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Ein Rezept gegen Streuner

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Fundkatzen kastriert der Tierschutzverein meist auf eigene Kosten.
Fundkatzen kastriert der Tierschutzverein meist auf eigene Kosten. © André Hirtz

Tierschützer und Vertreter der Stadt Darmstadt ziehen eine positive Bilanz nach der Einführung der Kastrationspflicht. In den vergangenen sechs Monaten sind nach Angaben des Tierschutzvereins 74 Katzen kastriert und teilweise auch weitervermittelt worden.

Seit mehr als einem halben Jahr gibt es in Darmstadt die Kastrationspflicht für streunende Katzen. Tierschützer und Vertreter der Stadt ziehen eine positive Bilanz. Verwilderte Katzen leben im Verborgenen, oft mitten in der Stadt. Bürgermeister Rafael Reißer (CDU) hat so ein wildes Rudel selbst einmal beobachtet. „Das war abends auf dem Hof der Georg-Büchner-Schule“, erzählt er bei der Pressekonferenz gestern in Darmstadt. Etwa 30 Katzen habe er gezählt. „Viele waren in einem argen Zustand“, so der Ordnungsdezernent.

Nach Schätzungen des Landestierschutzverbandes gibt es hessenweit bis zu 500 000 verwilderte Katzen. Die meisten leben am Rand größerer Städte, viele von ihnen sind unterernährt. Viele leiden auch an Infektionskrankheiten wie Katzen-Schnupfen, Katzen-Aids oder Katzen-Leukämie oder sie sind von Parasiten befallen.

Darmstadt hat mit der Katzenschutzverordnung vom 29. Juli 2015 eine Kastrations-, Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht eingeführt, damit sich die Tiere nicht mehr weiter unkontrolliert vermehren: Ein einziges unkastriertes Paar produziert rein rechnerisch mit zwei Würfen und je drei Katzenbabys jährlich innerhalb von zehn Jahren eine Population von 80 Millionen Katzen.

Die neue Verordnung sieht vor, dass alle Halter, die ihre Katzen, die älter als fünf Monate sind, ins Freie lassen, ihre Tiere kastrieren und mit einem Mikrochip oder einer Tätowierung registrieren und beim Haustierregister von Tasso e.V. eintragen lassen.

Kaum Personal-Aufwand

Rassekatzen können auf Antrag davon befreit werden. In den vergangenen sechs Monaten sind nach Angaben des Darmstädter Tierschutzvereins 74 Katzen kastriert und teilweise auch weitervermittelt worden. „Wir hatten insgesamt im vergangenen Jahr 20 Prozent mehr Kastrationen und einen Anstieg von zehn Prozent mehr Registrierungen“, so Ulrike Weber vom Vereinsvorstand. Das stimme positiv.

Wer sich weigert, begeht eine Ordnungswidrigkeit, die mit einer Geldbuße von bis zu 1000 Euro geahndet werden kann. Werner Appell, Leiter des Ordnungsamtes, gibt zu, dass er anfangs fürchtete, mit einer Masse an Verfahren konfrontiert zu werden. Doch das sei bisher ausgeblieben.

Der Personal-Aufwand tendiere dabei gegen Null. Stadt und Tierschützer arbeiteten Hand in Hand. Und das Darmstädter Modell – in Hessen hat bislang noch keine Kommune nachgezogen – zieht Kreise. „Ich hatte bereits schriftliche Anfragen von Wetzlar und Kassel“, erzählt Appell.

„Die neue Verordnung gibt uns Mittel in die Hand, sanften Druck zu machen“, so beschreibt es Christian Zentgraf, Tierarzt und Leiter des Darmstädter Tierheims. Es gelinge auch zunehmend, die Menschen für das Thema zu sensibilisieren. „Viele sehen ein, dass es nicht in Ordnung ist, wenn man Katzen unkastriert herumlaufen lässt und sich dann nicht um den Nachwuchs kümmert.“

Dem Tierschutzverein gehe es vor allem darum, dass die Halter Verantwortung übernehmen. Das sei allerdings ein Prozess, der dauert – und auch ins Geld geht. Bis zu 14 000 Euro gebe das Tierheim jährlich aus, um Fundkatzen zu kastrieren und registrieren, so Zentgraf. Da komme der aktuelle Zuwendungsbescheid der Stadt über 7500 Euro gerade richtig. (hin)

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