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Probleme mit dem Pflaster

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Probleme mit Pflasterbelägen auf hoch belasteten Verkehrsflächen sind in Darmstadt offenbar ein wiederkehrendes Phänomen. Am Donnerstag soll das Stadtparlament Nachbesserungen für 300.000 Euro vor dem Hauptbahnhof genehmigen.

Rund 300?000 Euro soll der Austausch des Pflasters auf der Verkehrsfläche für Busse und Bahnen vor dem Darmstädter Hauptbahnhof kosten. Begründung: Das bestehende Natursteinpflaster sei den Belastungen nicht gewachsen und weise erhebliche Schäden auf. „Ein ärgerliches Thema“, sagte bei den Beratungen im Bauausschuss dessen Vorsitzender Ctirad Kotoucek (CDU).

Den Stadtverordneten liegt dazu eine Beschlussvorlage des Magistrats vor. Diese Vorlage enthält allerdings eine Fehlinformation. Das Pflaster vor dem Hauptbahnhof sei „in den Jahren 2004/2005 realisiert“ worden, heißt es in der Begründung der Baumaßnahme durch den Magistrat. Tatsächlich aber wurde die Fläche nach einer jahrelangen Hängepartie erst im Sommer 2009 gepflastert – der marode Belag ist also weniger als vier Jahre alt.

„Vom kommenden Montag an wird die Wissenschaftsstadt Darmstadt auf einer Fläche von rund 2500 Quadratmetern den letzten Bereich zwischen den Straßenbahnschienen vom Zentralen Omnibusbahnhof bis zum Vorplatz auf der Ostseite pflastern“: So kündigte der damalige Bau- und Verkehrsdezernent Dieter Wenzel (SPD) die Maßnahme am 5. Januar 2009 an. Das Areal wurde großflächig mit Metallsperrgittern verrammelt. Und dann – geschah erst einmal monatelang nichts.Das war an diesem Ort nichts Neues. Denn schon seit dem in der aktuellen Magistratsvorlage genannten Zeitpunkt war die Pflasterung mehrfach angekündigt worden. Über die Jahre verwitterte das Palettenholz, gedieh das Unkraut auf dem provisorischen Fahrbahn-Asphalt. Da fiel auch die erneute Verzögerung kaum noch ins Gewicht, die mit dem besonders kalten Winter begründet wurde. Erst im Mai 2009 rückten Arbeiter an. Im Sommer konnten die Sperrgitter um die erneuerte Fläche entfernt werden.

Insbesondere die Brems- und Anfahrvorgänge der schweren Busse hätten die Naturstein-Pflasterschicht binnen kurzer Zeit zermürbt, hieß es vorige Woche im Bauausschuss. Warnungen der ausführenden Baufirma seien ignoriert worden. Dass es vor Beginn der Pflasterarbeiten warnende Hinweise gab, bestätigte gestern die Sprecherin des Verkehrsunternehmens Heag-Mobilo, Silke Rautenberg.

Aber hatte es dieser Warnungen in letzter Sekunde vor den ungeeigneten Pflastersteinen überhaupt noch bedurft? In Darmstadt musste man sich schon blind und taub stellen, um von den Pflaster-Problemen auf hoch belasteten Verkehrsflächen im Jahr 2009 noch nichts mitbekommen zu haben.

Denn bereits im Herbst 2007 hatte Heag-Mobilo das Pflaster an der Haltestelle der Linie 3 am Luisenplatz austauschen lassen – nur ein Jahr nach der Verlegung. Der verwendete Naturstein halte der Belastung nicht stand, erklärte seinerzeit Sprecherin Rautenberg. Ersetzt wurde er durch ein Betonpflaster, wie es jetzt auch am Bahnhof verlegt werden soll. Dieses habe sich am Luisenplatz in fünfeinhalb Jahren bewährt, sagte Rautenberg am Montag.

Bereits im Frühjahr 2007 war die Spur der Haltestelle Schloss am Marktplatz neu gepflastert worden. Der verwendete, aus Indien importierte Naturstein – eine Pflastersorte, für die sich der frühere Baudezernent Wolfgang Gehrke (CDU) stark gemacht hatte – hatte sich auch dort als ungeeignet erwiesen. Um den Ursachen der teuren Malaise auf die Spur zu kommen, habe die Stadt bei der Technischen Universität ein Gutachten in Auftrag gegeben, erklärte seinerzeit die Sprecherin des Magistrats, Sigrid Dreiseitel. Schließlich solle sich das Ärgernis am Hauptbahnhof nicht wiederholen.

Inzwischen weiß man, dass dieser Wunsch nicht in Erfüllung gegangen ist. Das TU-Gutachten war gestern kurzfristig nicht einsehbar. Auf Anfrage erklärte Dreiseitel, es befinde sich „in der Bauverwaltung bei den im Keller gelagerten Unterlagen“. (bad.)

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