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Nach Aussage von Zeugen hatte es zwischen dem Angeklagten und dem Opfer in der Vergangenheit immer wieder Auseinandersetzungen gegeben.

Darmstadt

Prozess um zerstückelte Frauenleiche

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Zum Auftakt der Hauptverhandlung vor dem Landgericht Darmstadt schweigt der Lebensgefährte des Opfers. Er soll früher schon seine Freundin mit dem Tod bedroht haben.

Mehr als zehneinhalb Monate nach dem Fund von Leichenteilen in einer Wohnung in Darmstadt-Eberstadt wird nun einem 35-jährigen Darmstädter der Prozess gemacht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, seine Lebensgefährtin im Streit getötet und ihren Leichnam zerstückelt zu haben. Der Mann habe aber nicht in Mordabsicht gehandelt, sagte Staatsanwältin Eva Wörner beim Prozessauftakt am Dienstag.

Zwischen dem 1. und 2. Januar soll sich das Paar in der gemeinsamen Wohnung am Fritz-Dächert-Weg gestritten haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte im Zuge einer wechselseitigen tätlichen Auseinandersetzung seiner Lebensgefährtin mehrfach ins Gesicht geschlagen und dann mit stumpfer Gewalt auf ihren Hals eingewirkt habe, wodurch die 40-Jährige zu Tode gekommen sei.

Aus Angst vor Entdeckung soll er die Leiche im Badezimmer mit Küchenmessern in mehrere Teile zerlegt und die Leichenteile in eine Reisetasche und mehrere Tüten verpackt haben. Nachdem er eine Nacht in einem Hotel in der Darmstädter Innenstadt verbracht hatte, hatte sich der Beschuldigte am Tag nach der Tat der Polizei gestellt.

Zum Auftakt des Prozesses schwieg er jedoch. Am ersten Verhandlungstag wurden ein psychologischer Gutachter, die Mutter der Toten sowie Nachbarn und weitere Zeugen vernommen, Nach seiner Festnahme hatte der Angeklagte berichtet, er habe den Leichnam seiner Freundin, mit der er seit November 2016 zusammen gewesen sei, zerteilt, um nicht verdächtigt zu werden. Er bestritt aber, die Frau getötet zu haben.

Gutachter Christian Knöchel von der Klinik für forensische Psychiatrie in Riedstadt sagte, der Beschuldigte habe ihm gegenüber einen vielfachen Drogenkonsum seit seiner Jugendzeit eingeräumt. Auch vor der blutigen Tat am Neujahrsmorgen habe er Kokain und Ecstasy konsumiert, Joints geraucht und Bier getrunken. Dem Psychologen hatte der Angeklagte geschildert, seine Freundin habe in besagter Nacht unter Alkohol- und Drogeneinfluss hysterisch reagiert und mit einem Aschenbecher nach ihm geworfen, den er wie eine Frisbeescheibe zurückgeworfen habe. Anschließend sei es zu einer Rangelei gekommen.

Sie habe ihn geboxt, an den Haaren gezogen und gebissen, und er habe ihr ins Gesicht geschlagen. Auch soll die Frau ihn mit einer Bastelschere attackiert haben. Beim Versuch, die Schere zu fassen, sei er auf sie gestürzt, habe das Gleichgewicht verloren und sei mit seinem Unterarm auf den Körper und ihren Hals gefallen. Die Freundin habe allerdings noch gelebt, als er schlafen gegangen sei. Erst am nächsten Morgen will er sie gegen sechs Uhr leblos im Bad gefunden haben.

Nach Aussage von Zeugen hatte es zwischen dem Angeklagten und dem Opfer in der Vergangenheit immer wieder Auseinandersetzungen gegeben, so dass mehrfach die Polizei gerufen wurde. Die Mutter der Getöteten sagte, ihre Tochter habe schon vor zwei Jahren Angst gehabt, dass der Angeklagte sie irgendwann umbringe. Ähnlich äußerte sich eine Nachbarin, die auch davon berichtete, die Frau habe ihr gesagt, dass der Angeklagte einmal versucht haben soll, sie mit einem Kissen zu ersticken.

Für den Prozess sind drei weitere Verhandlungstage bis zum 31. Oktober angesetzt.   

Von Jens Joachim

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