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Die Rosenhöhe neu gedacht

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Einer der Entwürfe sieht ein Holzhaus mit Platz für drei Ateliers und Wohnungen vor.
Einer der Entwürfe sieht ein Holzhaus mit Platz für drei Ateliers und Wohnungen vor. © Guido Schiek

Architekturstudenten der HDA zeigen Pläne für die zweite Darmstädter Künstlerkolonie.

Eine zweite Künstlerkolonie – was soll das sein? Doch, es gibt sie, auch wenn sie nur wenige Darmstädter kennen. Häuser für Kulturschaffende auf der Rosenhöhe. Die erste Künstlerkolonie – das aufregende Experiment der Jahrhundertwende, auf der Mathildenhöhe – zielte aufs Tun. Die zweite aufs Sein. In den wohlstandsgesättigten 60er Jahren war Darmstadt zufrieden, Künstler zu haben.

Man besänftigte sie mit niedrigen Mieten. Dafür sollten sie nicht stören. Sie hielten sich dran. Krolow schrieb Gedichte. Hensel ging ins Theater. Engelmann komponierte. Stille Häuser unter dunklen Bäumen. Es gibt sie noch immer, auf der Rosenhöhe, hinter dem Löwentor. Spaziergänger werfen gelegentlich einen Blick dorthin. Mehr geschah nie.

Lässt sich das ändern? Können die noch immer der Stadt gehörenden Künstlerhäuser zurück in die Stadt geholt werden, hinein ins Leben? Mit diesen Fragen formulierte Heinz Vetter, Professor am Fachbereich Architektur der Hochschule Darmstadt (HDA), die Aufgabe, mit der sich die Bachelorabsolventen im Wintersemester beschäftigen sollten. Verwandlung einer Randlage. Das Thema ist spannend – und hochaktuell. Die Aufwertung der Mathildenhöhostseite, die so heiß diskutiert wird, rückt auch das Gegenüber jenseits der Bahn ins Blickfeld.

Gestus der 60er lebt auf

Die Aufgabe verlangte: drei weitere Atelier-Wohn-Häuser für Künstler sowie eine Ausstellungshalle und ein Café – als Verknüpfungsorte von Stadt und Kunst. Diese harte Nuss haben 35 Studenten zu knacken versucht. Sechs erhielten für ihre Arbeit eine Eins. Drei fielen durch. Der Rest ist Mittelfeld. Manche Einfälle glänzen in der architektonischen Form. Andere beim städtebaulichen Konzept.

Eine Arbeit schafft beides. Verena Knöll hatte den Mut, den ganzen Hang zwischen Löwentor, Ostbahnhof und Parkeingang in Angriff zu nehmen. „Herausragend gelöst“, urteilt Vetter. Andere packen das Bauprogramm in den schmalen Raum hinter der Allee, die am Löwentor beginnt. Oder stricken die vorhandene Künstlerhausgruppe weiter. Knöll aber schafft etwas Neues, einen Kunstpark im bisherigen Niemandsland.

Der Entwurf basiert auf einem Rundgang, der am Torhäuschen beginnt. Dort, vis-à-vis zum Ostbahnhof, empfängt den Besucher eine kleine Kunsthalle. Weiter bergan erstreckt sich als leichter, zweistöckiger Ständerbau ein Trakt mit Wohnungen und Ateliers. Oben am Parkeingang mündet der Weg im Café. Vetter lobt den Rhythmus der Gesamtanlage wie die dezente Gestaltung ihrer Architektur. Solche Zurückhaltung – die den Gestus der Sechziger-Jahre-Bebauung aufgreift – zeigen durchaus nicht alle Verfasser.

Da wird schon mal die Topografie neu gefaltet, maulwurfshügelartig platzen Atelierblasen aus dem Rasen, Türme wachsen empor, vertikale Hallen, die sich als Pendant zum Hochzeitsturm verstehen. Marcel Kiels kompaktes Ensemble wirkt sogar wie eine Neuinterpretation des Ausstellungsgebäudes von 1908, Olbrich 2.0 sozusagen.

Eines freilich findet sich bei keinem Studenten: eine Antwort auf die Frage, welche Künstler dort wohnen, was sie dort arbeiten sollen, wie ihre Rolle in der städtischen Gesellschaft zu verstehen ist. Architektursoziologie – „das macht die heutige Generation nicht mehr“, seufzt Vetter. „Die hat einen im Grunde romantischen Künstlerbegriff. Die Studenten lösen formale Fragen, um Inhalte geht es da nicht.“ Ganz wie damals, als die zweite Künstlerkolonie gebaut wurde. (ers)

Die Abschlussarbeiten sind von Freitag, 30. Januar, bis einschließlich Sonntag, 1. Februar, jeweils von 14 bis 18 Uhr im HDA-Fachbereich Architektur, Schöfferstraße 3, zu sehen.

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