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Putzen bei Nacht

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Ein spezielles Waschfahrzeug ist im Einsatz, um den gesperrten Tunnel zu säubern.
Ein spezielles Waschfahrzeug ist im Einsatz, um den gesperrten Tunnel zu säubern. © Karl-Heinz Bärtl

Der Lohbergtunnel wird in dieser Woche auf Herz und Nieren geprüft. Der Tunnel gehört zu den drei sichersten Tunneln in Deutschland.

Ohne lange zu überlegen legt Andreas Born den Notrufschalter um. Eine Sekunde vergeht, zwei Sekunden, dann meldet sich die Gegenseite – und nur wenige Minuten später wird es laut im Lohberg-Tunnel.

„Bitte verlassen Sie den Tunnel.“ Unweigerlich gehen die Hände an die Ohren. Denn die Stimme aus den Lautsprechern an der Decke ist laut – und unmissverständlich. Wer kein Deutsch kann, wird jetzt auch auf Englisch und Französisch aufgefordert, Ruhe zu bewahren und nach draußen zu gehen. Schnell ein Blick auf die Markierung an der Tunnelwand, in welcher Richtung es am schnellsten geht. Und tatsächlich: Dort hinten, Richtung Süden, ist das Licht der Abendsonne gerade noch zu erkennen.

Was nach Notfall klingt, ist Routine. Was in vier Nächten dieser Woche immer zwischen 20 Uhr und 5 Uhr eine Vollsperrung nötig macht, ist die turnusmäßige Wartung des Tunnels. Das Straßen- und Verkehrsmanagement von Hessen Mobil prüft den 1080 Meter langen Lohbergtunnel vier Mal im Jahr auf Herz und Nieren.

Andreas Born ist Tunnelmanager bei Hessen Mobil und koordiniert das Vorhaben eng mit Matthias Piechocki, der als Generalunternehmer ein gutes Dutzend Subunternehmer anführt, die in diesen Nächten durch die Röhre strömen.

„Wir können natürlich nicht im laufenden Betrieb in den Tunnel hinein“, sagt Hessen-Mobil-Sprecher Jochen Vogel. Und so geht kurz vor 20 Uhr an die Leitzentrale in Eschwege, in der die Überwachung für die derzeit 13 dazu fähigen Tunnel in Hessen zusammenläuft, eine Meldung, dass nun mit der Wartung begonnen wird. Schranken am Nord- und Südende werden heruntergelassen, die elektronischen Anzeigetafeln warnen die Autofahrer, dass der Tunnel jetzt gesperrt ist. Gerade im letzten Moment noch huschen ein Auto- und Motorradfahrer durch den Tunnel. Und plötzlich: Ruhe. Sogar Vogelzwitschern ist zu hören.

Rauch kann über Kamin entweichen

Wer jetzt noch im Tunnel ist, gehört zum Team der technischen Überwachung. Gemeinsam mit Tunnelmanager Born geht es vom Betriebsgebäude über eine Treppe in den Kamin des Tunnels, über den im Schadensfall Rauch nach draußen geleitet würde.

Born erklärt: „Im Normalbetrieb entlüftet sich so ein Tunnel eigentlich selbst.“ Komme es jedoch zu einem Schaden, stellen unter anderem zwei aufeinander gerichtete Kameras eine Trübung der Luft fest. Automatisch gehen Abzugsklappen in der Decke auf, zwei riesige Ventilatoren in der Zwischendecke saugen die Luft mit jeweils rund 25 000 Liter pro Sekunde an.

Zu einem großen Unfall ist es im Lohbergtunnel, der im ADAC-Tunneltest 2010 zu einem der drei sichersten Deutschlands gekürt wurde, seit seiner Eröffnung vor acht Jahren noch nicht gekommen. Einmal schlug ein Blitz ein, Technik ging kaputt und musste ersetzt werden. Auch Auffahrunfälle im Tunnel gab es schon, nichts jedoch, was den Ernstfall wirklich herbeigeführt hätte. Und so wurde der Rettungsstollen neben dem Tunnel bisher nur zur Wartung betreten. (eda)

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