Darmstadt-Dieburg

Rezepte gegen den Ärztemangel

In Fischbachtal wird über „drohenden Kollaps“ diskutiert.

Was kann, was muss getan werden, damit die Hausarztversorgung auf dem Land nicht schon bald zusammenbricht? Diese Frage diskutierten am Mittwochabend in Fischbachtal-Niedernhausen Experten aus Politik und Medizin mit mehr als 100 Zuhörern, darunter vielen Ärzten aus der Region. Der Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Günter Haas, leugnet den drohenden Kollaps nicht. Die Ursachen dafür seien aber nicht in einer Fehlsteuerung seines Verbandes zu sehen. Wenn von der Politik nicht zusätzliche Anreize – auch finanzieller Art – geschaffen würden, sei ein Leben als Landarzt für junge Mediziner halt nur selten attraktiv.

Dem gegenüber äußerten sich in überraschender Eintracht die Vertreter der Landespolitik, Ralf-Norbert Bartelt (CDU) und Thomas Spies (SPD). Beide sind ausgebildete Ärzte und beide seit Jahren als Gesundheitspolitiker aktiv. Sie schilderten die vielen positiven Veränderungen, die Bund und Land auf den Weg gebracht hätten. Dass es dennoch den bedrohlichen Hausarztmangel auf dem Land gebe, liege an einer falschen Verteilung der Ressourcen – die jedoch die KV zu verantworten habe, stellte der CDU-Landespolitiker heraus.

Das in der Bevölkerung immer drängender wahrgenommene Problem sei auch in der Bundespolitik erkannt und jüngst durch neue Vorgaben des Bundesgesundheitsministers an die KV aufgegriffen worden. Bartelt: „Es ist genug Geld im System, aber falsch gesteuert.“

Dem Eindruck, dass man als Hausarzt in Hessen Not leide, begegnete SPD-Gesundheitsexperte Thomas Spieß mit einem statistischen Hinweis: Im Durchschnitt erlöse jede Hausarztpraxis nach Abzug aller Kosten im Jahr 140 000 Euro. Eine Zahl, die von einigen Ärzten im Publikum laut bestritten, von anderen jedoch als zutreffend beschrieben wurde.

22 Nachfolger gesucht

„Die Menschen hier und andernorts fragen sich: Wo sollen wir hingehen, wenn unser Hausarzt, wie etwa Doktor Heller im Fischbachtal mit seinen 2000 Patienten, demnächst aufhören wird?“, fragte Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD). Der Landkreis habe mit der Gründung des ersten Medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) in Ober-Ramstadt ein Element zur Problemlösung geschaffen, das auch in anderen Orten Darmstadt-Dieburgs zum Tragen kommen könnte.

Peter Heller, seit 36 Jahren Hausarzt im Fischbachtal, trug einige Anregungen vor. In Eppertshausen, mit mehr als 6000 Einwohnern, werde es bald womöglich nur noch einen Hausarzt geben. In Reinheim sei kaum einer seiner Kollegen unter 60 Jahre alt. „Bei einer Praxisbörse der KV suchten 22 Ärzte aus unserer Region aus Altersgründen einen Nachfolger, aber nur ein einziger suchender junger Arzt zeigte vage Interesse. All das weiß die KV. Insgesamt ist das eine frustrierende Erfahrung.“ (piz)

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