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Retten mit dem Roboter

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In der Hochschule proben Schüler Hilfseinsätze mit Spielzeug-Maschinen. "Wir wollen jungen Menschen Technik näherbringen" erläutert ein Veranstalter der "First-Lego-League"-Roboter-Regionalwettbewerbe die Idee.

Laute Popmusik schallt aus dem Raum im ersten Stock des Hochhauses der Hochschule Darmstadt und mischt sich mit dem Lärm aufgeregter Kinderstimmen und Rufe. Philip Eichfelder und sein Teamkollege von der Erich-Kästner-Schule stehen gespannt an ihrem Spielfeld. „Drei, zwei, eins – los“, ruft der Moderator durchs Mikrofon. Die Roboter setzen sich in Bewegung.

Es läuft gut für die beiden Jungs, die zusammen mit ihrem Team am „First-Lego-League“-Roboter-Regionalwettbewerb teilnehmen. Über die bettgroße Spielfläche fährt ihr Roboter zielstrebig zu einem Transporter, schiebt ihn an den Rand und fährt automatisch rückwärts in seine Ausgangsposition. Dort nehmen die Steuermänner ihn hoch und stellen durch Drücken auf das Bedienfeld das nächste Programm ein. Der Roboter rollt los und schiebt auch einen Laster an den Rand. „Super Jungs, weiter so“, ruft ihr Lehrer, und die anderen aus ihrem Team feuern sie ohnehin die ganze Zeit an. Auch, als ihr Roboter wenig später an einer Aufgabe scheitert.

Jungen Menschen Technik näherbringen

Die Schülergruppe aus Kranichstein war der einzige Darmstädter Teilnehmer unter acht Teams aus dem Rhein-Main-Gebiet. Darmstadt war zum zweiten Mal Austragungsort. Dieses Jahr nehmen insgesamt rund 15 000 Schüler im Alter von zehn bis sechzehn Jahren aus mehr als 50 Nationen an dem Wettbewerb teil. „Wir wollen jungen Menschen Technik näherbringen“, erläutert Richard Jordan von der mitveranstaltenden Darmstädter Industrie- und Handelskammer das Ansinnen. Immer weniger wollten einen technischen Beruf ergreifen. „Wir wissen jetzt schon, dass wir in zehn Jahren zu wenig Ingenieure haben werden, vor allem Ingenieurinnen.“ Auf 50 Jungs kämen vielleicht drei Mädchen. Zudem soll die Teamarbeit gefördert werden.

Die Teilnehmer haben acht Wochen Zeit, sich gemeinsam auf die Aufgabe vorzubereiten. Sie steht diesmal unter dem Motto „Nature’s Fury“ und spielt sich vor dem Szenario einer Naturkatastrophe ab. Die Roboter sollen beim Rettungseinsatz helfen. Die Schüler müssen die Geräte nicht nur bauen, programmieren und einsetzen, sondern auch vorstellen. „Das ist anspruchsvoll“, betont Jordan. Zwar sei das Programmieren dank schülerfreundlicher Software, die mit Symbolen arbeitet, recht einfach. „Aber man muss kreativ sein.“

Ausstattung kostet 500 Euro

Und man muss einiges dafür investieren, wie von Lehrer Hano Stühlinger (Kästnerschule) zu erfahren ist. In einer von ihm gegründeten Robo-AG haben sich die Schüler intensiv vorbereitet. Auch finanziell bedarf es einigen Einsatzes, „denn das Ding ist teuer“, sagt Stühlinger. Für die Erstausstattung seien schnell mal 500 Euro weg. Allein das Spielfeld kostet laut „Lego“-Homepage 129 Euro, hinzu kommt eine Teilnahmegebühr von 125 Euro. Das wäre ohne einen Sponsor, der die Gesamtschule gefördert hat, kaum zu machen gewesen.

Doch für den Lehrer hat sich der Aufwand gelohnt. „Im weitesten Sinn ist das schon eine Heranführung an die Berufswelt“, sagt Stühlinger, als stellvertretender Schulleiter auch für den Übergang von Schule zu Beruf zuständig. Einer aus dem Team habe schon gesagt, er wolle Informatik studieren, zudem sei die Präsentation eine gute Vorbereitung auf Prüfungssituationen.

Für die Schüler zählt zunächst einmal der Spaß. „Weil’s lustig ist, weil’s interessant ist, weil man viel lernt“, sprudelt es aus mehreren Mündern, wenn man sie nach der Teilnahme am Wettbewerb fragt.

Und was ist an Robotern so interessant und lustig? Philip, der selbst auch einen zu Hause hat, sagt: „Ich habe gedacht, er könnte für mich vielleicht mal Hausaufgaben machen.“ Da muss er wohl noch ein bisschen Programmieren üben. aw

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