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Riesenschritt ins Abteil

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Evelyn Schenkelberg zeigt das Problem.
Evelyn Schenkelberg zeigt das Problem. © Grösser

Der niedrige Bahnsteig macht das Zugfahren in Eberstadt beschwerlich. Aber auch sonst liegt beim Bahnhof vieles im Argen.

Am Eberstädter Bahnhof will niemand lange warten. Haben die Reisenden ihre Koffer den steilen Asphaltweg voller Schlaglöcher hinauf zur kleinen Wartehalle gezogen, stehen sie trotzdem in eisiger Kälte. Es zieht, das Glas einer Tür ist zerbrochen, der Fahrkartenschalter schon lange geschlossen. Ein kleines Schild verweist auf die Öffnungszeiten des Reisezentrums im Hauptbahnhof. Im Flachbau sitzt nur noch der Fahrdienstleiter, Auskünfte gibt es hier nicht. Zum Gleis Richtung Heidelberg geht es durch eine Unterführung, einen Aufzug sucht man vergebens.

Oberbürgermeister Walter Hoffmann (SPD) hat sich gestern ein Bild von dem Zughalt gemacht. Die Ende Januar anstehenden Gespräche mit der Deutschen Bahn AG zum ICE-Anschluss möchte er auch nutzen, um die Darmstädter Bahnhöfe zu thematisieren.

Gewirr der Zuständigkeiten

Hoffmann setzt auf persönlichen Kontakt. Wie ein Bahnsprecher aber mitteilt, handelt es sich bei der Streckenplanung und der Unterhaltung der Bahnhöfe um zwei verschiedene Gesellschaften. So verantwortet die DB Netz AG die Streckenplanung, die DB Station und Service AG die Pflege und Sauberkeit der Bahnhöfe. "Da sitzt der Oberbürgermeister nicht mit den richtigen Leuten zusammen", kommentiert der Sprecher Hoffmanns Vorhaben. Stadtrat Dieter Wenzel (SPD), in dessen Aufgabenbereich die Stadtbahnhöfe gehören, sagt dazu: "Der OB kann nur einen Appell abgeben."

Evelyn Schenkelberg, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Eberstädter Vereine, hat den OB beim Neujahrsempfang auf die Zustände aufmerksam gemacht. Ihrer Meinung nach ist der Bahnhof ein wichtiger Knotenpunkt. Doch in die Züge reinzukommen, sei nicht immer einfach. Die Bahnsteige seien viel zu niedrig. "Zum Ein- und Aussteigen muss man sportlich und mobil sein", moniert sie den Abstand von rund 60 Zentimeter zwischen Zug und Boden. Für Behinderte, ältere Menschen und diejenigen, die Kinderwagen, Koffer oder Fahrrad mitnehmen möchten, sei die Situation eine Katastrophe. "Wir hier müssen die Züge regelrecht erklimmen."

Auch Wenzel kennt die Gegebenheiten: "Die Stadtbahnhöfe sind teilweise in einem erbärmlichen Zustand." Doch das habe die Bahn als Eigentümerin zu verantworten. Schon oft habe die Stadt das Gespräch gesucht, im Frühsommer 2009 auch angeboten, eine Machbarkeitsstudie über die Sanierung in Auftrag zu geben, an der sie sich finanziell beteilige. "Aber die Bahn kommt nicht zu Potte", sagt Wenzel.

Doch auch hier weist der Bahnsprecher auf unterschiedliche Zuständigkeiten hin. Ginge es um das Ersetzen von Glasscheiben oder Neonröhren, sei ganz klar die DB Station und Service AG zuständig. Beim behindertengerechten Umbau beispielsweise müssten auch Land und die Kommunen einbezogen werden. "Als Bürgermeister kann man nicht einfach sagen, die Bahn AG muss nun mal was machen", sagt er.

Im Fall Eberstadt gebe es allerdings einen Arbeitskreis, der im Zuge der Planung der Pfungstadt-Bahn auch den Eberstädter Bahnhof behandelt. "Man ist durchaus im Gespräch", fasst er die Situation zusammen. (jule/ers)

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