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Sanierung wird teurer als geplant

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In die Jahre gekommen ist die Kläranlage am alten Gerauer Weg.
In die Jahre gekommen ist die Kläranlage am alten Gerauer Weg. © Eva Susanne Schmidt

Die Arbeiten an der Kläranlage am Alten Gerauer Weg sollen rund 20 Millionen Euro kosten. Die Sanierung wird über eine Erhöhung der Abwassergebühren finanziert.

Im städtischen Umweltausschuss kamen am Montag Pläne zur Sanierung der Kläranlage am Alten Gerauer Weg zur Sprache. Seit 2008 ist klar, dass dort dringender Handlungsbedarf besteht. Erste Entwürfe für die Sanierung wurden schon 2011 im Stadtparlament diskutiert. War damals noch von zehn Millionen Euro für die Erneuerungen die Rede, gehen die Berechnungen heute allerdings vom doppelten Betrag aus.

Die Sanierung wird über eine Erhöhung der Abwassergebühren finanziert, die Bürger werden also zur Kasse gebeten. Allerdings ist das eine langfristige Angelegenheit: Der derzeitige Entwurf sieht einen Umbau in drei Abschnitten bis ins Jahr 2020 vor. Tatsächlich wird es wohl eher acht bis zehn Jahre dauern, bis alle Maßnahmen umgesetzt sind, erklärten die Experten vor dem Ausschuss.

Bereits seit den fünfziger Jahren existiert die Kläranlage in Mörfelden. Ursprünglich gab es auch eine im Stadtteil Walldorf, die aber seit 1999 nur noch zur Regenwasserbehandlung genutzt wird. Die Anlage in Mörfelden wurde vor mehr als 20 Jahren aufwendig umgebaut und reinigt seit 1994 das Abwasser beider Stadtteile. Ausgelegt ist die biologisch-chemische Anlage für 48 000 Einwohner.

„Die Stahlleitungen sind stark korrodiert, das Betongutachten weist erhebliche Schäden für alle Becken auf, das Vorklärbecken hat starke Risse.“ Ingenieur Uwe Biermann von der HIFU (Harzer Ingenieure für Umwelttechnik GbR) zeichnete in seiner Bestandsaufnahme ein düsteres Bild. Die verrosteten Leitungen führten zu einer Kontaminierung des Erdreichs. Ein Problem sei auch die zu geringe Rücklaufschlammleistung des Pumpwerks. In vielen Bereichen der Anlage sei ein Abriss und Neubau wirtschaftlicher als eine Sanierung. Das Rechenzentrum als „Herz der Anlage“ sei veraltet.

„Außerdem sind die Transportwege zu lang: Das kostet viel Energie“, erklärte Biermann. Durch neue Pumpen und eine energieeffizientere Nutzung könne man hier rund 300 000 Euro pro Jahr sparen. Ebenso sehen die Pläne vor, dass die Anlage Strom erzeugt und damit Gelder generiert. In den drei Bauabschnitten, die im Entwurf in Zwei-Jahres-Etappen geplant sind, soll zunächst alles umgesetzt werden, was den Energieverbrauch reduziert.

Größter Posten ist dabei die Schlammentwässerung. Im zweiten Bauabschnitt soll dann der Umbau der Becken angegangen werden, während für den letzten Bauabschnitt das Vorklärbecken und der Umbau des Sozialgebäudes vorgesehen sind. Dort müssen auch die Heizungen erneuert werden. In der Kostenplanung sind für den ersten Abschnitt sieben Millionen Euro vorgesehen, für den zweiten 5,4 und für den letzten 8,3 Millionen Euro.

Gebühren werden steigen

„Planen wir hier mit goldenen Wasserhähnen oder ist das angemessen?“, wollte Berndfried Lupus (SPD) wissen. Auch Jan Körner (CDU) hakte bei den Kosten nach. „Was kostet uns der Entwurf?“, wollte er wissen und forderte eine detaillierte Aufstellung. Stadtwerkeleiter Gottfried Durda versprach, am Donnerstag im Haupt- und Finanzausschuss dazu Zahlen vorzulegen.

Druck für die Erneuerung machen auch gesetzliche Bestimmungen: Es geht um Arbeitsschutzvorgaben und das Einhalten von Grenzwerten. Da die Wasserrahmenrichtlinie derzeit beim Regierungspräsidium überarbeitet werde, lasse sich aber nicht genau sagen, wie die Grenzwerte künftig aussehen werden, so Biermann. Tatsächlich sei es möglich, dass noch eine weitere, vierte Reinigungsstufe nötig werde. „Die Fläche dafür haben wir vorgesehen, aber es gibt noch keine Zahlen“, so der Experte. (eda)

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