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Freudiger Geber, dankbare Empfängerin und glückliche Radlerinnen: Harald Stenger überreicht den Scheck an Jeanette Dorff. Diakonie Hessen

Schlappekicker-Aktion

Radfahren als Mittel zur Selbsthilfe

Schlappekicker unterstützt Projekt des Diakonischen Werks Darmstadt-Dieburg in Darmstadt-Kranichstein mit 2000 Euro, um geflüchteten Frauen zu helfen, mobiler und aktiver zu werden.

Radfahren will gelernt sein: Gleich am ersten Tag ist es passiert. Aklima Rahman fährt auf dem Streetballplatz am Jugendklub in Darmstadt-Kranichstein noch etwas unsicher mit dem Fahrrad. Die 42-Jährige ist es nicht gewohnt, sich mit einem zweirädrigen Gefährt fortzubewegen. Sie verliert das Gleichgewicht, stürzt und fällt. Die Schneidezähne wackeln, aber ein Zahnarzt kann der aus Bangladesch stammenden Frau, die in Weiterstadt wohnt, helfen, dass sie ihre Zähne nicht verliert.

Doch Aklima Rahman lässt sich von dem kleinen Unfall nicht entmutigen. Getreu dem Motto, „Wer hinfällt, bleibt nicht verzweifelt am Boden liegen, sondern steht wieder auf“ sitzt die Frau ein paar Tage später erneut im Sattel, um auf dem kleinen Trainingsplatz zu lernen, sicher mit dem Fahrrad zu fahren.

„Ich musste mir eben etwas mehr Mühe geben“, sagt die Frau nach den zwölf Unterrichtseinheiten durchaus selbstkritisch. Aber letztlich ist sie doch sehr stolz und glücklich darüber, im Juli und August an dem von der Mühltalerin Nicole Matheis geleiteten Fahrradkurs für Frauen unter dem Motto „Ich fahr Rad“ teilgenommen zu haben.

In dem Kurs bekommen geflüchtete Frauen und Migrantinnen zunächst ein Gefühl, auf dem für sie ungewohnten Vehikel mit zwei Rädern die Balance zu halten und es abzubremsen. Die Frauen werden nicht nur unterstützt, mobiler zu werden. Sie sollen mit dem Radfahren zugleich ihre Gesundheit fördern und ihr Selbstbewusstsein stärken, was wiederum bei der Integration hilft. Mit dem Fahrrad zum ersten Mal selbstständig eine Runde auf der Straße drehen zu können, ist für viele der Frauen, die etwa aus Somalia, Eritrea oder Tunesien stammen, ein ganz neues Lebensgefühl. „Der Kurs macht auch einfach viel Spaß“, sagt die 38-jährige Hajer Bel-Hadj-Yahia, die aus Tunesien stammt und in der Darmstädter Heimstättensiedlung wohnt.

Das niedrigschwellige Angebot soll nach den Worten von Jeannette Dorff vom Diakonischen Werk Darmstadt-Dieburg, die als Fachgebietsleiterin der Gemeinwesenarbeit in Darmstadt auch für die Kranichsteiner Stadtteilwerkstatt zuständig ist, den Frauen auch dabei helfen, ihr Leben eigenständiger zu bewältigen. Dorff ist davon überzeugt, dass das Radfahren die Frauen eigenständiger macht und sieht darin außerdem einen interessanten Beitrag, sie auch näher an die Angebote von Sportvereinen zu bringen.

Einige, aber nicht alle, sind diesen Weg nach dem Fahrradkurs gegangen. Bei vielen waren es der Mann oder die Kinder, die urplötzlich am Miteinander in einem Sportverein ihre Freunde fanden. So gesehen ist das Fahrrad-Projekt in Kranichstein, das alljährlich mit etwa zehn Frauen durchgeführt wird, ein positives Signal und „Mittel zur Selbsthilfe“.

Das war auch der Grund, dass die Schlappekicker-Aktion der FR diese Initiative in diesem Jahr unterstützt hat, als das Geld knapp war und der Etat eine größere Lücke aufwies. Das Diakonische Werk hatte sich gemeldet und der Schlappekicker-Vorstand beschloss, den Fahrradkurs als Schlappekicker-Förderprojekt 2000 Euro zukommen zu lassen.

Der Schlappekicker-Vize-Vorsitzende Harald Stenger verschaffte sich einen Eindruck vor Ort, als er den Scheck überreichte. „Unsere Schlappekicker-Aktivitäten gehen auch in diesem Corona-Jahr weiter, und der Fahrradkurs ist ein Musterbeispiel dafür, dass es vielfältige Möglichkeiten gibt, um dem sozialen Anspruch unserer Aktion gerecht zu werden und engagierten Initiativen konkret zu helfen“, sagte Stenger am Ende des Besuchs in Kranichstein.

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