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Platzmangel im Parkhaus

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Auch die Einfahrten seien  oft zu schmal, bemängeln die Prüfer.
Auch die Einfahrten seien oft zu schmal, bemängeln die Prüfer. © Roman Grösser

Darmstadts Parkhäuser auf dem Prüfstand: Eigentlich sind die getesteten Stellplätze passabel - allerdings sind sie für heutige Fahrzeuge viel zu eng, so eine Studie des Automobilclubs Europa. Ausgerechnet das älteste getestete Parkhaus punktet mit einem bequemen Bonus.

Der Automobilclub Europa (ACE) untersucht derzeit die deutschen Parkhäuser. Auch in Darmstadt standen drei auf der Liste: die Schlossgaragen unterm Friedensplatz (615 Plätze), das einstige Quelle-Parkhaus, heute Zentrum genannt, in der Hügelstraße (530 Plätze) und das Parkhaus Grafenstraße mit 463 Stellplätzen.

Bewertet wurden Bauausführung und Zustand, Beleuchtung und Erscheinungsbild, Sicherheit sowie Kundenfreundlichkeit. Ein Maßstab ist auch die Garagenverordnung. Diese regelt unter anderem die Mindestbreite der Stellplätze, die Mindestradien von Zu- oder Abfahrten, die maximale Steigung und diverse Brandschutzeigenschaften.

Das Zentrum-Parkhaus und das Parkhaus Grafenstraße kommen auf 116 der möglichen 150 Punkte, die Schlossgaragen auf 97 Punkte. Das Prädikat gut wird für alle Ergebnisse zwischen 91 und 120 Punkten vergeben.

Decken werden niedriger

Die Schlossgaragen schnitten schwächer ab, weil es dort unter anderem keine nummerierten Stellplätze, keinen Aufzug, keinerlei Kameraüberwachung und keine Behinderten-Parkplätze gibt. Das Zentrum-Parkhaus, in den vergangenen Jahren umfassend saniert, kommt vor allem bei gestalterischen Bewertungen gut weg (Markierung der Fußwege, Kennzeichnung der Ausgänge und Fluchtwege), die Grafenstraße vor allem beim Kundendienst (Alleinstellungsmerkmal: eine Pförtnerloge) und bei der Zahl von Frauen-, Familien- und Behindertenparkplätzen.

Die Treppenhäuser schnitten in der Regel nur mit gut oder befriedigend ab, in der Grafenstraße wurden auch Defizite bei der Sauberkeit der Parkdecks festgestellt.

Sowohl die Grafenstraße als auch das Zentrum bieten nach Ansicht der ACE-Tester zu schmale Einfahrten. Ausgerechnet im tiefstgelegenen Teil des ältesten der getesteten Häuser (Grafenstraße) entdeckten die ACE-Tester etwas, was sie für vorbildlich halten, aber eben seltenst Anwendung findet: Schrägparkplätze. Völker: „Viel bequemer und eleganter anzufahren, beim Rangieren weniger unfallträchtig.“

Auf dem Weg ins Untergeschoss hat man es in der Grafenstraße allerdings mit gefährlich engen Kurven zu tun, und vor allem mit einer stets geringer werdenden Höhe. Das sei schon ein starkes Stück, sagt ACE-Tester Uwe Völker. Am Parkhauseingang sei von zwei Meter Durchfahrthöhe die Rede, im untersten Geschoss „mit dem Charme eines Bunkers“ werde diese plötzlich, signalisiert mit einem kleinen Schild, auf 1,80 Meter Höhe reduziert. Wer hier nicht aufpasse, erlebe eine böse Überraschung.

Eines der größten Probleme beim Parken sowie Ein-und Aussteigen ist allerdings die Stellplatzbreite von 2,40 Meter, eine Vorgabe der Garagenverordnung. Völker: „ACE-Forderung ist hier, diese mindestens auf 2,50 Meter hochzuschrauben.“

Auch das allerdings würde das Wirbelsäulenverdrehen beim Aussteigen nur marginal verbessern. „Denn die Fahrzeuge werden breiter und breiter“, sagt Völker. Der Golf VI ist immerhin 17,6 Zentimeter breiter als der Ur-Golf von 1974: 178,6 Zentimeter. Der Audi 80 war 1972 160 Zentimeter breit, der Audi A4 von 2007 kommt bereits auf 182,6 Zentimeter.

Geländelimousinen, die sogenannten SUVs, sind sogar bis zu 198 Zentimeter breit (Audi Q7). Eine wirkliche Parkhaustauglichkeit sei da quasi nicht mehr gegeben. Völker: „Die Leute können dann noch parken, aber nicht mehr aussteigen.“

Das Plädoyer des ACE, öfter mal aus drei besser zwei Stellplätze zu machen, bleibe ein frommer Wunsch. Erstens wegen der Garagenverordnung, zweitens wegen des Profits. (phg.)

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