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Sanfte Klänge im neuen Jahr

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Die Taiwanesin Tzu-yi Chen spielt Stücke von Chopin.
Die Taiwanesin Tzu-yi Chen spielt Stücke von Chopin. © Claus Völker

Eine finanzpolitische Wende soll es 2010 in Darmstadt geben. Das hat Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) beim Neujahrsempfang der Stadt ehrgeizig verkündet.

Eine finanzpolitische Wende soll es 2010 in Darmstadt geben. Das hat Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) beim Neujahrsempfang der Stadt ehrgeizig verkündet. Darmstadt hat noch keinen Haushalt für das laufende Jahr, der Regierungspräsident hatte wegen eines Fehlbetrags von 50 Millionen Euro im Entwurf Bedenken geäußert. Hoffmann kündigte am Sonntag vor über 1000 Gästen im Darmstadtium Einschnitte an.

"Sparen bedeutet Einschränkungen, Zumutungen und Kosten senken", sagte Hoffmann, ohne jedoch konkreter zu werden. Die Stadt leide wie viele Gemeinden unter der "Manie von Bund und Land", den Kommunen immer mehr Aufgaben aufzubürden, ohne deren Einnahmen nachhaltig zu verbessern. Dabei stehe Darmstadt im Vergleich zu anderen Städten noch relativ gut da. Es gebe eine hervorragende Infrastruktur bei Kinderbetreuung, Sportstätten, Schwimmbädern und Kultureinrichtungen.

Wo gespart wird, bleibt offen

Manch lieb gewordener Standard müsse ein wenig zurückgefahren, die städtischen Personalkosten reduziert und freiwillige Leistungen überprüft werden. Hoffmann versprach hierfür Fingerspitzengefühl, man wolle die vielen ehrenamtlich Tätigen nicht demotivieren, sondern mitnehmen.

Um eine Wende zu mehr Nachhaltigkeit bei den Stadtfinanzen zu erreichen, seien nicht nur alle politischen Parteien gefragt, sondern die ganze Stadtgesellschaft. "Wer nicht begreift, dass wir die Haushaltskrise nur gemeinsam und solidarisch lösen durch das Zusammenführen widerstreitender Interessen, der hat den Ernst der Lage nicht wirklich verstanden", sagte Hoffmann in seiner einstündigen Rede.

Gleichwohl bestünde kein Grund zu einer Weltuntergangsstimmung, denn Darmstadt habe große Potenziale. Wieder betonte Hoffmann Kinder- und Familienfreundlichkeit, zudem den starken Wirtschafts- und Technologiestandort, das Engagement für Klimaschutz und herausragende Einrichtungen bei Bildung, Forschung und Wissenschaft.

"Kardinalthema" für die nächsten beiden Jahrzehnte seien die Nutzung der ehemaligen Kasernen der Amerikaner. Vor allem zwischen Bessungen und Eberstadt wolle man bis zum Jahr 2025 neue Wohnquartiere für 5000 Menschen schaffen, darunter auch bezahlbaren Wohnraum für Familien und sozialer Wohnungsbau.

Der erstmals moderierte Neujahrsempfang - diese Part übernahm Udo Schubert, Sitzungspräsident und Vorsitzender der Karnevalgesellschaft Narrhalla - wurde eröffnet von den Darmstädter Barocksolisten und dem Konzertchor Darmstadt unter Leitung von Wolfgang Seliger. Anlässlich des 250. Todestages von Christoph Graupner sang der Chor die Kantate "Dancket dem Herrn aller Herrn" des Darmstädter Hofkapellmeisters (von 1711 bis 1760) mit modifiziertem Text, wobei die Zeile "Jedoch bleibt auch im neuen Jahr noch manches Alte ungelöst" für Schmunzeln sorgte.

Bejubelt und mit großem Beifall bedacht wurde die Taiwanesin Tzu-yi Chen, die beim Chopin-Klavierwettbewerb in Darmstadt den vierten Preis errungen hatte. Zum 200. Geburtstag Fréderic Chopins spielte sie drei Stücke des Komponisten. (ryp)

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