1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Saladin-Eck wird international

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Die wohl berühmteste Brachfläche der Stadt könnte nun bald eine Wiederbelebung erfahren.
Die wohl berühmteste Brachfläche der Stadt könnte nun bald eine Wiederbelebung erfahren. © André Hirtz

Die TU Darmstadt will die Brache Saladin-Eck kaufen und dort das Zentrum für ausländische Beziehungen errichten. Eine größere Fläche gehört dem Bauverein, vier kleinere Stücke dagegen der Stadt.

Die prominenteste Brache Darmstadts, das Saladin-Eck vis-à-vis vom Residenzschloss, hat womöglich die längste Zeit ihrer Existenz hinter sich. Jedenfalls, wenn sich die Bauverein AG und die Technische Universität (TU) über den Kaufpreis einig werden. Die TU, dies hatte ihr Kanzler Manfred Efinger dieser Tage noch einmal betont, will die Immobilie erwerben und das zugige Loch mit einem „International House“ füllen.

„Damit“, so präzisierte er nun, „ist nicht Wohnen gemeint, sondern die Verwaltung all unserer internationalen Angelegenheiten“. Das beträfe etwa das am Hauptbahnhof recht isoliert untergebrachte Studienkolleg, ebenso das bislang noch auf mehrere Standorte verteilte TU-Dezernat VIII „Internationales“.

Voraussetzung für die Realisierung dieser Pläne wäre freilich, wie Baudezernentin Cornelia Zuschke (parteilos) sagt, „eine Portfoliobereinigung“. Das Saladin-Eck fasziniert schließlich nicht nur mit seinen bizarren Konturen; auch die Eigentumsverhältnisse sind delikat: Eine größere Fläche gehört dem Bauverein, vier kleinere Stücke dagegen der Stadt. Die Kommune und ihre Tochter tauschen regelmäßig Grundstücke aus; beim nächsten Mal im Herbst sollen auf diesem Weg die städtischen Anteile an den Bauverein fallen. Dann könnte das Unternehmen bauen und vermieten, bauen und verkaufen oder unbebaut verkaufen.

Die dritte Lösung wird’s wohl werden. Man sei zu der Einsicht gelangt, dass der Bauverein – so erklärt es Vorstandschefin Sybille Wegerich – sich auf das Kerngeschäft konzentrieren solle, „und das ist Wohnungsbau“. Auch als Baubesorger – wie im Fall des Wissenschafts- und Kongresszentrums – will die Firma nicht mehr tätig werden. Für die TU dagegen ist das Erstellen komplexer innerstädtischer Gebäude eine ihrer leichtesten Übungen, zumal unter Kanzler Efinger. Was aber wird dann aus dem Architekturwettbewerb, den Stadt und Bauverein im vergangenen Jahr unter großer öffentlicher Beachtung durchgeführt hatten?

Votum der Jury verbindlich

An dessen Ergebnis muss und wird sich die TU halten – das erklären alle Beteiligten. Das Votum der Jury sei für jeden Bauherren verbindlich, versicherte Zuschke. Es habe ja ein klares städtebauliches Ziel für den Wettbewerb gegeben: „Erstens zu zeigen – hier geht was, zweitens zu zeigen, was geht. Und drittens wäre die TU gut beraten, dieses Ergebnis zu übernehmen.“

Damit ist der Entwurf des jungen Berliner Architekturbüros Studioinges gemeint, das sich durch eine hoch intelligente Lösung sowohl in der städtebaulichen Einpassung des Baus als auch bei der inneren Abwicklung auszeichnete.

Zwar kann der Käufer der Immobilie nicht gezwungen werden, das siegreiche Büro zu beauftragen – „Kopplungsverbot“ lautet das Stichwort. „Aber wir werden“, so Sybille Wegerich, „im Kaufvertrag festlegen, dass der Siegerentwurf gebaut werden muss. Sonst hätte der ganze Wettbewerb ja keinen Sinn gehabt.“

Allerdings wird auch die beste, nämlich mit Rang eins bedachte Arbeit „niemals eins zu eins umgesetzt“, wie Manfred Efinger erklärt. Erst recht, wenn wie hier beim Wettbewerb die spätere Nutzung bewusst offengelassen wird. Das erweitert den Spielraum des Planers; bei der Realisierung ist dann um so mehr Präzision gefragt. Der Entwurf von Studioinges zeigte sich dafür flexibel genug.

Neben der TU gibt es, so Sybille Wegerich, „weitere Interessenten“. Doch die Verhandlungen mit der Universität sind aussichtsreich. Er sei voller Optimismus, „dass es nach den Sommerferien vorangeht“, sagt Manfred Efinger. Dann gelte es auszuloten, wie weit die Architekten von Studioinges die Bedürfnisse der TU erfüllen können. (ers)

Auch interessant

Kommentare