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Ritter, Ruinen und Romanhelden

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Von: Jens Joachim

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Das Frankensteiner Wappen im Eberstädter Rathaus.
Das Frankensteiner Wappen im Eberstädter Rathaus. © Michael Müller

Ein Lesebuch zur Geschichte der Burg, der Herrschaft und der Familie Frankenstein erscheint diese Woche. Herausgeber ist der Geschichtsverein Eberstadt/Frankenstein.

Es geht um eine kleine Ritterschaft, ein bisher völlig unbekanntes Tagebuch aus dem Dreißigjährigen Krieg und um einen weit verbreiteten Monster-Mythos. Ein Jahr nach seinem zehnjährigen Jubiläum stellt der Geschichtsverein Eberstadt-Frankenstein Ende der Woche eine neue Publikation vor, die auch in der Region auf Interesse stoßen dürfte. Unter der Federführung des Vereinsvorsitzenden Erich Kraft hat ein Autorenteam ein reich illustriertes „Lesebuch zur Geschichte Frankenstein“ zusammengestellt. Auf mehr als 200 Seiten wird erstmals umfassend die wechselvolle Geschichte der mehr als 760 Jahre alten Burg und des Fran(c)kensteiner-Geschlechts facettenreich und mit vielen Bildern und Geschichten unterhaltsam beschrieben.

Der Frankfurter Anwalt Georg Freiherr von und zu Franckenstein schreibt in seinem Grußwort, es sei „beeindruckend, mit wie viel Professionalität und Engagement der Geschichtsverein die Ereignisse aus den vergangenen Jahrhunderten recherchiert und dokumentiert hat“. Dem Lesebuch zur Geschichte der Burgruine und der Herrschaft Frankenstein gelinge es „sehr anschaulich und lehrreich“, die geschichtlichen Entwicklungen in einen regionalen Kontext zu stellen und dabei die damaligen Ereignisse „in einer fundierten und gleichzeitig fesselnden Art und Weise“ dem Leser aus verschiedenen Perspektiven näher zu bringen. Zugleich räume das Buch mit Legenden und Mythen auf. Denn die weithin bekannten Monstergeschichten aus dem Roman „Frankenstein“ von Mary Shelley werden „als geschäftstüchtige Erfindungen entlarvt“, schreibt von Franckenstein.

Vereinsvorsitzender Kraft, Friedrich Battenberg, Peter Müller und Elke Riemann haben unzählige historische Quellen ausgewertet und in mühsamer Kleinarbeit für Laien völlig unlesbare uralte Handschriften entziffert. Auf großformatigen Seiten präsentieren die Autoren wissenschaftlich genau, aber auch sehr vergnüglich den aktuellen Forschungsstand.

Das Rittergeschlecht derer von und zu Frankenstein war im Mittelalter 400 Jahre lang die Obrigkeit über mehrere Dörfer an der Bergstraße und im vorderen Odenwald. Aber die Frankensteiner Herren dachten gar nicht daran, sich bloß auf ihr relativ kleines Territorium zu beschränken. Die bald weit verzweigte adelige Sippe hinterließ in Speyer, Bamberg und Worms Bischöfe. So befindet sich ein Grabmal für den früheren Wormser Bischof Johann Karl von und zu Frankenstein im Frankfurter Dom. Dessen Tagebuch aus dem Dreißigjährigen Krieg hat Kraft akribisch ausgewertet. Besitzungen und andere Spuren der Franckensteiner in der Rhein-Main-Region finden sich auch in Frankfurt-Sachsenhausen, im Friedberger Stadtteil Ockstadt sowie in Dieburg und in Oppenheim am Rhein.

Vorgestellt wird das „Lesebuch zur Geschichte Frankenstein“ am kommenden Freitag, 13. April, um 19 Uhr im Ernst-Ludwig-Saal, Schwanenstraße 42, in Darmstadt-Eberstadt. Georg Freiherr von und zu Franckenstein spricht ein Grußwort, Geschichtsvereinsvorsitzender Kraft hält den Einführungsvortrag.

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