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Auch sie müssen mal auf's Klo: Prostituierte auf dem Straßenstrich.
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Auch sie müssen mal auf's Klo: Prostituierte auf dem Straßenstrich.

Straßenstrich Darmstadt

Prostituierte auf Klosuche

In Darmstadt haben Prostituierte ein Problem, wenn sie für kleine Mädchen müssen. Der Stadtrat wollte die Tafel, bei der Bedürftige Essen bekommen, verpflichten. Doch die haben keine guten Erfahrungen gemacht.

Von SEBASTIAN WEISSGERBER

Stadtrat Dieter Wenzel (SPD) hat den Vorstand der Darmstädter Tafel verärgert. In einer mittlerweile zurückgezogenen schriftlichen Antwort auf eine CDU-Anfrage erklärte Wenzel, die Prostituierten vom Straßenstrich in der Kirschenallee könnten die Toilette der benachbarten Einrichtung benutzen.

Der gemeinnützige Verein, der Bedürftige mit Mittagessen versorgt, sieht das anders. "Wir wollen diese Leute nicht mehr hier drin haben, weil es unzumutbar war", sagt Vorstandsmitglied Gert Hauschild. "Die Toiletten sahen wirklich schlimm aus. Es wurde neben die Toilette entledigt, alles was es gibt." Auch benutzte Spritzen seien liegen geblieben. Deshalb hat die Tafel ihre Toiletten abgeschlossen. Wer sie benutzen möchte, muss nach dem Schlüssel fragen.

Die ursprüngliche Anfrage stammt vom CDU-Stadtverordneten Peter Mayer. Wenzels Antwort liegt der Frankfurter Rundschau vor.Mayer hatte bei einem Gespräch mit dem Vereinsvorstand von den Problemen mit dem Straßenstrich erfahren. So würden sich die Prostituierten auch vor der Tafel in der Bismarckstraße 107 aufhalten, obwohl sie nach der Rotlicht-Satzung nur bis zur Hausnummer 100 stehen dürfen, sagt Mayer.

"Darauf hin habe ich bei Herrn Wenzel angefragt, ob und wie das eigentlich kontrolliert wird." Außerdem wollte er von der Stadt wissen, ob es für die Prostituierten Toiletten gebe. Wenn nicht, ob welche aufgestellt werden könnten.

Wenzel antwortete in einem offiziellen Schreiben vom 12. Januar. Danach können die Toiletten der Darmstädter Tafel "von den Prostituierten genutzt werden". Die Tafel, die als privater Verein selbst über die Nutzung ihrer Klos entscheidet, hatte Wenzel vorher nicht gefragt. "Das hat erst mal für Entsetzen gesorgt, dass über die Köpfe und wider besseres Wissen solche Aussagen gemacht werden", sagt Hans Wegel, Schatzmeister der Tafel und Stadtverordneter für die CDU.

Wenzel hätte eigentlich um die Probleme wissen müssen, da die Tafel beim Runden Tisch Feldbergstraße Vertretern des Ordnungsamtes davon berichtet habe. "Bevor man dann solche Aussagen macht, kann man ruhig mal zum Telefonhörer greifen", sagt Wegel. "Das ist unverschämt und ein Unding", sagt Mayer.

Auch Wenzels grüner Magistratskollege, Sozialdezernent Jochen Partsch, ist verärgert. "Ich kann nachvollziehen, dass die Tafel das nicht möchte. Das muss man akzeptieren, und das wird akzeptiert." Derzeit werde in der AG Sicherheit und am Runden Tisch an einer Lösung gearbeitet.

Inzwischen hat auch Wenzel seine Aussage zurückgezogen. Nach Informationen der FR soll er verwaltungsintern zurückgepfiffen worden sein. In einer zweiten, korrigierten Antwort fehlt nun der Verweis auf die Tafel. Stattdessen heißt es, es werde nach einer Lösung gesucht.

Mayer sagt, Wenzel habe ihn persönlich angerufen, um sich für den Fehler zu entschuldigen. In einem Brief erklärt Wenzel, ihm sei "ein inhaltlicher Fehler unterlaufen". Nach Darstellung der städtischen Pressestelle handelt es sich um ein "Missverständnis auf der Basis eines unklar formulierten Protokolls".

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