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Protest gegen Elefantenhaltung

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Von: Regine Seipel

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Elefanten des Circus Busch machen Kunststücke, hier bei einem Gastspiel 2011 in Frankfurt. (Symbolbild)
Elefanten des Circus Busch machen Kunststücke, hier bei einem Gastspiel 2011 in Frankfurt. (Symbolbild) © Alex Kraus

Tierrechtler wollen vor dem Circus Busch in Darmstadt demonstrieren. Sie kündigen an bei nahezu allen Vorstellungen des Circus Carl Busch zu protestieren. Elf Termine sind geplant

Mit Transparenten und Flugblättern wollen Mitglieder der Darmstädter Tierrechtsgruppe Voice of Liberation vom Donnerstag an bei nahezu allen Vorstellungen des Circus Carl Busch auf dem Messeplatz in Darmstadt protestieren. Damit wollen sie nicht nur die umstrittene Wildtierhaltung anprangern, sondern wenden sich grundsätzlich gegen jede Form von Tierdarbietungen im Zirkus. Die Gruppierung, der nach eigenen Angaben rund 20 Aktive in Darmstadt angehören, propagiert vegane Ernährung und will "ein Ende aller Tierausbeutungsformen in der Gesellschaft" erreichen. Sie fordert außerdem die Stadt Darmstadt auf, einen Stadtverordnetenbeschluss umzusetzen, der Tiernummern des Circus Carl Busch verbieten würde.

Das sei nicht möglich, sagt Sigrid Dreiseitel, Pressesprecherin der Stadt Darmstadt und verweist auf einen Rechtsstreit mit dem Circus Krone, bei dem die Stadt im Februar vergangenen Jahres vor dem Verwaltungsgericht unterlegen war. "Das war eine Präzidenzentscheidung", sagt Dreiseitel, "wir haben keine Möglichkeit mehr, diesen Weg nochmal zu gehen".

Aufgrund eines Stadtverordnetenbeschlusses, der Auftritte von Wildtieren verhindern sollte, hatte sich Darmstadt damals geweigert, dem Circus Krone einen Auftritt in der Stadt zu ermöglichen. Das Gericht sah jedoch das verfassungsrechtliche Gebot des Gleichstellungsgrundsatzes und das Grundrecht der Berufsfreiheit für Zirkusunternehmen "unzulässig" eingeschränkt.

Beim Circus Busch, sagt Dreiseitel, gebe es bei der Tierhaltung keinerlei Beanstandungen. Neben Elefanten sind noch Kamele, Lamas, Ponys und Pferde in der Show zu sehen. Veterinäre der Stadt Darmstadt hätten das Gelände und die Haltungsbedingungen kontrolliert. "Es ist alles in Ordnung", sagt Dreiseitel. Auch in Frankfurt, wo Busch im Mai gastieren wird, seien in den vergangenen Jahren keine Mängel entdeckt worden, sagt der Sprecher. Amtstierärzte würden unangemeldet zu den Kontrollen kommen: "Es gab keine Probleme."

Die Tierrechtsorganisation Peta sieht das anders. Auf ihrer Homepage wirft sie dem Zirkus, wie zahlreichen anderen auch, regelmäßige Verstöße gegen den Tierschutz in den Jahren bis 2012 vor, unter anderem ist von durch Ankettung aufgescheuerten Elefantenfüßen die Rede, von kleinen Käfigen, unbeheizten Transportern und Schlägen nach Ausbruchsversuchen.

Veterinärämter haben nichts zu beanstanden

Reto Hütter, Tourneeleiter beim Circus Carl Busch, weist die Kritik der Tierrechtler zurück. Die Haltung der Tiere werde ständig verbessert, sagt er. Für das Gastspiel in Darmstadt sei eigens ein neues Auslaufzelt angeschafft worden, in dem sich die beiden Elefanten frei bewegen könnten. "Unseren Tieren geht es sehr gut", sagt Hütter. Vorgeschrieben seien 100 Quadratmeter Auslauf pro Tier. "Bei uns haben sie mindestens fünf- bis sechsmal so viel Platz", so Hütter.

Sie bekämen ausreichend Spielmaterial, wie Äste oder etwa Kratzbäume, zwei Tierpfleger würden sie 24 Stunden lang beobachten und für ihr Wohl sorgen, "sogar nachts". Im Winterquartier im fränkischen Dürrwangen-Haslach habe man sogar ein eigenes Waldstück gekauft, in dem die Elefanten spazieren gehen könnten.

Dank der umfänglichen Beschäftigung seien sie weder verhaltensgestört, noch hätten sie gesundheitliche Probleme. Die Tricks würden "ohne Peitsche" einstudiert. Die Tiere befänden sich in dritter Generation im Besitz der Artistenfamilie. "Sie sind ein Erbe", sagt Hütter.

Dennoch würden keine weiteren Wildtiere angeschafft, zumal sich auch die Gesetzeslage ändern könne. "Wir sind am Umdenken", sagt Hütter. Perspektivisch wolle der Circus Artistik und Pferdedressuren ausbauen, die beiden Elefanten seien schon derzeit "nur eine von vielen Attraktionen" im Circus-Busch-Programm.

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