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Schatzsuche im Schloss

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Hier wurden früher Wein und Lebensmittel gelagert.
Hier wurden früher Wein und Lebensmittel gelagert. © Roman Grösser

Damit hatte kaum jemand gerechnet: Im Zuge der Gesamtsanierung des Darmstädter Residenzschlosses, die seit 2009 läuft, haben Arbeiter nun neben der alten Burgmauer aus dem 13. Jahrhundert noch Kellerräume und Gänge freigelegt, die etwa vor 700 Jahren gebaut wurden.

„Die Funde sind gigantisch.“ Architektin Anette Hochberg von der Bauabteilung der Technischen Universität steht im nördlichen Hof des Darmstädter Residenzschlosses und zeigt auf eine etwa 30 Meter lange Baugrube vor dem Kirchenbau.

Die Kellerräume sind Bestandteil des so genannten Hölzernen Hauses, in dem sich im 14. Jahrhundert der Speisesaal, die Küche und das Wohngebäude mit den Frauengemächern der ehemaligen Wasserburg der Grafen von Katzenelnbogen befanden. Dieser Komplex wurde 1546 zerstört.

Freigelegt wurde neben dem Keller auch die Außenmauer des Hölzernen Hauses, dessen Namen vom Fachwerk in den oberen Geschossen rührt, und die gut erhaltene Burgmauer. Sie umschloss ursprünglich die im ersten Drittel des 13. Jahrhunderts entstandene Wasserburg der Grafen von Katzenelnbogen.

„Als wir anfingen zu graben, wussten wir lediglich, dass sich unter dem heutigen Kirchenbau und dem Kirchhof noch Mauern des Hölzernen Hauses befinden, nicht aber eine komplette Kelleranlage“, sagt Anette Hochberg. Das Teilstück des Kellers, das derzeit ausgegraben wird, diente der Lagerung von Wein und Nahrungsmitteln, was sich anhand der Fundstücke – darunter etliche Trinkgefäße, Krüge und Geschirr – beweisen lässt.

Geschirr des Grafen

Rund 1000 Fragmente haben die Arbeiter bislang geborgen. Gesammelt und dokumentiert hat sie Archäologe Matthias Komitzky vom Institut für Bauforschung und Dokumentation aus Marburg, das seit 1985 Hunderte von historischen Gebäuden untersucht und dokumentiert hat. Sie lagern sicher im Depot der Darmstädter Denkmalpflege und werden derzeit Stück für Stück gereinigt und registriert.

Die Funde reichen von Keramikgefäßen über Butzenglasscheiben bis hin zu großen Stücken von gezogenem Glas, was laut Hochberg ein Hinweis auf den Reichtum der Grafen von Katzenelnbogen ist. Komplette Gefäße wie Weinkrüge, Becher und Henkelkrüge mit Ausgießer haben die Archäologen ausgegraben, auch eine Tonfliese mit Fragmenten des Wappen der Grafen von Katzenelnbogen.

In den nächsten Tagen werden Experten vom Landesamt für Denkmalpflege ins Schloss kommen, um zu klären, wie es auf der Baustelle weitergeht. Die Fachleute müssen entscheiden, ob sie weitere Teile des Schlosshofs aufgraben werden. Die Sanierungsarbeiten am Schloss – Bauherrin ist die TU – selbst werden davon nicht beeinträchtigt. Ende 2015 sollen sie abgeschlossen sein.

„Wir sind gespannt, was noch alles unterirdisch auftaucht“, sagt Hochberg. Fachleute werden nun zunächst die Funde analysieren. Denn vor allem die Herkunft der Glasfragmente ist noch nicht eindeutig geklärt. Sie wurden nicht in dem Keller gefunden, sondern in einer früheren Kloake, die – so vermutete Archäologe Komitzky – später als Abfallbehälter genutzt wurde. „Ich wüsste nicht, wo man in Darmstadt noch solche Funde entdecken könnte“, sagt Anette Hochberg. ( an)

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