1. Startseite
  2. Rhein-Main
  3. Darmstadt

Roboter flitzen um die Wette

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Der Roboter von Team 6 landet am Ende auf Platz zwei.
Der Roboter von Team 6 landet am Ende auf Platz zwei. © Claus Völker

Studierende der Technischen Universität Darmstadt konstruieren bewegungsfähige Holzkisten, denen man im Ruhzustand ihr Potenzial nicht ansieht. Sieben dieser Kisten treten zu einem Abschlussrennen an. Auf der zwei Meter langen Strecke zählt nicht nur Schnelligkeit.

Studierende der Technischen Universität Darmstadt konstruieren bewegungsfähige Holzkisten, denen man im Ruhzustand ihr Potenzial nicht ansieht. Sieben dieser Kisten treten zu einem Abschlussrennen an. Auf der zwei Meter langen Strecke zählt nicht nur Schnelligkeit.

Die mobile Kiste „EM Kraftstößel“, Startnummer 2, hoppelt langsam über den Parcours, während die Konkurrenz mächtige Fahrgestelle ausklappt und dann sekundenschnell dem zwei Meter entfernten Ziel entgegenrast. Dann aber rasselt eine der Kisten vorzeitig gegen die Bande und verklemmt die andere – Nummer 2 aber überquert nach rund 30 Sekunden die Ziellinie, zieht ihren Antriebsmechanismus ein und schaltet sich ab. Das gibt wenig Geschwindigkeitspunkte, aber Höchstnoten für Präzision und am Ende den Gesamtsieg.

In dem Seminar „Praktische Entwicklungsmethodik“ am Institut für Elektromechanische Konstruktion der Technischen Universität (TU) Darmstadt hatten die Studierenden wie in jedem Jahr einen Entwicklungsauftrag erhalten: Mit Holzkisten eine zwei Meter lange Rennstrecke bewältigen. Klingt einfach, hatte aber einen Haken: Der Antriebsmechanismus durfte der mit einem Klappriegel verschlossenen Kiste in Startposition nicht anzusehen sein. Und: Nach Erreichen des Ziels sollte die Kiste selbstständig wieder in den Anfangszustand zurückkehren.

Teams wurden ausgelost

„Die Studierenden sind mit großem Respekt an die Aufgabe gegangen“, hat Seminarleiter Carsten Neupert beobachtet. „Sie hatten vorher vier Semester lang nur Theorie. Da fällt die Anwendung in der Praxis auf Anhieb nicht so leicht. Man muss erstmal ein Gefühl für das Material bekommen.“

Die Seminarteilnehmer arbeiteten in sieben Gruppen, deren Zusammensetzung ausgelost worden war. Teamfähigkeit sei ein weiteres Ziel des seit 1965 angebotenen Seminars, sagt Neupert; ebenso das Einüben einer zielführenden Methodik. Vier der sieben Teams entscheiden sich nach Abwägung unterschiedlicher Lösungswege für einen Radantrieb. Dafür musste der Riegel von innen aufgeschoben werden. Dann klappte das Fahrwerk mit zwei Rädern aus, drückte dabei den Deckel auf, kippte durch Gewichtsverlagerung die Kiste auf die Seite und zog oder schob sie über den Parcours. Hinter der Ziellinie sorgten Zeitschalter für das Einklappen des Fahrwerks – vielfach eine Schwachstelle der Konstruktionen, von denen aber zwei recht verlässlich ihre Strecken abfuhren.

100 Zuschauer an der Strecke

Die drei anderen Teams gingen eigene Wege. Gruppe eins etwa ließ die Kiste verschlossen und wollte sie mit einem Schwungrad im Inneren durch permanentes Umkippen Richtung Ziel bewegen. Leider funktionierte das Verfahren überhaupt nicht. So ging der Sieg an Gruppe zwei, die ebenfalls auf Räder verzichtet hatte. Sie ließen ihre Kiste durch einen kleinen Stößel vorwärtsschieben, der im Inneren per Kettenantrieb bewegt wurde und durch ein kleines Loch an der Kistenrückseite rhythmisch gegen den Boden drückte.

Rund 100 Zuschauer feuerten die flotten Kisten an – und stöhnten mitfühlend auf, wenn ein hölzerner Renner auf halber Strecke gegen die Bande krachte oder Zentimeter vor dem Zielstrich stoppte. „Sehr zufrieden mit dem Ergebnis“ zeigte sich hinterher Seminarleiter Neupert. „Die Aufgabe war sehr anspruchsvoll.“ Gerade Fehlschläge hätten erfahrungsgemäß einen großen Lerneffekt. Der Lerneffekt des Seminars „Praktische Entwicklungsmethodik“ genießt einen guten Ruf über Darmstadt hinaus. Im Vorjahr wurde es von der Landesregierung mit dem Hochschulpreis für Exzellenz in der Lehre ausgezeichnet. bad

Auch interessant

Kommentare