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Sauberes Wasser für Haiti

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Paulin Giurgiist bei Adra Koordinator für die Region Mittel- und  Südamerika.
Paulin Giurgiist bei Adra Koordinator für die Region Mittel- und Südamerika. © Adra Deutschland

Auch Monate nach dem Erdbeben sind Helfer des Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfevereins Adra im Einsatz.

Die Flutkatastrophe in Pakistan beherrscht derzeit die Schlagzeilen, sie hat das verheerende Erdbeben auf Haiti längst verdrängt. Die Kamerateams sind weitergezogen, aber das Leid ist geblieben. Rund sechs Monate nach dem Beben in Haiti hat sich die Situation für die Inselbewohner zwar verbessert, von einer Entwarnung kann aber noch lange nicht die Rede sein.

Paulin Giurgi hat es mit eigenen Augen gesehen. „Noch immer liegen Trümmer auf der Straße, noch immer findet man Leichen unter den Trümmern. Aber die Skelette halten die Menschen nicht davon ab, im Schutt nach etwas Verwertbarem zu suchen“, erzählt er. Giurgi arbeitet beim Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfeverein Adra in Weiterstadt. Der Verein ist in 25 Ländern weltweit aktiv. Ziel ist, die Lebensbedingungen der Menschen in Entwicklungsländern zu verbessern. Vor allem nach Katastrophen sind Helfer im Einsatz, um den Opfern kurz- und langfristig unter die Arme zu greifen. Giurgi ist Koordinator für die Region Mittel- und Südamerika und somit auch für Haiti zuständig. Seit Februar ist Adra Deutschland mit rund 50 Helfern in Petit Goave, einer Stadt abseits der Hauptstadt Port-au-Prince im Einsatz. Das Epizentrum war nur sieben Kilometer entfernt. 90 Prozent der Gebäude wurden zerstört.

Was Giurgi erzählt, ist erschütternd: Noch immer liege alles voller Schutt, eine Infrastruktur gebe es oft nicht. Auch das Stromnetz funktioniere noch nicht flächendeckend und dort, wo es funktioniert, zapften es die Menschen direkt auf der Straße an.

Privatsphäre gibt es nicht

Gekocht und gegessen werde zwischen den Trümmern. „Aber wirklich schockiert hat mich, dass alles Private auf der Straße stattfindet“, sagt Giurgi. Und damit meint er nicht nur Dinge wie Kochen und Wäsche waschen, sondern auch den Gang zur Toilette. „Es kann sein, dass man über einen Lebensmittelmarkt geht und Menschen sich direkt neben den Ständen erleichtern.“ So etwas wie öffentliche Toiletten gibt es nicht, auch ein Kanalsystem fehlt. Durch die mangelnde Hygiene haben es Krankheitserreger leicht, deshalb steht sauberes Wasser immer noch ganz oben auf der Prioritätenliste.

Da setzt Adra Deutschland an. Der Verein hat eine Trinkwasseraufbereitungsanlage gekauft, mit der täglich 17?000 Liter Wasser gesäubert werden. Das kommt rund 1000 Menschen zu Gute, die von drei Lastwagen beliefert werden. Das sei aber eine Notlösung: „Langfristig wollen wir Brunnen bohren und Quellen anzapfen.“

Außerdem kümmert sich die Adra um neue Hütten, in denen 1200 Familien unterkommen sollen. Sie bestehen aus Holzwänden mit einem Wellblechdach und sind 18 Quadratmeter groß. Gebaut werden die Hütten von Einheimischen, die von 15 Adra-Bauteams unterstützt werden. „Dieses Projekt ist besonders wichtig, damit die Flüchtlingscamps sich leeren können“, erklärt Giurgi. Bis Mitte Dezember sollen die Hütten stehen. Die nächsten drei bis fünf Jahre, schätzt Giurgi, wird der Verein die Haitianer vor Ort unterstützen. ( stin)

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