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„Priorität hat das Studium“

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Die studentische Hilfskraft Pascal Rustige ist im Dezernat Internationales angestellt.
Die studentische Hilfskraft Pascal Rustige ist im Dezernat Internationales angestellt. © Guido Schiek

Manche Studenten jobben 20 Stunden pro Woche als wissenschaftliche Hilfskraft.

Rund 2900 studentische Hilfskräfte sind an der Technischen Universität Darmstadt beschäftigt. Eine Befragung zeigt, dass sie zum Großteil mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden sind. Anregungen für Verbesserungen liefern sie jedoch auch.

Mit 82 Stunden im Monat fährt Pascal Rustige das volle Programm einer studentischen Hilfskraft, die an der Universität generell als „Hiwi“ (hilfswissenschaftlicher Mitarbeiter) bezeichnet werden. Der Politik- und Soziologiestudent finanziert sich mit dem Hiwi-Job seinen Lebensunterhalt – im Gegensatz zu Andre Munzinger, der 35 Stunden monatlich jobbt, um sein Einkommen aufzubessern.

Beide TU-Studenten sind im Dezernat Internationales, Referat „Internationale Beziehungen und Mobilität“ angestellt, beide fühlen sich in dem Team ausgesprochen wohl. „Und wir sind mit Herzblut dabei“, sagt Munzinger, der vor allem schätzt, dass er sich die Arbeitszeit flexibel einteilen kann. Der Wirtschaftsinformatikstudent, der gerade seine Master-Thesis schreibt, betreut interne Projekte und ist daher zeitlich nicht festgelegt. „Neben dem Tagesgeschäft bin ich aber verfügbar, wenn einmal Bedarf besteht und ich beispielsweise eine Delegation aus dem Ausland betreuen darf.“

Munzinger verdient sich seit etwa zwei Jahren Geld als Hiwi in verschiedenen Positionen dazu, Rustige ist schon länger dabei. Er hat bereits Tutorien betreut und Dozenten im Übungsbetrieb unterstützt. Den jetzigen Job hat er auf dem TU-Portal „Stellenwerk“ gefunden, er kümmert sich um „Outgoer“ – Studenten also, die Auslandssemester an einer Universität in Amerika, Australien oder Neuseeland verbringen wollen.

Rund 20 Stunden pro Woche verbringt er im Büro am Karolinenplatz. Und wann wird studiert? „Dazu bleibt schon noch Zeit“, sagt der Politikstudent. Zumal er kurze Wege zum Institut hat, leicht zwischen Job und Studium pendeln kann. Auch werde immer Rücksicht auf das Studienprogramm genommen, Klausuren gehen immer vor. „Priorität hat das Studium, es wird darauf geachtet, dass wir gut vorankommen.“

Zeit ist frei einteilbar

Die positiven Einschätzungen der beiden Hiwis decken sich weitgehend mit den Ergebnissen der Umfrage, die das Personaldezernat der TU mit dem Allgemeinen Studierendenausschuss (Asta) erarbeitet hat. 940 von 2900 studentischen Hilfskräften nahmen an der Befragung über ihre Arbeitsbedingungen teil. Mehr als vier Fünftel sind mit dem Umfang der Beschäftigung sowie der Vertragslaufzeit zufrieden.

Insgesamt 95 Prozent bewerten die Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeiten als gut; dies sei ein wichtiges Kriterium für die Vereinbarkeit von Studium und Job. Etwa die Hälfte der Studierenden arbeitet zwischen 21 und 40 Stunden, ein Viertel steht monatlich elf bis 20 Stunden unter Vertrag. Die meisten schätzen, dass sie ihre Zeit frei einteilen und gut mit den individuellen Studienanforderungen vereinbaren können. So schätzen rund 60 Prozent, dass der Job ihr Studium nicht in die Länge zieht.

Vielen ist wichtig, im Lehr- und Forschungsumfeld Einblicke in die Praxis zu bekommen. So geht es auch Pascal Rustige: „Mir bringt der Job fachlich viel und ich kann mir vorstellen, später in dem Bereich zu arbeiten.“ Vorstellbar sei natürlich auch eine bessere Vergütung, „schließlich machen viele Hiwis einen echt anspruchsvollen Job“.

Auch das deckt sich mit den Ergebnissen: Zwar ist die Mehrheit der Hilfskräfte mit dem Stundenlohn zufrieden – er beträgt entweder 9,50 oder 11,50 Euro. Kritisiert wird aber, dass es für die Bezahlung keine transparenten Regeln gebe. Als „erfreulich, gut und aufschlussreich“ bezeichnet Personaldezernent Stefan Weisenseel die Umfrage, die wertvolle Hinweise zur Zufriedenheit der studentischen Hilfskräfte liefere. Die Resonanz sei überwiegend positiv.

Kritischer liest der Asta einen Teil der Ergebnisse. Ein Drittel der Verträge werde mit einer Dauer von weniger als drei Monaten geschlossen, was nicht als sichere Beschäftigung gelte. Zudem gebe es Tätigkeiten etwa in Forschung und Entwicklung, denen die Bezeichnung „Hilfskraft“ nicht gerecht wird, sagt Asta-Referent David Kreitschmann. Handlungsbedarf sehen sowohl Weisenseel als auch Kreitschmann darin, mehr Stellen öffentlich auszuschreiben und dadurch mehr Studierenden die Möglichkeit für einen Hiwi-Job zu geben. (an)

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