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Die Polizei wirbt für den Fahrradpass

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600 Fahrräder verschwinden in Damrstadt Jahr für Jahr. Doch nur wenige Diebstähle werden aufgeklärt. Die schlechte Aufklärungsquote hängt auch mit fehlenden Daten zusammen.

Guter Rat sei nicht teuer, heißt es in der Broschüre der Polizei zum Fahrradpass. Der Verlust eines Fahrrads unter Umständen schon. Um die 600 Fahrräder verschwinden Jahr für Jahr in Darmstadt. 591 waren es 2013, 630 im Jahr davor. Bis auf den Hauptbahnhof gibt es keinen Brennpunkt, die Diebstähle ziehen sich durch die gesamte Stadt. Die Aufklärungsquote ist dagegen vernachlässigbar. 2012 waren es 8,9 Prozent. Im vergangenen Jahr kletterte sie erstmals in den zweistelligen Bereich: 10,2 Prozent.

Das könnte auch an Khatib Laaouaje. liegen. Der Oberkommissar leitet eine kleine Gruppe innerhalb der zentralen Ermittlungsgruppe Darmstadt-City, die sich ausschließlich mit Fahrraddiebstählen befasst. Mitte vergangenen Jahres wurde sie installiert – wegen der „gleichbleibend hohen Diebstahlszahlen bei gleichzeitig niedriger Aufklärungsquote“, wie Khatib Laaouaje sagt. Letztere nennt er „wirklich erschütternd“.

Der Hauptgrund, wie er immer wieder feststellen muss: „Es geht eine Vielzahl von Anzeigen bei uns ein, mit Daten, mit denen wir nichts anfangen können.“ Viele Diebstahlsopfer könnten immerhin Marke, Modell und Farbe ihres Fahrrads nennen. Aber: „Mehr wissen die meisten nicht.“ Hessenweit hätten im vergangenen Jahr von 13 500 Fahrraddiebstählen nur 8800 Anzeigen sinnvoll verfolgt werden können. Das sind rund Zweidrittel.

Die Polizei benötigt fahndungsrelevante Daten, sagt Khatib Laaouaje: Rahmennummern, Codierungsnummern. Er wirbt für den Fahrradpass der Polizei. Er listet Namen und Adresse des Fahrradbesitzers auf, fragt die Rahmennummer ab, gibt Tipps, wo sie zu finden ist, und hat auch ein Feld für die Codiernummer, falls vorhanden.

Auch Codierung ist möglich

Dazu kommen jede Menge Details: Art, Marke, Modell des Rads, Farbe, Schutzbleche, Material, Reifengröße, Art der Gangschaltung, Gabel oder Beschädigungen. Der Fahrradpass soll, so wird empfohlen, nach dem Kauf sofort ausgefüllt und zu den Unterlagen genommen werden. Auch Codierung ist möglich

Die zweite Möglichkeit ist die Codierung des Fahrrads. Polizei und Fahrradclubs bieten diese Aktion an, bei der ein Fahrrad registriert wird und eine unverwechselbaren Signatur aus Kommunekürzel, Adresse des Eigentümers und seinen Initialen erhält. Diese Signatur wird in den Rahmen gefräst. Und zwar in den Rahmen auch jedes anderen Fahrrads, das jemand besitzt. Wer also zwei Räder hat, kriegt dennoch nur einen Code.

Carbonräder können so nicht codiert werden, das Material ist dafür ungeeignet. Möglich ist daher auch die Registrierung bei der Polizei. Die Ermittlungsgruppe Darmstadt-City führt eine Datenbank mit den relevanten Raddaten. Ob Fahrradpass, Codierung oder Registrierung – „wir wären schon zufrieden, wenn die Radfahrer wenigstens irgendwas machen würden“, sagt Khatib Laaouaje.

Wenn dann nicht nur alle Räder auf irgendeine Art registriert sind, sondern auch noch richtig angeschlossen werden, ist der Fahrradkommissar glücklich. „Wenn die Leute wollen, dass wir ihr Rad wiederfinden, brauchen wir Daten“, stellt er fest. „Wir wollen, dass die Leute vorbereitet sind.“ (rwb)

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