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Pflegelotse mit Tücken

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Das Heim sei baulich überaltert und genüge nicht mehr heutigen Standards, betont die Senio-Führung seit Jahren. Es soll schon lange geschlossen werden. Darauf drängen auch Aufsichtsbehörden. Das alte Heim jedoch hat nun beim Pflege-TÜV die Note 1,2 erhalten. Wird da also demnächst eine Top-Einrichtung abgerissen?

Die Oma muss bald ins Pflegeheim – doch in welches? Bisher waren Familien bei dieser Frage weitgehend auf sich allein gestellt. Als Hilfestellung soll nun ein Pflege-TÜV dienen, den es seit kurzem bundesweit gibt. Pflegeheime und ambulante Dienste werden dort nach einem Kriterienkatalog von Experten des Medizinischen Diensts untersucht und bewertet. Die ersten Ergebnisse nach Art von Schulnoten stehen im Internet und können bei der Heimauswahl zurate gezogen werden.

Allerdings stehen Ungereimtheiten bei der Bewertung in der Kritik, einige Bundesländer sperren sich sogar gegen den Online-Pflegelotsen. Deutlich werden die Schwachstellen aktuell am Beispiel des früheren Kreis-Pflegeheims in Groß-Umstadt. Seit gut zehn Jahren läuft es unter der Flagge der gemeinnützigen, ortsübergreifenden Pflegeorganisationen Gersprenz (Pflege) und Senio (Betreiber).

Das Heim sei baulich überaltert und genüge nicht mehr heutigen Standards, betont die Senio-Führung seit Jahren. Es soll schon lange geschlossen werden. Darauf drängen auch Aufsichtsbehörden. Das alte Heim jedoch hat nun beim Pflege-TÜV die Note 1,2 erhalten.

In dem Qualitätsbereich, der auch das Wohnen erfasst, stellen die Prüfer dem Haus sogar die Bestnote 1,0 aus. Wird da also demnächst eine Top-Einrichtung abgerissen?

„Das Haus entspricht tatsächlich nicht mehr den Anforderungen“, widerspricht Kreis-Gesundheitsdezernent Christel Fleischmann (Grüne), „es gibt erhebliche Mängel, beispielsweise in Sicherheit, Brandschutz, Energieeffizienz.“ Allerdings würden dies andere Dinge in der Benotung mehr als ausgleichen. „Es gibt ja auch Fünfer in einzelnen Pflegenoten, also offensichtliche Defizite. Das Personal, von den Pflegekräften bis zur Reinigung, leistet aber offenbar Hervorragendes und gleicht all das Kritische aus.“

Pflegeheim-Geschäftsführer Tom Best drückt es so aus: „Man kann Glück haben, man kann Pech haben mit dieser Stichprobenbewertung.“ Die Fachwelt sei sich einig, dass Mängel in den Endnoten stärker ins Gewicht fallen müssten. Bis dahin müsse jede Familie sehr genau in die Details schauen, um bei der Suche nach einem passenden Haus nicht in die Irre geleitet zu werden. ( piz)

Pflegeheime in der Umgebung und deren Noten stehen auf der Seite www.pflegelotse.de.

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