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Ratte unter Tatverdacht

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Von: Jutta Rippegather

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Die Bahn sucht nach dem Stromausfall am Darmstädter Hauptbahnhof weiter nach der Ursache. Weil eine Ratte tot neben einem Stromverteiler gefunden wurde, wird nun vermutet, dass diese den Blackout verursacht haben könnte.

Hat eine Ratte den Blackout im Darmstädter Hauptbahnhof vom Mittwochabend verursacht? Es gibt Zeichen, die darauf hindeuten. Doch die Deutsche Bahn wollte sich am Donnerstag nicht auf einen Nager als Schuldigen dafür festlegen, dass mitten im Berufsverkehr in dem Empfangsgebäude die Lichter ausgingen. Auch die Fahrkartenautomaten funktionierten nicht, die Aufzüge standen ebenfalls still. Grund sei ein Kurzschluss im Verteilerraum gewesen, wo die Stromversorger stünden, sagt ein Bahnsprecher der Frankfurter Rundschau.

In dem Raum sei eine Ratte gefunden worden, und er fügte hinzu: "Die hat das nicht überlebt." Was ihr das Leben nahm, konnte am Donnerstag nicht geklärt werden. Dass das Tier "ursächlich" für den Kurzschluss gewesen sei, weil es ein wichtiges Kabel angeknabbert habe, sei Spekulation, so der Sprecher. "Das wird noch ermittelt."

Bleiben wir also bei den Fakten: Am Mittwoch um 18 Uhr fiel in der Halle des Darmstädter Hauptbahnhofs plötzlich der Strom aus. Was nicht heißt, dass die Reisenden plötzlich im Dunkeln tappten: "Es war nicht zappenduster", versichert der Bahnsprecher. Denn es gibt eine Notstromversorgung. Und die sei angesprungen und die Beleuchtung der Bahnsteige habe auch funktioniert. Die Tafeln mit den Fahrgastinformationen oder die Ticketautomaten hingegen waren tot und so hell wie gewohnt war das Gebäude auch nicht beleuchtet. Die Züge durften aus Sicherheitsgründen lediglich im Schritttempo in den Bahnhof ein- und ausfahren. Eine Stunde habe es gedauert, bis die Panne behoben worden sei. "Der Zugverkehr wurde kaum beeinträchtigt", versichert der Bahnsprecher.

Auch andernorts denkbar

Die Techniker mussten unter Hochdruck arbeiten und gegen die Zeit. "Der kritische Punkt war die Brandschutzanlage", berichtet der Sprecher der Bundespolizeidirektion Koblenz, Reza Ahmari. Die lief nach dem Blackout im Akkubetrieb, und der ist nach zwei Stunden leer. Zum Glück hatten die Experten die Panne nach einer Stunde behoben. Wenn nicht, dann wäre der Reisebetrieb extrem gestört worden. "Aus Sicherheitsgründen hätten wir den Bahnhof komplett sperren müssen." Im Klartext: Alle Anwesenden hätten das Empfangsgebäude und die Bahnsteige verlassen müssen.

Auf dieses Szenario bereiteten sich Bahn, Feuerwehr und Polizei vor. Doch es traf nicht ein. Streifen der Bundespolizei sorgten für Sicherheit in dem spärlich beleuchteten Gebäude. Alles lief gut. "Es ist nichts Dramatisches vorgefallen", sagt Ahmari. Das bestätigt die Darmstädter Feuerwehr. Sie war gerufen worden, weil es wegen des Kurzschlusses zu "einer Verrauchung" gekommen sei, sagt ein Sprecher. "Kein Wunder, wenn sich so ein Tier mit 1000 Volt selbst grillt."

Eine solche Panne sei auch andernorts denkbar, sagt der Bahnsprecher. "Das kann auch in Krankenhäusern und Kaufhäusern passieren oder am Hauptbahnhof in Frankfurt." In dessen Katakomben stehen riesige Generatoren mit den Dimensionen eines Schiffsdieselmotors, die im Fall eines Stromausfalls die Notversorgung sicherstellen. "Die werden regelmäßig überprüft und zum Laufen gebracht."

Kein Grund zur Aufregung sieht der Bahnsprecher auch in dem Rattenfund. Es sei unmöglich, ein derart großes Gebäude völlig rein zu halten. Die Bäckereien, Wurstbratereien, die Krümel der Reisenden – das locke zwangsläufig Ungeziefer an. Regelmäßig würden Köder ausgelegt, die Betriebe seien vertraglich dazu verpflichtet. "Doch ganz chemisch rein kriegt man so einen Bahnhof nicht."

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