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Pionier der Ökolandwirte

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Der Bauer Peter Förster begann schon Ende der 60er Jahre mit der ökologischen Bewirtschaftung seines Darmstädter Hofs.
Der Bauer Peter Förster begann schon Ende der 60er Jahre mit der ökologischen Bewirtschaftung seines Darmstädter Hofs. © Claus Völker

Die Verwüstungen durch den Kaffeeanbau in Tansania haben den Darmstädter Bauern Peter Förster vor Jahrzehnten bekehrt: Er führt seinen Hof seit den 60er Jahren biologisch-dynamisch.

Im Norden Tansanias ragen die gewaltigen Vulkane Kilimandscharo und Mount Meru in den Himmel über Afrika. Tierreservate und Nationalparks locken Reisende aus aller Welt an. Die Überlandstraßen sind gesäumt von Bananen- und Kaffeeplantagen.

Viele Jahrzehnte ist es her, dass Peter Förster als Bepflanzungsassistent in der ostafrikanischen Region gearbeitet hat. Er war junger Absolvent der Höheren Landbauschule. 500 Hektar Kaffee waren zu bewirtschaften und von Schädlingen freizuhalten. Dabei gingen die Plantagenbesitzer äußerst robust zu Werke.

"Die Arbeiter wurden mit Giftspritze und Tank auf dem Rücken in die Felder geschickt", erinnert sich Förster, "und man war immer erleichtert, wenn sie hinten lebend herauskamen. Ich habe mir gesagt: So wie dort Landwirtschaft betrieben wurde, möchte ich es nicht mehr machen."

Nach sechseinhalb Jahren kehrte Förster nach Deutschland zurück, wurde per Kleinanzeige auf ein Gut im Westen von Darmstadt nahe Griesheim aufmerksam. Bereits seit Kriegsende wurde es biologisch-dynamisch betrieben. Förster griff zu und bewirtschaftet den Eichwaldhof seitdem nach den Richtlinien des Demeter-Verbands.

Vergangene Woche ist Peter Förster 75 Jahre alt geworden. Als einen der "biodynamischen Pioniere" lobte ihn zu diesem Anlass sein Verband: Es gibt nicht viele Bauern, die bereits in den späten 60er Jahren diesen Weg einschlugen.

Beweisen, dass es möglich ist

"Ich wollte beweisen, dass auf diesem sehr schlechten Standort - hier ist der Boden ja reiner Sand - ökologischer Landbau möglich ist", erklärt Förster. Doch nichts liegt ihm ferner, als sich als eifernder Prophet des Bio-Anbaus zu gebärden. "Ich habe immer versucht, Brücken zu bauen", sagt er. "Vor konventionell wirtschaftenden Kollegen, die mit ihrem Hof über die Runden kommen, habe ich großen Respekt."

Die Nachfrage nach Produkten aus ökologischer Landwirtschaft ist heute stabil, allein in Darmstadt gibt es eine ganze Reihe von Naturkost-Läden und Bio-Supermärkten; hinzu kommen Hofläden zur Direktvermarktung. Die Anfangszeit war schwieriger. Förster erinnert sich, wie ihn Vertreter von Chemiefirmen bei Bauernversammlungen lächerlich machen wollten. In den 80er Jahren habe es dann einen Durchbruch für Öko-Produkte auf breiter Front gegeben.

Förster hält viel von persönlichen Kontakten, hat hessische Landesregierungen jeder Couleur beraten und ist im Darmstädter Lions-Club Umweltbeauftragter. Bis heute fährt er täglich mit dem Transporter frisches Gemüse zu Bio-Läden in der Region.

"Beide Söhne arbeiten heute ebenfalls ökologisch, ohne von meiner Frau und mir gedrängt worden zu sein", erzählt Förster. "Da sind wir schon stolz drauf." Michael Förster hat gemeinsam mit seiner Frau Beate den Eichwaldhof übernommen.

Preis des Bundespräsidenten

Peter Förster hat in seinem Leben zahlreiche Ehrungen bekommen - darunter den Preis des Bundespräsidenten für beispielhafte Leistungen in der Landwirtschaft und den Hessischen Staatsehrenpreis. "Ist mir manchmal beinahe peinlich", sagt er, "es gab schließlich andere, die mehr gemacht haben als ich."

Was Förster sich wünschen würde, wäre mehr Aufmerksamkeit von der Stadt, zu deren Gemarkung der Eichwaldhof gehört. Der Gipfel der Missachtung war für den Landwirt, als das Hofgut Oberfeld bei dessen Neueröffnung als "erster ökologisch wirtschaftender Hof in Darmstadt" gepriesen wurde.

Da musste Förster dem damaligen Umweltdezernenten Klaus Feuchtinger (Grüne) erst einmal Nachhilfe in Darmstädter Landwirtschaftskunde erteilen. (bad)

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