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Platz für zwei Familien

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Udo Drees – hier mit seinen Töchtern  – hat der Stadt das  Haus abgekauft.
Udo Drees – hier mit seinen Töchtern – hat der Stadt das Haus abgekauft. © Claus Völker

Seit Jahrzehnten verfällt das Arheilger Kniestockhaus mehr und mehr. Jetzt will ein neuer Eigentümer das Fachwerkhaus aus dem 18. Jahrhundert sanieren und Wohnraum schaffen - sehr zur Freude der Stadt.

Die Fenster sind mit Brettern vernagelt, durch das Gerippe des hölzernen Giebels dringt Regen, im Erdgeschoss liegt Schutt, nur die Reste einer altmodischen Küchentapete erinnern an frühere Bewohner. Seit Jahrzehnten verkommt das Arheilger Kniestockhaus Nach dem Wieschen 1 mehr und mehr.

Der Verfall hat jetzt aber ein Ende: Für das Fachwerkhaus aus dem frühen 18. Jahrhundert hat die Stadt einen neuen Eigentümer gefunden, der sich vorgenommen hat, das Kulturdenkmal zu sanieren. In Verbindung mit einem neuen Anbau an der Rückseite soll in dem Gebäude Wohnraum für zwei Familien geschaffen werden.

Die Stadt sei sehr froh, dass das Fachwerkhaus einen Besitzer gefunden habe, sagt Baudezernent Dieter Wenzel (SPD). Als Besonderheit in der Konstruktion des Gebäudes hebt er den Drempel, auch Kniestock genannt, in der seitlichen Außenwand hervor. Dieser verbessert die Kopfhöhe unter dem steilen Dach.

Über die erteilte Baugenehmigung freut sich der neue Eigentümer Udo Drees. Er habe beruflich nicht mit der Sanierung alter Fachwerkhäuser zu tun, habe sich aber umfangreich „fachkundig gemacht“, viele Bücher gelesen, Messen besucht und die Bauarbeiten an Spezialisten übertragen, sagt er.

Nur Holzgerippe bleibt übrig

Bei der denkmalpflegerischen Sanierung bietet die Denkmalschutzbehörde dem Bauherrn ihre fachliche Hilfestellung an. Die Stadt gewährt einen Sanierungszuschuss in Höhe von 95 000 Euro aus den Fördermitteln der Ortskernsanierung Arheilgen. Das Fachwerkhaus sei eines der letzten Projekte im Sanierungsgebiet, erklärt Wenzel.

Mit ersten Arbeiten wie dem Entkernen und Freilegen der Gefache hat Udo Drees bereits begonnen. Mutwillige Zerstörungen in der Zeit des Leerstands, aber auch Bausünden wie das Verputzen des Fachwerks, das zum Gammeln des Holzes führte, hätten zum maroden Zustand des Hauses beigetragen.

Türen seien ohne Rücksicht auf die Fachwerkkonstruktion ins Holz gesägt und Fenster in die Fassade gebrochen worden, sagt Drees. Im Inneren hätten frühere Bewohner Umbauten mit „Baumaterialien, die gerade mal da waren“ vorgenommen. Intakt sei lediglich die Haustür. Bei der Sanierung werde nur das Holzgerippe übrig bleiben und das gesamte, kellerlose Gebäude um einen halben Meter auf sein früheres Niveau angehoben.

Um die Ziele des Denkmalschutzes und Anforderungen modernen Wohnens in Einklang zu bringen, gelte es, Kompromisse zu schließen und viele Planungshürden zu nehmen. Beispielsweise habe vor 300 Jahren niemand Stellplätze angefordert oder an Trittschallschutz gedacht.

Obwohl das Haus zurzeit einer Ruine ähnelt, schwärmt Drees von den Möglichkeiten des Gebäudes. Er will „viel Licht“ hineinbringen und ist begeistert von dem „tollen Giebel“. Bis November 2011 sollen die Bauarbeiten abgeschlossen sein. (eda)

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