Larissa Anton in ihrer Lieblingsrolle als „Wildweibchen“.
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Larissa Anton in ihrer Lieblingsrolle als „Wildweibchen“.

Reinheim

Sagen spielen die Hauptrolle

Mittelalterfan Larissa Anton dreht mit viel Eifer semiprofessionelle Filme. Ihre Schauspieler sucht sie in Theatergruppen, manche spricht sie einfach auf der Straße an.

Larissa Anton (44) lebt ihr Hobby so intensiv, als sei es ihr Beruf. Ihre Filme über die Sagenwelt des Odenwaldes verbinden dabei Heimatgefühl, Spannung und Informationen.

Ihre Filme zu erklären, ist im ersten Moment gar nicht so einfach. Dokumentation? Entertainment? „Dokutainment“ als Wortschöpfung irgendwo dazwischen? Seit zwölf Jahren haucht Larissa Anton Sagen und Mythen aus dem Odenwald Leben ein; ist Produzentin, Regisseurin und manchmal gar Schauspielerin. Unterstützt wird sie von anderen Laiendarstellern und auch mal von einem Profi wie Thomas Goersch – Schauspieler, Radiomoderator und Gründer einer deutschen Casting-Agentur.

Doch zurück zu Larissa Anton, die im Reinheimer Stadtteil Zeilhard wohnt, als Grundschullehrerin ihr Geld verdient und das Filmen – so ambitioniert es ist – als „Hobby“ bezeichnet. Ein Hobby, das in diesem Jahr „Über Stock und Stein – Es steht ein Baum im Odenwald“ als neuestes Werk zum Ergebnis hat.
„Ich wäre gerne Schauspielerin geworden“, sagt Larissa Anton. Aber es habe halt irgendwie nicht geklappt. Und so bekam eine andere Leidenschaft die Chance, sich zu entwickeln: selbst hinter der Kamera zu stehen. Anton, die sich sehr fürs Mittelalter begeistert, möchte etwas über die Sagenwelt im Odenwald erzählen, die Menschen informieren und unterhalten.

„Ich suche immer Leute"

Ihre Schauspieler sucht sie in Theatergruppen, manche spricht sie einfach auf der Straße an. „Ich suche immer Leute, die mitmachen wollen – ohne Gage.“ Denn Geld bringt ihr Hobby leider nicht ein. Im Gegenteil: Bei einem ihrer letzten Filme entstanden allein um die 3000 Euro Kosten, etwa für die Verpflegung der Schauspieler. Es klingt ein wenig nach Lebenswerk, Passion und vollständiger Erfüllung, wenn Anton über ihr Hobby spricht.

Im neuesten Film geht es um Bäume im Odenwald und das Wissen darum, welche Sagen mit einzelnen Baumarten verbunden sind. Aber da gibt es auch einen Förster, der viele Wilderer erschossen hat. Dass diese ihn anschließend in eine Falle locken und ihn einer Kreuzigung gleich an einem Baum lynchen wollen – das ist ein Beispiel für den Hang zum Morbiden, das immer mal wieder in Antons Filmen aufblitzt.

Zwischen 35 und 75 Minuten sind sie lang, der aktuelle dauert etwa eine Stunde. Ungefähr ein halbes Jahr wurde immer wieder an verschiedenen Orten in der Region gedreht, lange dauerte es, die wissenschaftlichen Hintergründe zu den Filmen zusammenzutragen. Lohn ihrer Arbeit ist für Larissa Anton auch, wenn sie schließlich einen der Drehtage nutzt, um einer anderen Person die Kamera in die Hand zu drücken und selbst eine Szene spielt. Wie etwa, als sie vor einigen Jahren ein „Wildweibchen“ spielte – längst ihre Lieblingsrolle.

Dass ihre über weite Teile eher ruhigen Werke, von Musik untermalt, durchaus nicht unprofessionell wirken, ist auch dem Sprecher Erich Schaffner zu verdanken. Der Schauspieler aus Mörfelden begleitet sie von Beginn an.

Wenn im neuen Jahr die Fortsetzung ihres aktuellen Films gedreht wird, geht es um das „Flüstern der Steine“.

Die öffentliche Filmpremiere von „Über Stock und Stein“ ist am Montag, 25. April, um 17 Uhr im Prinz-Emil-Schlösschen in Darmstadt-Bessungen. (eda)

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