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Ohne Brücke müssten die Justiz-Mitarbeiter am Mathildenplatz jedes Mal die Sicherheitsschleusen passieren.

Glasbrücken am Mathildenplatz

Platz der drei Brücken

Drei Glasstege verbinden seit 2010 die Justizgebäude am Mathildenplatz. Einfach durchzusetzten war dies nicht: Die Stadt Darmstadt mokierte, dass die Brücken das Stadtbild verschandeln. Und nur eine der Brücken ist für Normalbürger zugänglich.

Drei Glasstege verbinden seit 2010 die Justizgebäude am Mathildenplatz. Einfach durchzusetzten war dies nicht: Die Stadt Darmstadt mokierte, dass die Brücken das Stadtbild verschandeln. Und nur eine der Brücken ist für Normalbürger zugänglich.

Das Stadtbild am Darmstädter Mathildenplatz wird auch durch drei Brücken geprägt, die den Justizbediensteten luftige Wege zwischen den Gerichtsgebäuden eröffnen. Nur eine von ihnen ist für Normalbürger zugänglich – was nicht einfach durchzusetzen war.

Markus Herrlein hat seine eigenen Erinnerungen an die Glasbrücken am Mathildenplatz. Als der gemeinsame Neubau von Oberlandesgericht (OLG) und Polizei zwischen Bismarck- und Gustav-Lorenz-Straße geplant wurde, leitete der heutige Präsident des Amtsgerichts Darmstadt noch das Baureferat des hessischen Justizministeriums.

„Damals entstand die Idee, dass es klug wäre, alle Gerichtsgebäude mit Brücken zu verbinden“, berichtet Herrlein. Eine gab es schon: die 1904 errichtete Verbindung zwischen den Altbauten von Amts- und Landgericht, im Volksmund Seufzerbrücke genannt.

Der Neubau sollte mit zwei weiteren Brücken angebunden werden. „Die Stadt Darmstadt hat das zunächst strikt abgelehnt. Dadurch werde das Stadtbild verschandelt, hieß es“, blickt Herrlein zurück. Aber: „Letztlich gab es doch eine Einigung.“

Ein Nutzen sollte die Schaffung von Synergien sein, ruft Landgerichts-Sprecherin Christa Pfannenschmidt in Erinnerung. Und so gibt es heute eine gemeinsame Poststelle im Justizzentrum und eine gemeinsame Bibliothek im Landgerichts-Altbau. Bücher und Post sollen aber nicht bei Wind und Wetter über die Straße transportiert werden. Ebensowenig die Akten der Richter und Staatsanwälte, die von ihren Büros in die Verhandlungssäle laufen. Schließlich sollten auch die Mitarbeiter nicht bei jedem Ortswechsel die Sicherheitsschleusen der Gerichtsgebäude passieren müssen.

Für Normalbürger dürfte eher selten die Notwendigkeit bestehen, von einem Justizbau in einen anderen zu gelangen. Attraktiver könnte da schon der Gedanke sein, die Aussicht von oben zu genießen. Die Glasbrücken stehen allerdings nur Justizbediensteten offen. Auf Anfrage eines interessierten Bürgers wurden zur Begründung „Sicherheitsüberlegungen“ genannt. Nähere Erläuterungen gibt es vom Landgerichts-Präsidium auch auf Nachfrage nicht.

Wie im Gewächshaus

Immerhin: Die Seufzerbrücke ist für interessierte Bürger zugänglich. Sie ermöglicht den Blick zur Luisen- und zur Frankfurter Straße. Auch der Straßenbahnverkehr kann von oben studiert werden.
Erfreulich: Die 110 Jahre alte Brücke ist zu jeder Jahreszeit wohltemperiert, wie auch der ganze Amtsgerichts-Altbau mit seinen dicken Mauern. „Auf den Glasbrücken ist es im Sommer wie im Gewächshaus“, hat Gerichtspräsident Herrlein erlebt. Bei Frost hingegen hätten sich durch eindringende Feuchtigkeit schon Glatteisflächen gebildet.

Gesperrt für die Öffentlichkeit, aber ungebetene Besucher gibt es dennoch auf dem 2010 eröffneten Glassteg am Willy-Brandt-Platz: Tauben. Sie haben den Ansatz der Stahlkonstruktion an der Altbau-Fassade als Zugang entdeckt und tun nun das, was sie immer und überall tun: Verdauungsprodukte absondern, die dort besonders unpassend wirken.

Immerhin tragen sie dazu bei, dass die flusslose Brückenstadt Darmstadt rund um den Mathildenplatz am venezianischsten wirkt. bad

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