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300. Geburtstag von Prinz Georg: Auf Zeitreise ins 18. Jahrhundert

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Von: Claudia Kabel

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Ein Höfisches Gartenfest fand schon 2018 in Darmstadt statt. Diesmal wird der 300. Geburtstag von Prinz Georg Wilhelm gefeiert.
180722hoefischesgartenfest04.JPG © Michael Schick

Zum 300. Geburtstag von Prinz Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt wird das 18. Jahrhundert mit einem Gartenfest lebendig. Eine Zeitreise ins Rokoko.

Prinz Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt, den die Darmstädter mitunter liebevoll Prinz Schorsch nennen, war um die 42 Jahre alt, als er 1764 von seinem Vater, dem Landgrafen Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt (1691–1768), Lustgarten samt Palais zum Geschenk erhielt. Er war der jüngere von zwei Brüdern und soll der Lieblingssohn seines Vaters gewesen sein, der ihn als Militärexperten schätzte. Damals befand sich die von hohen Mauern umgebene Gartenanlage noch außerhalb der Stadt inmitten von Gärten, Wiesen und Wald.

Georg Wilhelm lebte mit Ehefrau Luise in einem Palais am Markt in Darmstadt, dort, wo sich heute „Henschel und Ropertz“ befinden. Von dort repräsentierte er die fürstliche Familie und vertrat seinen älteren Bruder Ludwig IX., der sich meist in Pirmasens aufhielt.

Prinz Georg Garten in Darmstadt: Rückzug von höfischer Etikett

In den später nach ihm benannten Prinz-Georg-Garten zog er sich gerne mit seiner Familie und adeligen Freunden von den offiziellen Verpflichtungen und der höfischen Etikette zurück. „Hier war er für sich und konnte ohne Einblicke ungezwungenen Festlichkeiten nachgehen“, sagt Kirsten Worms, Direktorin der Landesbehörde Staatliche Schlösser und Gärten (SG) Hessen. 48 Anlagen betreue die Behörde und umspanne damit fast 2000 Jahre Kulturgeschichte in Hessen, so Worms. Die ältesten Anlagen seien die römischen Kastelle am Limes. Die jüngste Liegenschaft das Zeppelindenkmal in Trebur.

Zum 300. Geburtstag von Georg Wilhelm (1722-1782) an diesem Montag soll nun ein fürstliches Gartenfest mit Darstellerinnen und Darstellern in authentischer Kleidung des Rokoko und mit vielseitigem Begleitprogramm für die ganze Familie stattfinden. „Die Besucher werden ins 18. Jahrhundert entführt“, kündigte Kirsten Worms dieser Tage auf der Pressekonferenz vor Ort an.

Prinz Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt (1722-1782).
Prinz Georg Wilhelm von Hessen-Darmstadt (1722-1782). © Hessische Hausstiftung Schlossmu

Authentische Schausteller:innen leben das Rokoko

30 historische Darstellerinnen und Darsteller – manche auch in Uniform – werden im Teehäuschen ein Kaffeekränzchen abhalten und danach das Tanzbein schwingen. Ein Zeremonienmeister soll auch die Besucherinnen und Besucher zum Mittanzen der höfischen Figuren animieren. „Die Kostüme werden aus authentischem Material nach Originalschnitten handgefertigt“, sagt Roswitha Müller, Mitarbeiterin der Großherzoglich-Hessischen Porzellansammlung und selbst Darstellerin. Es gebe bundesweit etwa 600 Leute, die hobbymäßig „die Rolle wirklich leben“. Sie selbst werde beim Fest ihr neues Seidenkleid tragen in einem strahlenden Blau mit voluminösem Reifrock.

Das Prinz-Georg-Palais, in dem seit 1908 die Großherzoglich-Hessischen Porzellansammlung untergebracht ist, diente in früheren Zeiten bei schlechtem Wetter als Veranstaltungsort für die aristokratische Partygesellschaft. Im ersten Stock befand sich ein Festsaal. „Die Kutschen fuhren durch die Tore im Erdgeschoss vorne hinein, luden die hohen Gäste aus, fuhren zum zweiten Tor hinten hinaus und parkten in der Remise daneben“, berichtet SG-Sprecherin und Historikerin Susanne Király, die beim Fest historische Führungen anbieten wird.

Das Programm

Das Gartenfest beginnt am Sonntag, 17. Juli, um 13.30 Uhr im Prinz-Georg-Garten (Schlossgartenstraße 6b) mit einem Kaffeekränzchen im Teehäuschen. Danach geht es zum Flanieren in den Garten und ein Tanzmeister lädt zu Tänzen des 18. Jahrhunderts ein.

