1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Sanierung auf Burg Frankenstein: Landesbehörde will Monster und Musik vertreiben - Landrat schaltet sich ein

Erstellt:

Von: Claudia Kabel

Kommentare

Kulturfestival auf der Burg Frankenstein im Mühltal.
Kulturfestival auf der Burg Frankenstein im Mühltal bei Darmstadt. © Morgenstern / Halloween Veranstalter

Das bekannte Halloween-Festival findet 2023 zum letzten Mal statt, denn Burg Frankenstein in Mühltal soll saniert werden. Jetzt will der Landrat des Landkreises Darmstadt-Dieburg vermitteln.

Update vom Donnerstag, 22. September 2022: Wenn es nach dem Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) geht, wird nächstes Jahr zum vorerst letzten Mal ein Halloween-Festival oder ein sonstiges Event auf Burg Frankenstein im Mühltal gefeiert. Denn die Burgruine soll ab 2023, das Restaurantgebäude ab 2026 mehrere Jahre lang saniert werden. Jetzt will sich der Landrat des Landkreises Darmstadt-Dieburg, Klaus Peter Schellhaas (SPD), mit einem Schreiben an den Landesbetrieb wenden, um auf die Bedeutung der Halloween-Wochenenden und des Kulturfestivals auf Burg Frankenstein hinzuweisen. Das teilte der Landkreis mit.

Am Dienstag habe ein Treffen mit Burgpächter Ralph Eberhardt stattgefunden, hieß es. Demnach hält der Landrat den Sanierungsbedarf zwar für unbestritten, „es sollte dennoch möglich sein, wenigstens an diesen Angeboten festzuhalten“, teilt die Pressestelle mit. Der Landrat habe aber auch sehr klar gemacht, dass er und der Landkreis auf die Landesbehörde keinen Einfluss haben. Vereinbart sei aber, dass sich Burg-Pächter und Landrat weiter austauschen. In diesem Jahr läuft das Halloween-Spektakel vom 21. Oktober bis 6. November.

Burg Frankenstein: Pachtvertrag läuft Ende 2023 aus

Ursprungsartikel vom 12. September 2022: Seit Jahrzehnten gehört es zum Herbst, dass von der Burg Frankenstein bei Darmstadt unheimliche Klänge ins Tal schallen, dass die alten Türme in Grün und Violett erleuchtet werden und Zehntausende Gruselwillige in Shuttlebussen hoch zum alten Gemäuer aus dem 13. Jahrhundert fahren. Dann läuft das Halloweenfestival, das erstmals 1977 US-Soldaten dort feierten und das inzwischen weit über die Region hinaus bekannt ist.

Nun steht Deutschlands ältestes und größtes Halloween-Event vor dem Aus. Denn der für die Burg zuständige Landesbetrieb Bau und Immobilien Hessen (LBIH) will die Burg samt Restaurant sanieren und deshalb den Pachtvertrag mit dem gegenwärtigen Burgherrn Ralph Eberhardt nicht verlängern. Das heißt, das Monsterfestival wird 2023 zum vorerst letzten Mal stattfinden.

Halloween-Event 2023 zum vorerst letzten Mal auf Burg Frankenstein bei Darmstadt?

Betroffen von der Schließung sind sämtliche Veranstaltungen, die Eberhardt als Inhaber und Geschäftsführer der Halloween-Veranstaltung GmbH und der Burg Frankenstein Event und Restaurant GmbH seit 2017 auf die Beine gestellt hat. Darunter auch das Kulturfestival, das sich im Sommer nach der Corona-Pause großer Beliebtheit erfreute, und der Weihnachtsmarkt.

Auch für Vereine und lokale Kunstschaffende, die die Bühne und das Equipment der Burg für kleines Geld nutzen durften, fällt damit ein attraktiver Veranstaltungsort weg. Betroffen von der Schließung sind außerdem 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Restaurants und der Veranstaltungsgesellschaft. Dagegen regt sich Widerstand. Es gibt eine Petition, die bisher 1852 Menschen unterzeichnet haben.

Seit 2017 Herr auf Burg Frankenstein: Ralph Eberhardt ist Organisator des bekannten Halloween-Spectakels.
Seit 2017 Herr auf Burg Frankenstein: Ralph Eberhardt ist Organisator des bekannten Halloween-Spectakels. © Monika Müller

Burg Frankenstein bei Darmstadt soll saniert werden

Unstrittig ist laut Pächter Eberhardt, dass das Restaurantgebäude aus den 1970er Jahren saniert und deshalb geschlossen werden muss. Was ihm jedoch negativ aufstößt, ist, dass die Burg mehrere Jahre wegen der geplanten Sanierung der historischen Mauern für alle Events gesperrt werden soll. Er ist der Ansicht, dass wie bisher bei Sanierungsarbeiten die jeweils betroffenen Bereiche abgesperrt werden und dennoch Veranstaltungen stattfinden könnten – auch ohne Restaurantbetrieb.

Auch Niels Starke (CDU) Ortsvorsteher des Mühltaler Ortsteils Nieder-Ramstadt und Vorsitzender des Kulturausschusses, sagte der Frankfurter Rundschau: „Die Burgsanierung könnte parallel stattfinden.“ Derzeit sei schließlich der Burggraben gesperrt und das Halloweenfestival finde dennoch statt.

