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Darmstadt

Wo die Planeten wohnen

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Die Sternwarte auf der Darmstädter Ludwigshöhe lädt zum 33-jährigen Bestehen zu einem Tag der offenen Tür ein.

Ein Knopfdruck, mit leisem Schnurren fährt ein Teil des Daches zurück und gibt den Blick auf den Himmel frei. Mehrere Teleskope sind auf der Beobachtungsterrasse montiert, mit deren Hilfe die Mitglieder und Besucher der Volkssternwarte Himmelskörper beobachten können. Das größte von ihnen, das Newton-Teleskop, kann 2500-mal mehr Licht als das menschliche Auge empfangen.

Seit 1969 gibt es den Verein Volkssternwarte, vor 33 Jahren wurde das Observatorium auf der Ludwigshöhe in Betrieb genommen. „Alles im Inneren wurde in Eigenleistung von unseren Mitgliedern eingerichtet“, sagt Bernhard Schlesier, Erster Vorsitzender des Vereins. Auch die schweren Teleskope mussten mit Muskelkraft die Treppen hinauf auf die Beobachtungsplattform getragen werden. So auch die jüngste Neuanschaffung des Vereins, ein Dreifach-Teleskop.

„Das hat ein Bauschlosser selbst entworfen und zusammengebaut, das gibt es so sonst nicht“, sagt Schlesier. Vor knapp zwei Wochen hat der Verein das Teleskop erworben. Auf dreierlei Arten lässt sich damit die Sonne beobachten: über Weißblick, vergleichbar einer Sonnenfinsternis-Brille, über die Wasserstoff- und Kalziumwellenlänge. „Jede Wellenlänge der Elemente erlaubt eine andere Beobachtung“, sagt Alexander Golitschek vom Verein. So sind mit der Kalzium-Wellenlänge Oberflächendetails der Sonne zu sehen, während mittels Wasserstoff gut die Gasausbrüche zu erkennen sind.

Damit die Beobachtung nicht durch Erschütterungen beeinträchtigt werden, sind die Teleskope auf eigenen Fundamenten montiert. „Das ist wichtig, denn wenn wir hier freitags zur kostenlosen Sternenbeobachtung einladen, kommen oft über 100 Besucher zu uns“, sagt Bernd Scharbert, Pressesprecher des Vereins. Selbst aus dem Raum Koblenz fänden Besucher ihren Weg in die Sternwarte. „Bei unseren Fachvorträgen mit namhaften Referenten haben wir auch immer über 60 Besucher“, sagt er.

140 Mitglieder zählt der Verein, darunter auch viele Jüngere. „Wir haben es geschafft, dass auch Jüngere wieder Mitglied bei uns werden“, sagt Golitschek, der für die Kinderarbeit der Sternwarte zuständig ist. Gelungen sei dies durch eine konsequente Öffnung der Sternwarte: Es gibt Angebote für Kindergärten, Schulen, Geburtstage können in der Sternwarte gefeiert werden oder Vereine und Firmen besondere Veranstaltungen buchen. „Allerdings bräuchten wir weitere Mitglieder, gerade als Helfer“, sagt Schlesier. Dass das Konzept des Vereins aufgeht, zeigt ein Blick ins Gästebuch. „Die Planeten sind hier zu Hause“ oder „Danke für die tolle Planetenführung“ ist da von Kindern und Erwachsenen zu lesen.

Wissenschaftler aber müsse man nicht sein, um der Faszination der Himmelsbeobachtung zu erliegen, sagt Schlesier. Der 53-Jährige spielt beruflich Posaune im Staatstheater. „Wir haben hier einen Querschnitt der Gesellschaft im Verein“, sagt er. Auch würde die Anzahl der Frauen steigen, Astronomie sei längst keine Männerdomäne mehr.

Ausdauer müsse man allerdings mitbringen, denn in klaren Nächten würden die Sternengucker rasch die Zeit vergessen. Die nächste Möglichkeit, den Verein und die Sternwarte kennenzulernen, gibt es am Samstag beim Tag der offenen Tür. Der Verein hat dafür sogar ein besonderes Ausstellungsstück zu bieten: Einen Eisenmeteoriten aus Argentinien. „Der schaut leicht aus, wiegt aber rund 65 Kilo“, sagt Schlesier und lacht. Der Meteorit gehört einem Sammler, den Schlesier bei einer Meteoritenmesse traf und der ihn dem Verein ausleiht. „Wir haben auch die Erlaubnis, dass er von den Besuchern berührt werden darf – eine Berührung mit einer 4,5 Milliarden alten Geschichte“, sagt er.

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