13.30 Uhr: Gartenführung mit Susanne Király zu Geschichte und Gegenwart. Dauer: ca. 1 Stunde, Treffpunkt: Fontäne

15 Uhr: Führung durch die Ausstellung „Tierisch gut!Treue Freunde und wilde Biester aus drei Jahrhunderten“

15 bis17 Uhr: „Wissen wächst im Garten“ – offene Mitmachangebote für Kinder ab 6 Jahren, Treffpunkt vor dem Pretlackschen Gartenhaus

16 Uhr: Gartenführung mit dem leitenden Gärtnermeister Stefan Dietrich. Treffpunkt an der Fontäne

Die Teilnahme ist kostenlos. Es wird empfohlen, ohne Auto zu kommen, da es keine Parkplätze gibt. cka

Darmstadt: Palais wird instand gesetzt

Das Palais im mediterranen Stil soll außer der „Goldenen Krone“ das einzige noch originalgetreu erhaltene Gebäude Darmstadts sein. Zu verdanken sei dies dem im Zweiten Weltkrieg dort lebenden Hausmeister. Er hatte mit den Nachbarn einen Vertrag geschlossen, dass wenn etwas passiere, alle zum Löschen kämen. Und genau so sei es passiert, berichtet Király: Drei Bomben schlugen 1944 ins Dach ein. „In einer Kette standen alle Nachbarn mit Eimern und löschten mit Wasser aus dem Brunnen. “

Die Fassade des Palais soll jetzt bis zum Herbst instandgesetzt werden. Erste Vorarbeiten haben mit der Grundierung der Fensterläden bereits begonnen. „Die Vorgaben für die farbliche Gestaltung liefern der bauliche Bestand und die Gouache des Palais des Darmstädter Hofmalers Ernst August Schnittspahn“, sagt Anja Dötsch, Leiterin des SG-Fachgebiets Bauangelegenheiten und Denkmalpflege.

Blumen, Obst und Gemüse: Alle Pflanzen werden selbst gezogen.
Blumen, Obst und Gemüse: Alle Pflanzen werden selbst gezogen. © Michael Schick

Darmstadt: Porzellanausstellung kostenlos besuchen

Am Tag des Gartenfests besteht deshalb zum letzten Mal die Möglichkeit, die Porzellansonderausstellung „Tierisch gut! Treue Freunde und wilde Biester aus drei Jahrhunderten“ zu besichtigen. Als Geburtstagsgeschenk ist der Eintritt für alle Besucher:innen frei.

Dass der Garten noch genauso erhalten ist, wie er einst konzipiert wurde – nämlich nach dem Vorbild von Versaille –, ist Prinzessin „Schorsch“, der Ehefrau von Georg Wilhelm zu verdanken. Sie habe testamentarisch festgelegt, dass er nicht verändert werden dürfe, sagt Alexa Christ, Leiterin des Porzellanmuseums. Im Gegensatz zum angrenzenden Herrngarten – einem englischen Garten, der die Natur nachbildet – stehe der Prinz-Georg-Garten in der Tradition der französischen Gartenanlagen des Absolutismus, so Christ. Der Gedanke sei gewesen, durch die strikte Anlage der Bauelemente und Beete die Natur zu unterwerfen.

Mit dem Tod von Georg Wilhelms Tochter Luise, Großherzogin von Hessen und bei Rhein (1761-1829), endete jedoch die enge Verbundenheit der Darmstädter Fürstenfamilie mit dem Garten. Er verlor in den Folgejahren durch Verpachtung als Gartenland seine ursprüngliche Form. 1947 ging er in die Obhut der Hessischen Schlösserverwaltung über, die ihn wieder rekonstruiert und in das Kleinod zurückverwandelt hat, das es einst war. Die historische Bepflanzung mit der Kombination aus Zier- und Nutzpflanzen ist nicht nur schön anzusehen: Obst, Gemüse und Pflanzen werden im Sommer auch zu bestimmten Zeiten von der Gärtnerei verkauft.

Prinz Georg Garten: Alte Gemüsesorten und Blumen

Jährlich würden dafür 70 000 Blumen und Gemüsepflanzen eingesetzt, sagt Gärtnermeister Stefan Dietrich, der mit seinem zehnköpfigen Team die Anlage pflegt. Alle Pflanzen seien selbst gezogen. Auch alte Gemüsesorten, zum Beispiel Bamberger Hörnchen, Blauer Schwede oder auch alte Rote-Bete-Sorten – wachsen in Reih und Glied.

Am Fest sollen Programmpunkt für junge Gäste spielerisch nicht nur die Bedeutung von denkmalgeschützten Orten der Gartenkunst aufzeigen, sondern auch Zukunftsthemen wie Klimawandel, Biodiversität und Nachhaltigkeit in den Blick rücken.

Transparenzhinweis: Der Text wurde am 15. Juli 2022 inhaltlich überarbeitet.

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