Landesbetrieb plant umfangreiche Mauersanierungen auf Burg Frankenstein

Der Landesbetrieb ist anderer Ansicht. Zwischen 2023 und 2025 seien umfangreiche Mauersanierungen vorgesehen, um die historischen Wehrmauern auch für künftige Generationen noch erlebbar zu machen. Dabei habe man die Bauabschnitte bewusst so geplant, dass die beliebten Festivals im nächsten Jahr noch möglich seien.

Ab 2024 stünden Arbeiten in Bereichen an, die für Großveranstaltungen gebraucht würden. Die Sicherheit könne dann nicht mehr gewährleistet werden, heißt es in einer Mitteilung. Spaziergänger:innen hingegen sollen die Burg weiterhin besuchen dürfen, auch heiraten soll man in der Kapelle noch dürfen.

Burg Frankenstein bei Darmstadt: Restaurant soll erst von 2026 an saniert werden

Allen anderen Events erteilt der LBIH jedoch eine klare Absage: „Ohne einsatzfähige Küche und sanitäre Anlagen sind neben dem Gastronomiebetrieb auch Veranstaltungen auf dem Burgareal nicht umsetzbar“, teilt Sabina Freienstein mit, die Leiterin der LBIH-Niederlassung Süd in Darmstadt. Und das Restaurant soll erst ab 2026 saniert werden, nach einer zweijährigen Vorbereitungsphase.

Eberhardt, der schon vor seiner Zeit als Pächter als Henker, Werwolf und Gefolterter auf der Burg stand, versteht nicht, warum die Burg für Besichtigungen offen bleiben soll, wozu an einem Sonntag schon mal 2000 Menschen kämen, für ein Konzert mit 350 Gästen aber die Sicherheit angeblich nicht zu gewährleisten sei. Er hätte sich intensivere Gespräche mit dem LBIH gewünscht, um nach Kompromissen zu suchen, sagte er der FR.

Petitionen

Zwei Petitionen - pro und contra - zu Burgsanierung und Aus für die Festivals wurden bereits angestoßen.

Einen Aufruf zur Rettung der Events hat Tanja Hindemith hat gestartet. Die Petition ist unter https://www.change.org/p/burg-frankenstein zu finden.

Eine zweite Petition von „Ourewäller Herzje“ fordert, die Burg für die Allgemeinheit zu retten und spricht sich für das Verfahren des Landesimmobilienbetriebs aus. Sie ist unter https://www.change.org/p/rettet-die-burg-frankenstein-f%C3%BCr-die-allgemeinheit abrufbar. cka

Mühltal: Ortsvorsteher, Gemeinderat und Landrat schalten sich ein

Ortsvorsteher Starke hat deswegen bereits an den Landesbetrieb geschrieben, aber noch keine Antwort erhalten, wie er sagt. Er wolle auch anregen, dass der Gemeinderat eine fraktionsübergreifende Resolution für einen Parallelbetrieb verabschiedet.

Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD) wird sich in den nächsten Tagen ebenfalls mit dem Pächter zum Gespräch treffen, um sich ein Bild von der aktuellen Situation zu machen, wie der Landkreis Darmstadt-Dieburg auf Anfrage mitteilte. Danach werde sich zeigen, ob überhaupt noch Möglichkeiten bestünden, mit dem LBIH zu reden. Dass besonders das kulturelle Angebot auf der Burg seinen Wert habe, sei klar. Klar sei aber auch, dass am Ende die Landesimmobilienverwaltung in der Verantwortung stehe.

Nicht allen kommt die Schließung von Burg Frankenstein ungelegen

Aber nicht allen kommt die Schließung der Burg für Events ungelegen. Eine anonym erstellte Petition, die bisher allerdings erst 66 Unterzeichner:innen hat, spricht sich für den Schutz des historischen Ensembles aus. In einer ebenfalls anonymen Mail wird darauf hingewiesen, dass die Burg „keine Veranstaltungslocation“ sei, sondern ein Bau- und Kulturdenkmal, das erhalten werden müsse. Auch habe Eberhardt „unter dem Deckmantel, etwas für die Kultur zu tun“, einen Fehlbetrag erwirtschaftet.

In der Tat ist im Bundesanzeiger zuletzt ein Fehlbetrag von 183 000 Euro für 2020 aufgeführt. Gleichzeitig stiegen in den Jahren, seit Eberhardt die Burg führt, aber auch die Umsätze – und danach bemisst sich laut ihm die Pacht für das Land. Eberhardt verwahrt sich deshalb gegen die Vorwürfe der Misswirtschaft und begründet die Zahlen mit notwendigen Investitionen sowie mit Ausfällen durch die Pandemie.

SPD-Landtagsabgeordneter regt kürzeren Nutzungsvertrag für Pächter an

Dass das Land nun wirklich die Finanzierung für die Sanierung in den nächsten Haushalt einstellt, darauf will Bijan Kaffenberger (SPD), Abgeordneter für den Landkreis dringen. „Es wäre schlimm, wenn die Burg jahrelang leer stünde, ohne dass die Bürger:innen etwas davon haben“, sagte er der FR. Zudem regt er an, einen kürzeren Nutzungvertrag mit Eberhardt zu schließen, der einzelne Events – je nach Stand der Sanierung – ermögliche.

Unabhängig davon muss Eberhardt einen Finanzplan zur Abwehr einer drohenden Insolvenz erstellen, da ihm durch den auslaufenden Pachtvertrag die geschäftliche Grundlage entzogen wurde. Dies sei allerdings bisher nicht möglich, da er vom LBIH weder einen Schließungsplan noch eine Einsicht in den Mauersanierungsplan bekommen habe, sagt er.

Auch interessant

Kommentare