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Pilotprojekt in Darmstadt: Pflanzenkohle aus Grünschnitt

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Von: Jens Joachim

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Kein Grubengold: Der stellvertretende Anlagenleiter Minsu Baek hält Pflanzenkohle aus dem Probebetrieb in der Hand.
Kein Grubengold: Der stellvertretende Anlagenleiter Minsu Baek hält Pflanzenkohle aus dem Probebetrieb in der Hand. © Rolf Oeser

Eine neue Karbonisierungsanlage auf dem Gelände der Kompostierungsanlage in Kranichstein hat den Probebetrieb aufgenommen. Die Stiftung des US-amerikanischen Unternehmers Michael R. Bloomberg unterstützt das Projekt mit 400.000 Dollar.

Auf dem Gelände der Kompostierungsanlage unweit des Kranichsteiner Bahnhofs baut der Eigenbetrieb für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD) mit finanzieller Unterstützung einer amerikanischen Stiftung seit einigen Monaten an einem Pionierprojekt: Es handelt sich um eine sogenannte Karbonisierungsanlage. Laut einer Mitteilung der Stadt ist es „die erste dieser Art in Deutschland“.

Mit 400 000 Dollar unterstützt die Stiftung Bloomberg Philantropies des US-amerikanischen Unternehmers Michael R. Bloomberg den Bau der Anlage, weil das Projekt nicht aus anderen Fördertöpfen unterstützt wurde, wie der stellvertretende EAD-Betriebsleiter Wolfgang Krause am Freitag bei der Vorstellung der Anlage sagte.

Pilotprojekt in Darmstadt auf der Kompostierungsanlage in Kranichstein

In den vergangenen Tagen wurde mit dem Probebetrieb zur Herstellung von original Darmstädter Pflanzenkohle begonnen. Die innovative Ansatz, den die US-Stiftung als förderungswürdig einstufte, ist, dass in Darmstadt anfallender Grünschnitt, der zur Kompostieranlage gebracht wird, an Ort und Stelle in Kohle umgewandelt wird. Das Endprodukt kann dann etwa im Gartenbau, als Futtermittel oder künftig vielleicht auch als Ersatz für Sand im Straßenbau genutzt werden.

Durch das Verfahren kann nach Auskunft Krauses eine große Menge des klimaschädlichen Gases Kohlendioxid auf natürliche Weise gebunden werden.

Die Karbonisierungsanlage befindet sich auf dem Gelände der EAD-Kompostierungsanlage in Darmstadt-Kranichstein.
Die Karbonisierungsanlage befindet sich auf dem Gelände der EAD-Kompostierungsanlage in Darmstadt-Kranichstein. © Rolf Oeser

Aus Grundschnitt wird in Darmstadt beim EAD Pflanzenkohle

Mit der Karbonisierungsanlage sollen im Zuge einer regionalen Kreislaufwirtschaft jährlich 4000 Tonnen holziger Grünschnitt und aufgearbeiteter Bioabfall zu 1000 Tonnen Pflanzenkohle umgewandelt werden.

Nach Darstellung Krauses wird der Grünschnitt zunächst in 10 bis 40 Millimeter große Stücke geschnitten, gereinigt und dann bei einer maximalen Feuchte von 20 bis 25 Grad mit einer Schnecke in einen Trocknungsbehälter transportiert. Schließlich landet die ganze Masse in einem großen Pyrolysebehälter, der konstant befüllt wird. Die Biomasse wird dann im Zuge einer thermo-chemischen Pyrolyse bei einer Temperatur von 750 bis 800 Grad mit Druck verkohlt.

In zwei bis drei Tagen entsteht aus angeliefertem Grünschnitt die Pflanzenkohle.
In zwei bis drei Tagen entsteht aus angeliefertem Grünschnitt die Pflanzenkohle. © Rolf Oeser

Darmstadt: Pflanzenkohle-Projekt wird von Universität Stuttgart wissenschaftlich begleitet

Die aus dem Prozess hervorgehende Pflanzenkohle, die zum Schluss in riesigen Tüten abgepackt wird, speichert Wasser und Nährstoffe, bindet Schadstoffe und hält rund die Hälfte des Kohlenstoffs des Ausgangsmaterials langfristig eingeschlossen. Durch das Einbringen der Pflanzenkohle soll die Widerstandsfähigkeit von Stadtbäumen und anderen Grünflächen gesteigert sowie der Wasserabfluss bei Starkregen verzögert werden. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von der Universität Stuttgart.

Voraussichtlich bis Ende des Jahres soll die Anlage fertiggestellt werden und dann in Betrieb gehen.

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