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Risse im Putz

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Derzeit wird das Bauwerk zwischen Griesheim und Darmstadt saniert.
Derzeit wird das Bauwerk zwischen Griesheim und Darmstadt saniert. © Roman Grösser

Bewohner der Siedlung Tann beklagen Schäden durch die Brückenerneuerung an der A5. Sie kritisieren aber auch, dass die verantwortliche Hessen Mobil sie schlicht ignoriert hat bisher.

Als der schwere Kranarm die Spundwand umgreift und senkrecht in den Boden zu rütteln beginnt, ist es deutlich spürbar: Die Brücke darüber vibriert und mit ihr diejenigen darauf, die von oben auf die Arbeiten schauen. „Das ist wie ein Erdbeben“, moniert Helga Kaiser und verweist auf ihr Haus wenige hundert Meter entfernt. „Bücher sind aus dem Regal gefallen.“ Und ihre Druckpressen hätten so gewackelt, dass sie nicht habe arbeiten können.

Die Kunsthandwerkerin aus der Siedlung Tann zwischen Darmstadt und Griesheim ist nicht die einzige Bewohnerin des kleinen Quartiers, die sich von den momentanen Bauarbeiten an der Brücke über die A 5 massiv belästigt fühlt. Derzeit entstehen zwei Ersatzüberbrückungen für die Zeit, in der die alte Brücke abgerissen und eine neue aufgebaut wird. „Über den Sandboden hier überträgt sich das fast eins zu eins zu unseren Häusern“, sagt Helmut Lang. „Das ist gefährlich.“ Es sei schon zu Schäden gekommen. So klagt eine Nachbarin über einen Riss am Hauseingang, der im Zuge der Arbeiten aufgetreten sei.

Persönliche Anschreiben?

Auf mehr als 40 Risse in seinem frisch renovierten Haus kann Hakan Pala verweisen, etwa 200 Meter von den Brückenarbeiten entfernt. Vor gut einem Jahr hat er das Haus gekauft und modernisiert es seither. „Massive Erschütterungen“ habe er teils gespürt – und dann die ersten feinen Risse auf den frisch verputzten Innenwänden entdeckt. Auch von außen seien welche sichtbar.

Der junge Hauseigentümer wandte sich an Hessen Mobil, als Straßen- und Verkehrsmanagement des Landes für die Bauarbeiten zuständig. Die Behörde schickte auch einen Gutachter vorbei. Doch dieser befand, dass es sich um Altschäden handle und somit nicht für Schäden aufzukommen sei. „Ich habe mich damit abgefunden“, sagt Pala.

Was die Bewohner in der Siedlung Tann verärgert, sind nicht nur mögliche Schäden und die Frage, wer dafür haftet. Sie fühlen sich von Hessen Mobil auch nicht ausreichend mitgenommen. Zwar sei über die örtliche Presse informiert worden. „Aber die Anwohner müssten intensiver eingebunden werden“, findet Kaiser. Statt nur auf die Zeitung zu setzen, die nicht jeder lese, hätte es persönliche Anschreiben geben müssen.

Behörde zeigt Reue

Helmut Lang pflichtet ihr bei. „So kann man bei so einer Maßnahme nicht mit den Bürgern umgehen.“ Informationen hat er erst erhalten, nachdem er sich bei Hessen Mobil wegen der massiven Erschütterungen beschwert hat. Daraufhin wurde ihm mitgeteilt, dass man beim Einbringen der Spundwände auf eine härtere Bodenschicht gestoßen sei und zusätzliche Auflockerungsbohrungen habe vornehmen müssen. Die verstärkten Erschütterungen bedauere man, hieß es.

Derweil kündigte die Behörde eine veränderte Informationspolitik an: „Hessen Mobil wird die Anwohner der Siedlung Tann kurzfristig über die noch zu erwartenden Bauarbeiten in Form eines Informationsschreibens unterrichten“, teilt Pressesprecher Jochen Vogel mit. Gemeldete Schäden würden „durch einen unabhängigen Gutachter im Auftrag von Hessen Mobil begutachtet“. (aw.)

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