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Beim Schlossgrabenfest in Darmstadt waren Polizisten angegriffen worden.

Übergriffe in Darmstadt

100 Festgenommene nach Schlossgrabenfest wieder frei

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Nach den Angriffen auf Polizisten beim Schlossgrabenfest in Darmstadt sind die Festgenommenen wieder auf freiem Fuß. Unter den Randalierern ist auch ein Polizeianwärter.

Nach den gewaltsamen Angriffen auf Polizisten in der Nacht zum Sonntag sind keine Haftbefehle beantragt worden. Es hätten gegen die Festgenommenen keine Haftgründe vorgelegen, sagte Oberstaatsanwalt Robert Hartmann, der Sprecher der Darmstädter Staatsanwaltschaft. Der südhessische Polizeipräsident Bernhard Lammel gab im Gespräch mit der FR die Zahl der Festgenommenen mit 112 Menschen an.

Sie seien zwischen 16 und 40 Jahre alt und kämen überwiegend aus der Region Darmstadt und Groß-Gerau. Bei den Festgenommenen habe es sich um Deutsche, Deutsche mit einer Migrationsbiografie sowie um Ausländer gehandelt. 

Mittlerweile seien „alle wieder auf freiem Fuß“, sagte Lammel am Montag. Nach Angaben des Polizeipräsidenten wird gegen die mutmaßlichen Randalierer auch wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs, gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte ermittelt. Rund 50 Ermittlungsverfahren seien eingeleitet worden. 

Einem 22-jährigen Polizeianwärter werde zudem versuchte Gefangenenbefreiung vorgeworfen. Nach den Worten Lammels soll der junge Mann, der an der Hessischen Polizeiakademie studiert und kurz vor der Fertigstellung seiner Abschlussarbeit steht, versucht haben, unter Verwendung seines Dienstausweises seine Kollegen aufgefordert haben, vier oder fünf seiner festgenommenen Kumpels wieder laufen zu lassen. Das sei aber nicht gelungen, sagte Lammel. 

Er äußerte, das Sicherheitskonzept für das Schlossgrabenfest, das für das Festgelände gilt, aber nicht für den angrenzenden Herrngarten, habe sich bewährt. Perspektivisch kann sich der Polizeipräsident auch für den hinter dem Landesmuseum gelegenen Park Zugangskontrollen, ein Glasverbot, eine noch bessere Beleuchtung sowie eine Überwachung mit Videokameras vorstellen. Mit der Stadt und dem Veranstalter des Schlossgrabenfestes werde es demnächst ein Treffen geben, kündigte Lammel an. Er plädiere für „Schritte mit Augenmaß“. Auch der starke Alkoholkonsum bereite ihm Sorgen. Einem generellen Verbot stehe er jedoch skeptisch gegenüber.

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand geht die Polizei davon aus, dass sich etwa 200 bis 300 Menschen spontan zusammengerottet haben, um Polizeibeamte zu attackieren. Es habe wohl einen „Solidarisierungseffekt“ gegeben. „Wir gehen davon aus, dass dem keine Strategie oder Planung zugrunde lag“. Auch eine politische Motivation sei „nicht erkennbar“, sagte Lammel. Vom Ausmaß der Brutalität seien die Kolleginnen und Kollegen überrascht worden. 

Um Täter identifizieren und mögliche Taten nachweisen zu können, bittet die Polizei um Zeugenhinweise sowie um Bild- und Videomaterial. Die Ermittler bitten Personen, die Videos oder Fotos von den Vorfällen gemacht haben, diese der Polizei für die weiteren Ermittlungen unter polizei-hinweise.de/herrngarten zur Verfügung zu stellen. Via E-Mail können Zeugenhinweise unter der Adresse Herrngarten@polizei-hinweise.de an die Polizei gesendet werden.

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