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Sanierungsmanager in der Kritik

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Ein 32 Hektar großes Quartier im Norden Walldorfs soll energetisch saniert werden.
Ein 32 Hektar großes Quartier im Norden Walldorfs soll energetisch saniert werden. © Schwappacher

CDU und DKP/LL bezweifeln Nutzen und befürchten hohe Kosten

Im Norden von Walldorf soll ein ganzes Wohnquartier energetisch modernisiert werden. Der Magistrat möchte dafür einen Sanierungsmanager einstellen, der Gebäudedämmung, Solaranlagen, Blockheizkraftwerke und Nahwärmeversorgung auf den Weg bringt. Im Umweltausschuss stimmte die Koalition aus SPD und Grünen dem Vorhaben zu. Die Opposition meldete Bedenken an und enthielt sich.

Das Quartier erstreckt sich nördlich des Festplatzes bis zur Feuerwehr, ist etwa 32 Hektar groß und reicht im Osten bis an die Kelsterbacher Straße heran. Rund 1150 Menschen leben dort, und viele der Häuser haben ein erhebliches energetisches Einsparpotenzial, erläuterten Malin Berges und Jürgen Werner von zwei beteiligten Planungsbüros.

Bei 80 Prozent der Gebäude seien die Heizungsanlagen annähernd 20 Jahre alt und technisch nicht mehr auf dem neuesten Stand, führte Berges aus. In absehbarer Zeit müssten die Anlagen demnach ausgetauscht werden. Schlössen sich mehrere Immobilienbesitzer zusammen, lohne sich der Aufbau eines Nahwärmenetzes.

Durch Beratung der Eigentümer ließe sich auch der Anteil erneuerbarer Energien steigern. Ein Quartierskonzept gibt als Ziel aus, den Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2030 per anno um 6,1 Millionen Kilowattstunden zu senken. Jährlich sollen zwei Prozent der Wohngebäude, die überwiegend in den 50er und 60er Jahren entstanden sind, saniert werden. Das Konzept weist dafür eine Vielzahl von Ansätzen aus. „Bei der Umsetzung sollte ein Sanierungsmanager helfen“, betonte Werner.

Opposition skeptisch

Die Opposition sah das aber skeptisch. „Wozu brauchen wir einen Sanierungsmanager“, fragte Günter Schork (CDU). Dass die Stadthalle in die Jahre gekommen sei, könne jeder sehen. Da brauche es einen Plan zur Sanierung und keinen Manager. Auch die Finanzierung der Stelle war für Schork nicht ausreichend geklärt. Vor allem der städtische Anteil an den Personalkosten sei offen. In der Vorlage heißt es, dass ein Sanierungsmanager über einen Zeitraum von drei Jahren mit bis zu 65 Prozent von der KfW-Bank gefördert wird. Die Stadt habe jährliche Personalkosten von rund 22000 Euro zu tragen. Auf Kritik stieß weiter, dass der Magistrat eine Reihe von Vorhaben noch in diesem Jahr prüfen und angehen möchte. Schork war das zu ehrgeizig, da der Sanierungsmanager erst 2017 seine Arbeit aufnehmen soll.

Auch die DKP/Linke Liste zweifelte an der Notwendigkeit eines Sanierungsmanagers. Die Stelle koste die Stadt Geld, was letztlich umgesetzt werde, sei offen, erklärte Fraktionsvorsitzender Gerd Schulmeyer. Außerdem sei das Thema nicht neu, die Stadt trete aber seit Jahren auf der Stelle. Die energetische Modernisierung sei Aufgabe des Bauamts und sollte auch dort koordiniert werden. Im Bauamt fehlten die Ressourcen, hielt Bürgermeister Heinz-Peter Becker (SPD) dagegen. Außerdem gehe es darum, Fördermittel zu erhalten und so Personalkosten zu sparen.

Wenn ein Sanierungsmanager sich des ganzen Quartiers annehme, seien die Synergie-Effekte deutlich größer, sagte Becker. „Die Opposition zerredet das Konzept“, warf Josef Ban (Grüne) CDU und DKP/LL vor. Um etwas zu bewirken, brauche es einen großen Ansatz. Ein solches Konzept lasse sich aber nicht nebenbei verwirklichen.

Am heutigen Dienstag wird sich die Stadtverordnetenversammlung mit dem Thema befassen. (eda)

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