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Ruine Tannenberg: Menschliches Skelett wird weiter untersucht

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Von: Claudia Kabel

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Ein menschliches Skelett wurde 2021 auf der Burg Tannenberg bei Seeheim-Jugendheim geborgen.
Ein menschliches Skelett wurde 2021 auf der Burg Tannenberg bei Seeheim-Jugendheim geborgen. © Martina Künzel

Das 2021 auf der Ruine Tannenberg bei Seeheim geborgene menschliche Skelett stammt aus dem 14. Jahrhundert. Das Begräbnis gibt Rätsel auf.

Das im Dezember 2020 auf der Ruine Tannenberg bei Seeheim (Landkreis Darmstadt-Dieburg) zufällig bei Pflegearbeiten gefundene menschliche Skelett gibt der Forschung weiterhin Rätsel auf. Klar ist inzwischen, dass die Person etwa 25 Jahre alt war, als sie starb. Die C14-Datierung lieferte keine eindeutigen Ergebnisse über den Todeszeitpunkt, sondern ergab zwei Zeitspannen, in der das Individuum gestorben sein kann, teilte Bezirksarchäologe Thomas Becker auf Anfrage mit. Und zwar entweder in den Jahren 1305 bis 1365 oder 1383 bis 1401. „Damit könnte das Individuum während der Belagerung umgekommen sein, möglicherweise aber auch ein Opfer der ersten Pestwelle circa 1356“ sein.

Skelettfund: DNA-Analyse könnte Pesterreger nachweisen

Aktuell werden Knochenproben an der Universität Kiel per DNA-Analyse auf Geschlecht und Hinweise auf den Pesterreger untersucht. Denn auch wenn der Körper mit 1,57 Metern zierlich gewesen sei, was eher für eine Frau spreche, könne wegen der fehlenden Beckenpartie keine gesicherte Aussage zum Geschlecht getroffen werden. Dass überhaupt das Erbgut analysiert wird, ist einer privaten Spende zu verdanken, die über den Heimat- und Verschönerungsverein Seeheim zu Stande kam.

Bisher konnten an den Zähnen einige pathologische Veränderungen festgestellt werden – Karies mit Abszess, allerdings keine Hinweise auf die Todesursache der Person, so Becker.

Auch unklar bleibt, warum die Person neben der früheren Eselspforte, einem Durchgang in der Vorburg, verscharrt wurde. „Es könnte eine Notsituation wegen eines Pestausbruchs gewesen sein“, mutmaßt Becker.

Skelettfund: Einige Knochen spurlos verschwunden

Rätselhaft ist auch, warum Becken- und Oberschenkelknochen in dem „im anatomischen Verbund“ gefundenen Skelett fehlten. Es gab weder Anzeichen, dass die Knochen gewaltsam abgetrennt wurden, noch förderte die gezielte Suche nach der Bergung im März 2021 weitere Knochen zu Tage. Da es auch keine Hinweise auf weitere Bestattungen auf der Burg gebe, sei es schwierig zu klären, ob die Person zu den acht Männern gehört, deren Tod während der Belagerung dokumentiert ist. „Wer im Kampf umkam, wurde normalerweise auf den entsprechenden Friedhof der Ortskirche überführt“, erklärt der Archäologe.

Zum Weiterlesen: Bei Darmstadt: Menschliches Skelett auf Burgruine gefunden

Burg Tannenberg bei Seeheim wird seit 50 Jahren restauriert: Eine Burg entsteht aus Ruinen

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