Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Rechtsanwalt Benno Josef war einer der letzten Juden, die 1943 aus Darmstadt deportiert wurden.
+
Rechtsanwalt Benno Josef war einer der letzten Juden, die 1943 aus Darmstadt deportiert wurden.

Darmstadt

Rechtsanwälte im NS-Regime: Der letzte jüdische Verteidiger Darmstadts

  • Claudia Kabel
    VonClaudia Kabel
    schließen

Benno Joseph verhandelte mit der Gestapo und setzte sich für die Belange von Jüdinnen und Juden in Darmstadt ein. Der Arbeitskreis Stolpersteine hat seine Lebensgeschichte und die anderer Darmstädter Verteidiger erforscht.

Der Name Benno Joseph begegnet einem überall in Darmstadt“, sagt Michaela Rützel vom Arbeitskreis Stolpersteine. Er galt als Schutzengel vieler Juden, half bei Auswanderungsgesuchen, „versuchte bei Geschäfts- und Vermögensabwicklungen möglichst viele Werte für die jüdischen Eigentümer zu retten und verhandelte unerschrocken mit der Gestapo“, heißt es im Stadtlexikon. Doch über das Leben des jüdischen Rechtsanwalts, der bis 1942 als einziger noch Angelegenheiten von Jüdinnen und Juden in Darmstadt vertreten durfte, war bislang wenig bekannt. Michaela Rützel und andere Ehrenamtliche des Arbeitskreises haben die Biografien von Joseph und anderen Rechtsanwälten recherchiert und stellen erstmals ihre Ergebnisse der Öffentlichkeit vor.

Im Rahmen des Festjahres zu 1700 Jahren jüdischem Leben in Deutschland startet an diesem Donnerstag (14. Oktober) die dreiteilige Veranstaltungsreihe „Rechtsanwälte ohne Recht - Jüdische Anwälte in Darmstadt im NS-Regime“. Organisiert wird die Reihe vom Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie, Regionale Arbeitsgruppe Südhessen in Kooperation mit dem Arbeitskreis Stolpersteine, dem Anwaltverein Darmstadt und Südhessen und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit.

Die Veranstaltungsreihe

Donnerstag, 14. Oktober: Michaela Rützel führt in das Thema ein und skizziert die Biografien von Ernst Langenbach, Max Ranis, Hugo Bender und Ernst Sondheimer.

Donnerstag, 28. Oktober: Dietlinde King stellt den Lebensweg des einzigen Rechtskonsulenten Benno Joseph vor.

Donnerstag, 4. November: Elisabeth Krimmel hat ein Buch über Fritz Freund verfasst. Sie zeichnet seinen Lebensweg nach.

Beginn jeweils 19 Uhr , Offenes Haus, Rheinstraße 31 in Darmstadt. cka

Von 68 Rechtsanwälten, die in der Stadt vor 1933 wohnten und an den Gerichten zugelassen waren, waren knapp ein Drittel jüdisch. Keiner der 20 ermittelten habe die NS-Verfolgung in Deutschland überlebt, schreibt Klaus Müller vom Verein Gegen Vergessen – Für Demokratie. Fünf von ihnen wurden in Auschwitz, Theresienstadt, Sachsenhausen, Buchenwald oder Lodz ermordet. Einer beging 1933 Suizid, drei starben zwischen 1936 und 1942 und elf gelang die Flucht nach England, Südamerika oder in die USA. Benno Joseph schickte zwar seine drei Söhne nach England, er selbst blieb und wurde mit Ehefrau Margarete als einer der letzten 53 Juden in Darmstadt 1943 in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Dort kam er ums Leben, seine Frau wurde in Auschwitz ermordet.

Rechtsanwalt und Darmstädter Kommunalpolitiker Hugo Bender emigrierte 1939 nach Großbritannien.

Dass Joseph – und zeitweise sein Kollege Max Ranis – auf eigenen Wunsch als Rechtskonsulenten verpflichtet wurden, sei auch „Kalkül“ der Nazis gewesen, sagt Michaela Rützel. Die Nazis hätten sie gebraucht, um die Ausplünderung von Juden abwickeln zu können. Ab 1938 sei dies zudem die einzige Möglichkeit gewesen, als Rechtsanwalt zu arbeiten.

Die Reihe will einen Überblick über die einzelnen Schritte der systematischen Ausgrenzung, Entrechtung und Verfolgung jüdischer Rechtsanwälte geben. Neben anderen widmet sie sich auch Hugo Bender, einem Darmstädter Lokalpolitiker, der bis 1933 Vorsitzender der hessischen Rechtsanwaltskammer war.

Tim Becker, Vorsitzender des Anwaltsvereins, hält die Beschäftigung mit ihren Biografien auch aus aktuellen Gründen für dringend notwendig: „Die ausgewählten Schicksale zeugen von einem unerschütterlichen Glauben an Gerechtigkeit und sind doch Zeugnis der Grenzen des Rechts in einem Unrechtssystem.“ Damit schlage die Reihe eine Brücke in die heutige Zeit. „Sie soll das Bewusstsein dafür schärfen, dass der Zugang zum Recht grundlegende Bedeutung hat und dass die Anwaltschaft einen verletzlichen Teil des Rechtsstaats ausmacht.“ Es gelte, allen Tendenzen von Diskriminierung und Ausgrenzung entschlossen entgegen zu treten

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare