude Anfang des Jahres entsiegelt und für die Renaturierung vorbereitet worden. Die Aufforstung des Terrains sei für kommenden Herbst und Winter geplant. Ein Anteil des Areals werde wieder Heidelandschaft.

Zur Renaturierung und ökologischen Aufwertung der Liegenschaft habe es keine Alternative gegeben, hatte die Bundesforstverwaltung vor dem Abriss mitgeteilt. Ein Unterlassen jeglicher ökologisch aufwertender Maßnahmen führe „im ungünstigsten Falle zu hohen Rückbaukosten auf Seiten des Bundes, aber ohne Einnahmen aus Ökopunkten“.

Heimat für seltene Orchideen

Allein die Abriss- und Entsorgungskosten für die Schießanlage hatte die Behörde mit rund einer Million Euro beziffert. Ein Drittel dieser Kosten entfalle dabei nur auf den Rückbau und die sachgerechte Entsorgung der Blenden und der mit bleihaltigen Munitionsresten belasteten Kugelfangkonstruktion.

Auf 50 Bahnen schossen US-Soldaten bis 2007 auf 400 Meter entfernte Ziele. Ungezählte Projektile schlugen in den Fangsand ein, wo die pulverisierten Überreste der Munition liegen blieben und den Sand kontaminierten.

Der über viele Jahre stets kurz gemähte Schießplatz war danach zur Heide geworden, ein Gelände, das Naturschützer zu schätzen wissen. Auf den Flächen hatte sich ein Biotop mit Orchideen und vielen Moosarten gebildet. Diese seltene Pflanzenwelt aber drohte zu verschwinden. „Sukzession“ nennen es Fachleute, wenn sich die Natur mit Birken, Kiefern und Lärchen auf dem von Flechten, Moosen, Gräsern und Erika bedeckten Boden breit macht. Die Heide drohte unterzugehen, stellten die Förster fest. Das müsse verhindert werden.

Ein von der Bima in Auftrag gegebenes Gutachten bestätigte den Wert des Biotops, das Orchideenarten wie das breitblättrige Knabenkraut, aber auch Zauneidechsen beheimatete.

Die Förster entschieden sich, der Natur den Vorrang zu geben und das Gelände nicht für andere Zwecke zu nutzen. Denn es gab Überlegungen, das Areal im Messeler Hügelland Vereinen als Schießstand für großkalibrige Waffen zu verpachten. Dies aber wurde verworfen. Der Bundesforst denkt daran, die Investition in die Renaturierung durch die Vermarktung von Ökopunkten wettzumachen. Die Bima geht davon aus, dass das Geschäft mit der Natur null auf null aufgeht.

Der Zaun, der das Terrain bis vor Kurzem noch umgab, ist nun weg. Das Gelände soll zwar zugänglich gemacht werden (die Bundesbehörde sprach von einem Rundweg für Touristen), doch keinesfalls sollten Wanderer die Naturflächen stören. Auch eine Anbindung des Gebiets ins naturgeschützte Messeler Hügelland liegt auf der Hand. (tim)

Auch interessant

Kommentare