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Schicke Hülle

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Die Planen trotzen Windböen bis Stärke sieben.
Die Planen trotzen Windböen bis Stärke sieben. © Roman Grösser

Die Fassade des Darmstädter Hochzeitsturms wird saniert, das Gerüst steht. Doch das Denkmal ist weiterhin zu sehen. Auf einer riesigen Plane, die den Turm umhüllt. Bis Februar sollen die Arbeiten dauern

Diesmal wird’s ein milder Winter“: Nikolaus Heiss weiß es ganz genau. Vielleicht will der kürzlich in den Ruhestand verabschiedete Darmstädter Denkmalpfleger aber auch nur gute Hoffnung verbreiten bei den Aktiven des Förderkreises Hochzeitsturm, die sich zur Begutachtung der weltgrößten Abbildung ihres Schützlings auf der Mathildenhöhe versammelt hatten. Denn diese verkleidet als riesige Plane ein Gerüst, mit dessen Hilfe die Sanierung der Hochzeitsturm-Fassade nun in Angriff genommen werden soll.

Ein Baubeginn Anfang November ist für ein solches Unterfangen zumindest ungewöhnlich. Gern hätte man schon im Frühsommer mit den Arbeiten begonnen, sagte der Förderkreis-Vorsitzende Alfred Helfmann. Statische Hindernisse hätten die Errichtung des Gerüsts jedoch um Monate verzögert. Vor allem in der Turmspitze habe es Probleme gegeben: Die Gerüststangen konnten dort nicht in der Außenhaut verankert werden.Erschwert wurde die Konstruktion durch die vom Förderverein gewünschte Plane, die das Gerüst oberhalb des Turmeingangs auf der Frontseite komplett verhüllen soll – am Mittwoch waren erst drei von fünf 40 Meter langen Transparentbahnen angebracht, die fehlenden sollen noch in dieser Woche folgen.

Die Planen haben ein so dichtes Gewebe, dass Windkräfte voll auf das Gestänge übertragen werden. Ein Statiker musste die Konstruktion prüfen, eine eigene Baugenehmigung war für das Gerüst erforderlich. Herbststürme sollten besser einen Bogen um Darmstadt machen, aber immerhin Windstärke sieben müssten Plane und Gerüst nach Helfmanns Worten aushalten. Auch Kälte und Regen können die Arbeiten verzögern, die bei regulärem Verlauf im Februar abgeschlossen sein sollen.

Stahlkonstruktion zeigt Rost

Neben der Witterung liegen Fallstricke im Sanierungsobjekt selbst. Das gelte vor allem für die fünf Finger an der Spitze, erklärte Heiss: Innen befinde sich eine Stahlkonstruktion, die teilweise Rost zeige. Darüber ist eine Holzverschalung, erneuert nach einem Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg und noch heute in recht gutem Zustand.

Klar ist schon jetzt, dass die Abdeckung aus Kupferblechen komplett erneuert wird. Die Bleche werden vorpatiniert geliefert, damit das Dach des Hochzeitsturms sein Erscheinungsbild nicht für längere Zeit von grün zu braun ändert. Zudem sollen die grün glasierten Klinkersteine an den Fingerfronten wieder fest verankert oder, falls rissig, ersetzt werden. Dann kommt die Backsteinfassade an die Reihe, wo der Schmutzkruste von 102 Jahren mit Mikro-Dampfstrahlern zu Leibe gerückt wird.

Sehr schön ist jeder einzelne Fassadenstein auf dem gestochen scharfen Foto zu erkennen, das den Original-Hochzeitsturm für die kommenden Monate verdecken und auf manchem Hochzeitsfoto vertreten wird. Es wurde in drei Einzelbildern von einer Hebebühne über dem Platanenhain aufgenommen, erläuterte Rainer Kumme vom Förderkreis.

Der Verein wollte es Hochzeitspaaren nicht zumuten, vor einem sichtbaren Gerüst ins Eheleben einzutreten, und übernahm den Löwenanteil der Verhüllungskosten von 18?000 Euro. Beiträge leisteten auch die Firmen Evonik, Merck, Procter & Gamble, Sparkasse Darmstadt und Gerüstbau Schimmer. Das Gesamtbudget für die Sanierung des Turms wurde von Heiss mit „mehrere 100?000 Euro“ beziffert, die von der Stadt getragen werden. ( bad)

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