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Pflegeheime im Test

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Vor allem die Betreuung von Demenzkranken ist zeitaufwendig.
Vor allem die Betreuung von Demenzkranken ist zeitaufwendig. © dpa

In Darmstadt sind alle 13 stationären Einrichtungen geprüft worden. Neun liegen unter dem Landesdurchschnitt von 1,5. Am schlechtesten hat das Alten- und Pflegeheim St. Josef in der Teichhausstraße abgeschnitten.

Seit 2009 werden Pflegeheime vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) unangemeldet besucht und in den Kategorien Pflege, Umgang mit Demenzkranken, soziale Betreuung, Wohnqualität und Hygiene benotet. In Darmstadt sind mittlerweile alle 13 stationären Einrichtungen geprüft worden. Neun liegen unter dem Landesdurchschnitt von 1,5. Am schlechtesten hat das Alten- und Pflegeheim St. Josef in der Teichhausstraße abgeschnitten: Es bekam die Note 3,6.

Die Pflegenoten von sehr gut bis mangelhaft wurden eingeführt, um mehr Transparenz in der Pflege zu schaffen. Grundlage zur Ermittlung der Noten sind 82 Einzelkriterien aus den Bereichen Pflege, Umgang mit Demenzkranken, Soziale Betreuung und Wohnen, die von den Prüfern vor Ort begutachtet werden.

Das Problem dabei: Anhand der Endnoten lässt sich die Qualität der Pflege nicht erkennen. Schlechte Pflegenoten können durch weiche Faktoren, wie etwa einen gut lesbaren Speiseplan, ausgeglichen werden. Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) hat angekündigt, diese Art der Schönrechnung ab Herbst nicht mehr zuzulassen. Unter den Darmstädter Einrichtungen schneidet der Wohnpark Kranichstein in der Borsdorffstraße am besten ab. Er bekam eine glatte eins. Aber auch das Wilhelm-Röhricht-Haus und das Seniorenzentrum Heimathaus müssen sich mit einem Gesamtergebnis von 1,1 nicht verstecken.

Das Kurt-Steinbrecher-Haus in der Nussbaumallee hat hingegen zwar eine Pflegenote von 1,1, der Umgang mit demenzkranken Bewohnern wurde allerdings mit einer 3,1 bewertet. Defizite gab es unter anderem bei den Bewegungs- und Kommunikationsangeboten, und auch die individuelle Gestaltung der Zimmer und Aufenthaltsräume ließ zu wünschen übrig.

„Das war ein Ausrutscher“, heißt es auf Nachfrage bei dem Haus der Arbeiterwohlfahrt. Mittlerweile sei zusätzliches Personal eingestellt worden, die Einrichtung ist zuversichtlich, bei einer erneuten Überprüfung eine bessere Note zu bekommen.

An den vom MDK festgestellten Defiziten arbeitet auch Marcus Rohde, Leiter des Alten- und Pflegeheims St. Josef in der Teichhausstraße. „Zum Zeitpunkt der Prüfung waren wir noch mitten in der Baumaßnahme“, sagt er. Das Bestandsgebäude sei aufwendig saniert worden, „was mit sehr viel Lärm und Dreck verbunden war.“ Seit Mitte Januar seien die neuen Wohnbereiche zur Nutzung freigegeben. Und auch die Küche ziehe in dieser Woche aus den Containern in die neuen Räumlichkeiten um.Derzeit leben 65 Bewohner in St. Josef, davon benötigen neun eine spezielle Betreuung. Weil es an geeigneten Angeboten zur Tagesgestaltung für sie fehlt, bekam die Einrichtung für den Umgang mit Demenzkranken die Note mangelhaft. Für die Pflege und medizinische Versorgung gab es ein ausreichend.

Kritisiert wurde vom MDK beispielsweise, dass die Medikamentenversorgung nicht den ärztlichen Anordnungen entspricht, dass es keine Sturz- und Druckstellenprophylaxe gibt und auch die systematische Schmerzeinschätzung bei Pflegebedürftigen zu wünschen übrig lässt.

„Die Defizite sind von uns anhand einer To-do-Liste aufgearbeitet worden“, sagt Rohde zu den Vorwürfen. Das Konzept für die dementiell erkrankten Bewohner werde derzeit erstellt. Zudem seien Alltagsbegleiter für mehr Betreuungsangebote eingestellt worden.

Die Ordensschwestern – das Heim gehört dem Orden der Schwestern vom Göttlichen Erlöser – leisteten Seelsorge und Einzelbetreuung. Im Angebot seien auch Singkreise, Meditation und Rosenkranzgebete. Gestern wurde das Haus erneut vom MDK geprüft. Das Ergebnis steht noch nicht fest. ( hin)

Die Noten der Darmstädter Pflegeheime stehen im Netz auf www.bkk-pflegefinder.de. Mehr Infos zum Pflege-TÜV gibt es auf www.pflegenoten.de

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