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Nur Rentner gehen baden

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Bürgermeiste klagen über die kühlen Temperaturen. Für ihre Freibäder müssen sie viel geld für Energie ausgeben.
Bürgermeiste klagen über die kühlen Temperaturen. Für ihre Freibäder müssen sie viel geld für Energie ausgeben. © dpa

Leere Schwimmbecken, kühle Temperaturen - die Bürgermeister in der Region stöhnen über die Energiekosten für ihre Freibäder. Und nicht nur sie. Eisdielen und Ausflugslokale klagen ebenfalls.

Etliche Bürgermeister schauen angesichts hoher Energiekosten neidisch auf Roßdorf. Dort hat man hoch gepokert und das Schwimmbad erst jetzt aufgemacht, worüber sich die dortige Bürgermeisterin Christel Sprößler freut: "Das war genau richtig", sagt sie. Ihr Gemeindeparlament hatte erst vor kurzem Öffnungszeiten vom 1. Juni bis 31. August festgelegt. "Die Nächte im Mai sind immer sehr kühl, wir haben früher die Erfahrung gemacht, dass wir sehr viel heizen mussten."

Auf eine Durchschnittstemperatur von gerade mal 10,5 Grad hat es der Mai gebracht. So kalt war es im Wonnemonat seit 1991 nicht mehr, ist der vorläufigen Bilanz des Deutschen Wetterdienstes zu entnehmen. Im Landkreis Darmstadt-Dieburg ist der Frühjahrsfrust daher groß: In Schwimmbädern, Eisdielen und Ausflugslokalen bleiben die Gäste aus, Erdbeer- und Spargelbauern stöhnen unter Ernteausfällen.

"Es ist einfach deprimierend, aber wir harren weiter aus", ärgert sich Holger Stahl vom Dieburger Freibad. Nur Rentner sind zurzeit zuverlässige Kundschaft. "Sie haben den Krieg überlebt und überleben nun auch das kalte Wasser", scherzt er. "Außerdem erinnern sich die Älteren an die 60er und 70er Jahre, in denen das Schwimmbadwasser noch nicht geheizt war." Jugendliche streiken dagegen bei solchem Wetter.

Ähnlich niederschmetternd ist die Bilanz in Ober-Ramstadt und Dieburg. In einem halben Monat sind gerade einmal so viele Menschen gekommen wie sonst an einem einzigen heißen Sommertag: Beide Bäder haben seit 13. Mai geöffnet, beide zählten bisher 3000 Gäste und an beiden Standorten zogen gestern Mittag ganze zwei Menschen ihre Bahnen.

Für die Bauern ist das Wetter Freude und Kummer zugleich. "Nach dem trockenen April war der Mai mit 100 Milliliter Niederschlag unbedingt notwendig", sagt Regionalbauernchef Walter Schütz aus Groß-Umstadt. Was Rüben und manchem Getreide gut tut, ist für andere Feldfrüchte allerdings problematisch. "Grünsilage müsste im Mai geschnitten werden. Doch die Talwiesen sind vernässt. Dafür bräuchten wir ein, zwei Tage Sonne." Die Spargelbauern ernten laut Schütz etwa 30 Prozent weniger als gewohnt, wobei das knappe Angebot den Preis etwas hochhält. Schlimmer sieht es bei den Erdbeeren aus. "Wir können die Nachfrage nicht bedienen", sagt der Bauernsprecher. "Die Erdbeerbauern haben die Pflücker auf dem Hof, aber kaum rote Beeren auf den Feldern." Insgesamt seien Natur und Ernte etwa 14 Tage hinterher.

Auch die Ausflugslokale spüren den feucht-kühlen Mai. "Katastrophal" sei die Lage, sagt Hans-Peter Hess vom Gutshof Thomashütte zwischen Eppertshausen und Messel. "Der Biergarten war nur an drei Maitagen gut nutzbar. Insgesamt macht das für uns 60 000 bis 70 000 Euro weniger Umsatz, die auch ein guter Sommer nicht mehr reinholen würde." Ähnlich sieht es in Fabio Natales Eiscafé in Seeheim-Jugenheim aus. "Ich kann mich an keinen Mai erinnern, in dem ich so wenig gearbeitet habe", sagt er. Dabei sei der Mai der umsatzstärkste Monat. "Im Hochsommer verlagert sich der Eisverkauf in die Freibäder und an die Seen." (sami/piz/ers)

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